WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen
Pausder auf den Punkt

Wie Firmen künftig die besten Mitarbeiter finden

Verena Pausder
Verena Pausder Gründerin des App- und Onlinespiele-Entwicklers Fox & Sheep

Zeitsouveränität und Wohlbefinden statt Dienstwagen und Jobtitel: Der Kampf um die besten Talente wird immer heftiger. Zehn Dinge, die Arbeitgeber wissen müssen, um den Mitarbeiter der Zukunft für sich zu gewinnen.

  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:
So gewinnen Unternehmen junge Talente
Mitarbeiter fertigen in einer Polsterei in Weidhausen (Bayern) Sitzmöbel. Quelle: dpa
ÜbernahmegarantieEine ähnliche geringe Attraktivität für junge Menschen dürften auf den ersten Blick auch scheinbar altmodische Branchen haben, die einen heftigen Strukturwandel hinter sich haben - beispielsweise die Porzellanbranche. Die Übernahmequote dort sei sehr hoch, wirbt Christoph René Holler, Geschäftsführer des Bundesverbandes Keramische Industrie, um Nachwuchs. „Die Fachkräfte werden gebraucht. Es hat sich herumgesprochen, dass man in der Regel übernommen wird.“ Bislang gelinge es noch, die meisten Ausbildungsplätze zu besetzen, „aber es wird immer schwieriger“, räumt er ein. Deshalb habe man bei den Tarifabschlüssen den Nachwuchs besonders berücksichtigt. Eine Sprecherin des traditionsreichen Porzellanherstellers Rosenthal in Selb sagt: „Durch eine gute Zusammenarbeit mit Schulen und der Agentur für Arbeit gelingt es uns trotz des demografischen Wandels und seiner Auswirkungen in den meisten Fällen, gut geeignete Kandidaten zu finden.“ Alle zum 1. September angebotenen Lehrstellen habe man besetzen können. Quelle: AP
Model Clelia zeigt "Putzpantoffeln" des Herstellers Present Time Quelle: dpa/dpaweb
Segeltörn
Hochseilgarten Quelle: dpa
Innovation Challenge Quelle: Fotolia
Krimi Quelle: Fotolia

Es ist eigentlich egal, wen man fragt, ob Mittelständler, DAX-Konzernlenker oder Start-up-Gründer. Alle antworten sie auf die Frage, was in Zukunft der wichtigste Erfolgsfaktor eines Unternehmens sein wird: Die Rekrutierung erstklassiger Mitarbeiter.

Der Kampf um die besten Talente wird immer heftiger. Doch häufig bedienen sich Unternehmen dabei Mitteln, die an den Wünschen und Wertvorstellungen der angesprochenen Mitarbeiter vorbei gehen.

Massen strömen in die Start-ups vor allem in Berlin, Hamburg, München und Köln. Sie entscheiden sich für einen Job in diesen jungen Unternehmen statt in größeren traditionellen Firmen. Wer nach den Gründen fragt, bekommt spannende Antworten, die zeigen, dass die Mitarbeitergewinnung immer anspruchsvoller und vielschichtiger wird.

Was Mitarbeiter an Arbeitgeber bindet

Offenbar gibt immer häufiger die Unternehmenskultur den Ausschlag. Gemeint ist aber nicht die vorgegebene, oft am Reißbrett entworfene, sondern die im Alltag gelebte Unternehmenskultur. Sie wird für immer mehr Menschen zum Maßstab aller Dinge. Die Unternehmenskultur muss zu den eigenen Überzeugungen passen. Sie muss sich mit den eigenen Werten im Einklang befinden. Es muss bei den Menschen Klick machen, damit sie zu Mitarbeitern einer bestimmten Firma werden.

Was sind die Wertvorstellungen und Wünsche, die Menschen heute an ihren Arbeitgeber richten? Constanze Buchheim, die Gründerin der Berliner Personalberatung ipotentials, die sich auf die Digitalwirtschaft spezialisiert hat, sagt es sehr schön: „Macht über die eigene Zeit haben zu können und der Wunsch, Lebenszeit entlang der eigenen Wertvorstellungen einzusetzen, sind in unserer Wahrnehmung zwei der wichtigsten Faktoren bei der heutigen Jobwahl.“

Im Kern umfasst das folgende zehn Punkte:

Das neue Statussymbol heißt Selbstbestimmung: Wer in einer Position ist, in der er selbstbestimmt agiert und sich entwickelt, kann von sich sagen und nach außen demonstrieren: Ich habe es geschafft.

