Pausder auf den Punkt

Arbeitsschutz - Danke, Frau Nahles!

Verena Pausder
Verena Pausder Gründerin des App- und Onlinespiele-Entwicklers Fox & Sheep

Applaus, Applaus für Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles: Mit Hilfe ihrer neuen Arbeitsstättenverordnung sollen endlich auch Start-ups menschenwürdige Arbeitsräume bekommen. Vorsicht, Realsatire!

So gestalten Sie Ihr Büro erfolgreich
Gemeinsame Mittagpause Essen am Arbeitsplatz ist ungesund und unästhetisch. Doch einmal pro Woche gemeinsam mit den Kollegen zu essen, ist eine schöne Gelegenheit, sich locker und über die Arbeit hinaus auszutauschen. Dazu kann Essen für alle ins Büro bestellt werden. Dann darf auch am Arbeitsplatz geschlemmt werden. Quelle: dpa
Spezielle RaucherräumeUm Rauchen im Büro zu verbieten, die paffenden Kollegen aber nicht zu stigmatisieren, kann ein spezieller Raucherraum oder eine Raucherkabine eingerichtet werden. Der hält den Qualm von Nichtrauchern fern, macht Raucherpausen aber wenigstens zu einem kommunikativen Erlebnis. Quelle: dpa
Dezente Farben Ein buntes Büro hebt nicht zwangsläufig die Laune. Bei der Einrichtung sollten Sie vorsichtig sein. Einige farbliche Akzente reichen aus, um eine nette Atmosphäre zu schaffen und Räume zu verschönern. Farbige Wände dagegen kann man meist nur eine gewisse Zeit ertragen. Sie sind nur in solchen Räumen sinnvoll, in denen sich die Mitarbeiter kurz aufhalten - beispielsweise Konferenz- oder Ruheräume. Quelle: dpa
Richtiger Schreibtisch Er sollte eine Oberfläche haben, die Sie gerne anfassen. Eine Beschichtung ist nicht nötig, eine geölte Holzplatte reicht aus. Einziges Manko: Dunkle Kaffeeflecken sind sofort sichtbar. Praktisch: Schubladen unter der Oberfläche. Ein Rollcontainer nimmt meist zu viel Platz weg. Quelle: dpa
Schöner TeppichAuch wenn ihn alle mit Füßen treten - der Teppich ist ein wichtiges Accessoire. Ist das Büro klein und belebt, sollte ein dezenter Teppich gewählt werden. In aufgeräumten und weitläufigen Räumen können Sie sich auch an Muster wagen. Quelle: dpa
Ausreichend StauraumUm Platz auf dem Schreibtisch zu gewinnen, gibt es viele Möglichkeiten. Etwa eine Schiene über der hinteren Tischkante. Auch mit der richtigen Kabel-Anbringung können Sie Platz sparen. Am besten führen Sie sie als Bündel durch ein Loch in der Tischplatte hin zu einer Mehrfachsteckdose. So liegen die Kabel nicht im Weg und verknoten nicht. Ebenfalls clever: In einer kleinen Schublade unter der Tischplatte können alle Kabel eingesteckt und gleichzeitig sicher verstaut werden. Quelle: dpa
Flexible Plätze Wer es noch nicht kennt, sollte es zumindest einmal ausprobieren: Desksharing. Soll heißen: Kein Angestellter hat einen festen Sitzplatz. Stattdessen lagern persönliche Gegenstände in einem kleinen Schrank, in dem auch Arbeitsgeräte wie Laptops oder Mobiltelefone gelagert werden. So kann jeder Mitarbeiter an jedem beliebigen Schreibtisch arbeiten. Der Vorteil: Das Büro wird dadurch zu einem Ort, an dem man sich mit Kollegen austauscht, der Kontakt untereinander wird dadurch enger. Quelle: dpa

Büros sind in der Start-up-Szene sehr wichtig. Sie sind das Statussymbol unserer Generation. Wir dachten, wir hätten da in Hinblick auf Meetingräume (Gewächshäuser im Büro wie bei Bloomydays), Gadgets (Torwände wie im Büro von OneFootball), Köche zur Mittagszeit (wie bei wooga), Hunde im Büro, Chill-out-Areas (wie bei Researchgate) und 1a-TipTop-Kaffeemaschinen bereits alles umgesetzt, wovon man nur träumen kann.

