Netzwirtschaft Deutsche Gründer erobern Asiens Märkte

Online-Handel, Lieferdienste oder Handy-Spiele: Internetfirmen aus Deutschland mischen den boomenden E-Commerce-Markt in Asien auf - und sind dabei oftmals sogar Platzhirschen wie Amazon weit voraus.

Nirgendwo auf der Welt wächst das E-Commerce-Geschäft derzeit so stark wie in Asien. Vor einem Jahr ging die E-Commerce-Plattform Lazada.com in Südostasien an den Start und ist innerhalb weniger Monate in der Region zum Marktführer im Online-Einzelhandel aufgestiegen. Quelle: Screenshot

Bangkok

Wer in Indonesien, Thailand oder auf den Philippinen online einkauft, ist mit großer Wahrscheinlichkeit einer von Maximilian Bittners Kunden. Bittner arbeitet für die Berliner Startup-Schmiede Rocket Internet und leitet dort das Online-Kaufhaus Lazada. Vor einem Jahr ging die E-Commerce-Plattform in Südostasien an den Start und ist laut Bittner bereits innerhalb weniger Monate in der Region zum Marktführer im Online-Einzelhandel aufgestiegen. "Ich bin äußerst zufrieden mit unserem ersten Jahr", sagt der Manager, der früher für die Beratungsfirma McKinsey tätig war. "Das Timing war perfekt."

Nirgendwo auf der Welt wächst der Handel übers Netz derzeit so stark wie in Asien. Im Jahr 2013 werden die Umsätze nach Prognosen der Marktforschungsfirma eMarketer im Asien-Pazifik-Raum um 30 Prozent zulegen. Die Region wird demnach erstmals Nordamerika als wichtigsten Markt im Online-Handel ablösen. Neben China beflügeln vor allem aufstrebende Volkswirtschaften wie Indien und Indonesien die Branche mit rasanten Wachstumsraten.

Die Billion-Dollar-Start-ups
Foursquare auf dem iPhone Quelle: dapd
airbnb Quelle: Screenshot
Das undatierte Firmenhandout des Internet-Musik-Diensts Spotify zeigt den Firmengründer einen Screenshot der Plattform Quelle: dpa
Bleacher ReportDie Sportseite Bleacher Report gibt es erst seit 2007. Mittlerweile besuchen rund 25 Millionen Nutzer pro Monat die Homepage, um sich Videos, Analysen und Hintergrundberichte zu verschiedensten Sportthemen anzusehen. Die Zahl der sogenannten unique user macht den bleacher report zur viertgrößten Sport-Website im Netz. Für Nachrichtendienste ohne Sportberichterstattung wäre der Kauf von br also eine Überlegung wert. Quelle: Screenshot
FabBei der Shopping-Community Fab macht pro Tag rund 300.000 Dollar Umsatz. Die mehr als drei Millionen Nutzer können über Fab nach ihren Lieblings-Designer-Stücken suchen und beim Einkauf bis zu 70 Prozent sparen. Das Unternhemen hinter der Community hat bereits 50 Millionen Dollar Investorengelder einsammeln können und ist derzeit um die 200 Millionen Dollar wert. Für Groupon oder andere Schnäppchen-Anbieter wäre Fab eine gute Ergänzung. Quelle: Screenshot
A visitor tries on the new game "Angry Birds Space" during a launching ceremony in Hong Kong Quelle: dapd
PathMit der App Path können Nutzer private Momente, Bilder und Videos mit ihren Freunden teilen. Path funktioniert quasi wie ein Tagebuch, das ein bestimmter Kreis von Menschen lesen darf und von dem bestimmte Einträge auch bei Twitter, Foursquare, Facebook oder Tumblr veröffentlicht werden können. Rund drei Millionen Menschen nutzen das soziale Netzwerk für unterwegs. Google hatte schon einmal bei Erfinder Dave Morin angeklopft und ein 100 Millionen Dollar für Path geboten. Morin lehnte jedoch ab. Quelle: Screenshot
SquareWer sich bei Square registriert, brauch nie mehr irgendeine Kreditkarte benutzen, sondern kann sein Handy dafür benutzen. Außerdem gibt es fürs eigene Gerät einen Kreditkartenleser. Erfunden hat das mobile Bezahlsystem der Twitter-Mitgründer Jack Dorsey. Für Visa oder Mastercard wäre Square eine schöne Bereicherung. Sie müssten allerdings mindestens eine Milliarde Dollar hinblättern, einige schätzen den Wert des Dienstes auch auf zwei Milliarden. Quelle: Screenshot
Eine Frau sitzt mit einer Pinnwandnadel vor einem Computerbildschirm, auf dem die Homepage und das Logo vom Foto-Netzwerk Pinterest zu sehen sind. Quelle: dpa
YammerYammer funktioniert wie Twitter für Firmen und wird für die private Kommunikation innerhalb der Unternehmen genutzt. Die Zugänge zu einem Yammer-Netzwerk werden streng personalisiert, so dass auch nur Leute einer Firma in einem Netzwerk sind. Das Ganze lässt sich natürlich auch auf einzelne Abteilungen oder Teams herunter brechen. Quelle: Screenshot

Deutsche Internetfirmen nutzen die Gunst der Stunde: Sie erschließen mit wachsendem Erfolg neue Märkte in Fernost. Dabei lassen die deutschen Gründer sogar Internet-Giganten wie Amazon hinter sich. Der Weltmarktführer in Sachen Online-Shopping verzichtet bisher auf eine eigene Präsenz in bevölkerungsreichen Ländern wie Indonesien, den Philippinen oder Vietnam. Mit seinem Einkaufsportal Lazada will Maximlian Bittner diese Nische besetzen. Die Optik der Website erinnert stark an das Layout, das Amazon lange Zeit eingesetzt hat, auch das Produktangebot ist zum Verwechseln ähnlich: Zu bestellen gibt es Bücher, Filme und Musik, genauso wie Smartphones, Computer und Sportausrüstung.

Etablierte Internetgeschäftsmodelle zu kopieren und in neuen, bisher unerschlossenen Märkten an den Start zu bringen, ist der typische Ansatz von Rocket Internet, das von den Samwer-Brüdern gegründet wurde. Dem Prinzip folgt auch Lazada. Weil ernstzunehmende Konkurrenten bisher fehlen, hat sich das Unternehmen mit Berliner Wurzeln zwischen Bangkok und Jakarta schnell als erste Anlaufstelle im Online-Einzelhandel etabliert. "Das Wettbewerbsumfeld ist für uns nach wie vor sehr günstig", sagt Geschäftsführer Maximilian Bittner.

Sein Unternehmen hat in den vergangenen Monaten eine erhebliche Finanzkraft aufgebaut: Firmenkreisen zufolge hat das junge Unternehmen seit Herbst 2012 deutlich mehr als 100 Millionen US-Dollar bei Investoren eingesammelt. Zuletzt stieß Ende Januar eine Beteiligungsgesellschaft der Einzelhandelsgruppe Tengelmann, mit einer Investition von rund 20 Millionen Dollar zu den Kapitalgebern. Anteile an Lazada halten auch die US-Bank J. P. Morgan, die Stuttgarter Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck und die schwedische Kinnevik-Gruppe über ihre Beteiligungsgesellschaften. Das Geld will Maximilian Bittner vorwiegend für Investitionen in den Kundenservice und Verbesserungen in der Logistik nutzen. Außerdem startet Lazada eine großangelegte TV-Kampagne, um zusätzliche Kundenschichten anzusprechen.

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