(Lebens-)Zeit wird zum höchsten Gut: Sabbaticals und andere zeitliche Freiräume wie Home-Office-Lösungen, Personal Days oder Ähnliches sind unendlich wertvoll für den Mitarbeiter. Die flexible Arbeitszeitgestaltung wird zum zentralen Ansatzpunkt im Anreizsystem. Output ist wichtiger als Input.

Do's & Don'ts im Recruiting

Arbeitsortgestaltung: Mitarbeiter sind nicht mehr bereit, das eigene soziale Leben für schlechte Standorte aufzugeben oder den Großteil eines Tages an einem ungemütlichen Ort zu verbringen. Standorte und Bürogestaltungen werden zum Wettbewerbsfaktor. Die Qualität der Kaffeemaschine und die Wahlmöglichkeit des Arbeitsgeräts (Mac, iPhone etc.) wird zum Entscheidungskriterium.

Wertekongruenz und Identifikation: Kandidaten möchten eher bei den Unternehmen arbeiten, deren Wertesysteme ihrem eigenen sehr ähnlich sind und deren Vision und Mission sie mittragen wollen, damit sie ihre Lebenszeit als sinnvoll eingesetzt betrachten können. Private und berufliche Gedankenwelten verschmelzen, weil beide Bereiche für den künftigen Mitarbeiter gleich wertvoll sind. Dabei achtet er, dass Zeit für Privates nicht zu kurz kommt.

Titel werden unbedeutend

Geld verliert Steuerungskraft: Geld ist nicht weniger wichtig, aber niemand ist mehr bereit, die eigenen Werte für zusätzliches Einkommen zu verkaufen. Dennoch ist das Gehalt und seine Entwicklung weiterhin ein Maßstab für Erfolg und Wertschätzung.

Status verliert an Bedeutung: Status ist per se dem Wunsch nach Augenhöhe gegenläufig, daher nimmt das Denken in Statuskategorien ab. Besitz ist kein Statussymbol mehr, sondern belastet zunehmend. Die Bahn-Card wird dem Dienstwagen vorgezogen.

Die zehn besten Wege zur Mitarbeiter-Motivation
Büromöbel Quelle: imago images
Pflanzen im Büro Quelle: imago images
Guter Kaffee Quelle: dpa
Betriebliche Gesundheitsförderung Quelle: picture alliance / dpa
Ansprechende Raumgestaltung Quelle: imago images
Teamarbeit Quelle: ZB
Getränke Quelle: imago images

Titel werden unwichtig: Führungsanspruch entsteht aus Vertrauen und Kompetenz, nicht durch Ernennung. Titel werden daher unbedeutend. Eventuell werden Führungskräfte in wenigen Jahren vielleicht sogar gewählt.

Entwicklungsmöglichkeiten: Wunsch nach stetiger Entwicklung entspringt der Überlegung, das Beste aus dem Leben zu machen und sich stets Wahlmöglichkeiten zu erhalten. Entwicklung bedeutet aber nicht immer Drang zu führen. Aufstieg wird nicht um jeden Preis erwünscht.

Management mit Vertrauen: Wertekongruenz vorausgesetzt, wird es unnötig, den Mitarbeiter zu kontrollieren, weil er ein Eigeninteresse am Ergebnis hat.

Aus diesem Grund ist auch eine zu starre Arbeitszeitregulierung nicht mehr nötig, Mitarbeiter wünschen sich auch vor dem Hintergrund ihres Selbstbildes und des privaten Fokus Selbstbestimmung bei der Arbeitszeitgestaltung.

Gründer



Der Wunsch, im Unternehmen auf Augenhöhe behandelt zu werden, ist stark ausgeprägt. Daran muss sich die Kommunikation zwischen Führungskraft und Mitarbeiter orientieren, um eine partnerschaftliche Führungsbeziehung zu etablieren.

Innovationsstärke: Niemand will mehr in stagnierendem, angestaubten Umfeld arbeiten mit veralteten Methoden und Werkzeugen. Innovative Unternehmen haben es definitiv einfacher, gute Leute zu bekommen, weil sie eine bessere Reputation haben und Arbeit dort mehr Spaß macht und einfacher ist.

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%