Weit gefehlt.

Die Bundesregierung in Person von Andrea Nahles hat da noch ein paar Ideen, die uns komplett verblassen lassen. Arbeitsstättenneuverordnung heißt das Zauberwort.

Ich nenne es der Einfachheit halber einfach mal Arbeitsstätte 5.0.

Denn die Verordnung ist so visionär, dass sich niemand vorstellen kann, dass sie es jemals in die Realität schafft. Unsere Politiker sehen das anders.

Die Arbeitsstätte 5.0 ist eine Oase des totalen Glücks, der Helligkeit und der Wärme. Im gesamten Büro inklusive aller Räume wie Lager, Keller und Putzkammer herrscht ein mildes Klima von 17 Grad. Das Raumkonzept lebt vom Tageslicht, besonders auf den Toiletten sollte ein unverstellter Blick ins Grüne möglich sein. Tageslicht darf aber auf keinen Fall mit Sonneneinstrahlung verwechselt werden. Diese gilt es zu bekämpfen, natürlich ohne das Tageslicht zu verdrängen. Intelligente Stoffe der Textilindustrie werden das schon lösen.

Zum Schutz der Persönlichkeitsrechte in Zeiten totaler digitaler Transparenz und Überwachung steht jedem Mitarbeiter als sicherer Hafen ein persönlicher abschließbarer Spind zur Verfügung. Wahlweise darf man diesen natürlich außen wie innen mit Aufklebern versehen. Da bieten sich der Like-Daumen von Facebook, Emoticons jeder Art oder der extra vom Bundesarbeitsministerium gedruckte „I love my job“-Sticker an. Im Inneren des Spinds steht es einem natürlich völlig frei, auch ein Poster von Frau Nahles, seinem Chef oder der Lieblingskollegin aufzuhängen. Für die Schlösser ist aus Praktikabilitätsgründen ein Zahlenschloss zu wählen - mit der Bitte, nicht das Geburtsjahr als Code zu verwenden. Sonst müsste zu diesem Zweck ein zweiter Datenschutzbeauftragter eingestellt werden.

Die schönsten Büros der Welt
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Und dann mein persönliches Highlight: das Erste-Hilfe-Zimmer. Wie haben wir es eigentlich bisher ohne diesen Raum ausgehalten? Was man da alles machen kann. In meiner Schulzeit war meine Lieblingsübung in der Mitte der sterbenslangweiligen Physikstunde ohnmächtig vom Stuhl zu rutschen, um dann von meinen beiden besten Freundinnen ins Erste-Hilfe-Zimmer geleitet zu werden. Herrlich!

Wie schön, dass das jetzt bald im Job auch möglich ist. Mitarbeiter müssen nicht mehr nach Hause gehen, wenn sie sich in den Finger geschnitten oder an der Kaffeemaschine verbrannt haben. Die Arztpraxen werden leer sein und der Krankenstand wird ungeahnte Tiefststände erreichen. Ein einfaches Zimmer macht es möglich. Warum ist da eigentlich nicht schon längst jemand drauf gekommen!?

In Arbeit
Bitte entschuldigen Sie. Hier steht ein Element, an dem derzeit noch gearbeitet wird. Wir kümmern uns darum, alle Elemente der WirtschaftsWoche zeitnah für Sie einzubauen.

Ach ja, wer glaubt, dass die Arbeitsstätte 5.0 nur im Büro Einzug erhält, der irrt. Auch jeder Home-Office-Arbeitsplatz wird zukünftig auf Funktionsfähigkeit und Komfort geprüft. Oliver Samwer wird bald höchstpersönlich die Sonneneinstrahlung in den Privatwohnungen seiner Mitarbeiter überprüfen.

Angeblich soll Kanzleramtsminister Peter Altmaier die Pläne seiner Kollegin Nahles erst einmal auf Eis gelegt haben. Vor ein paar Tagen habe ich gelesen, dass Überregulierung eine der größten Sorgen eines Start-ups ist. Es ist mir ein Rätsel, woher diese Sorge kommt...

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