Pausder auf den Punkt

Wie Start-ups und Flüchtlinge aufeinander zugehen

Verena Pausder
Verena Pausder Gründerin des App- und Onlinespiele-Entwicklers Fox & Sheep

Die Start-up-Szene gibt sich alle Mühe, Flüchtlinge zu integrieren. Der Staat darf das nicht erschweren, indem er die Regeln für Praktika und einen schnellen Arbeitseinstieg im Vagen belässt.

Die Start-up-Szene gibt sich alle Mühe, Flüchtlinge zu integrieren. Quelle: dpa

Die Flüchtlingskrise ist ein großes Thema in der Start-up-Szene. Das gilt vor allem für Berlin mit den katastrophalen Zuständen vor dem Landesamt für Gesundheit und Soziales, kurz: Lageso, wo Hunderte von Flüchtlingen in unwürdigen Zuständen ausharren. Ich glaube, jeder aus der Start-up-Szene hat dort schon kistenweise Sachen hingefahren und verteilt. Unter den Gründern jagen Emails hin und her, in denen man sich austauscht: Wie macht ihr das, wann gibt es Arbeitserlaubnisse, habt ihr schon jemanden eingestellt, kann man Praktika vergeben.

Was Flüchtlinge dürfen

Die Grundeinstellung in den Start-ups gegenüber Flüchtlingen ist sehr Angela-Merkel-like. Start-ups haben zu den Flüchtlingen eine positive Haltung, weil Start-ups gewohnt sind, mit Menschen aus unterschiedlichen Kulturen und unterschiedlicher Herkunft zu arbeiten. 20 Nationalitäten in einem Unternehmen sind fast Alltag. Zur Arbeit eines Start-ups gehört es, sich um Wohnungen für neue Mitarbeiter mit zu kümmern und Leute zur Ausländerbehörde zu begleiten. Unabhängig davon, dass nicht alle Flüchtlinge tolle Qualifikationen mitbringen, überwiegt das wohlwollende Aufeinanderzugehen. Das ganze Thema Zuwanderung ist positiv belegt.

Eines ärgert mich in der gegenwärtigen Flüchtlingskrise: Nämlich die Vorbehalte,  Flüchtlinge könnten den Leuten aus Deutschland Arbeitsplätze wegnehmen oder auch mit der Bereitschaft, für wenig Geld zu arbeiten, andere ausstechen. Diese Vorbehalte fasse ich nicht. Wer noch immer nicht begriffen hat, dass wir in einer sehr schnell alternden Gesellschaft leben, die einen riesigen Bedarf an Fachkräften hat - von der IT über das Handwerk bis zu Lieferdiensten und Reinigungsgewerbe -,  dem kann ich nur sagen: Ich glaube nicht, dass die Arbeitslosigkeit zunimmt aufgrund von Zuwanderung. Im Gegenteil, wir werden massiv wirtschaftliche Probleme bekommen, wenn wir Zuwanderung nicht als Chance begreifen und die Menschen, die zu uns kommen, integrieren und fördern.

Welche Asylregeln sich ändern sollen
Flüchtlinge vor einer hessischen FLüchtlingsunterkunft Quelle: dpa
Mitarbeiter des Roten Kreuzes und Flüchtlinge stehen in Neu-Isenburg (Hessen) einer Flüchtlingsunterkunft bei gespendeten Kleidungsstücken. Quelle: dpa
Feldbetten in euner Notunterkunft für Flüchtlinge Quelle: dpa
Die kleine Shayma aus Syrien bekommt in der Flüchtlingsunterkunft bei einer Untersuchung den Puls gemessen. Quelle: dpa
Deutschkurs für Flüchtlinge Quelle: dpa
Das Schild des Bundesamtes für Migration und Flüchtlingean der Erstaufnahmeeinrichtung in Neumünster (Schleswig-Holstein). Quelle: dpa
Ein Protest-Transparent hängt in Hamburg bei einer Pressekonferenz der Flüchtlingsgruppe "Lampedusa in Hamburg" in einem Fenster. Quelle: dpa

Im Gegensatz zu herkömmlichen Unternehmen machen das viele  Start-ups schon. Die Mitarbeiter kommen aus aller Welt, Talente werden als rare Ressource betrachtet,  die Gründer sind vorurteilsfrei, die Unternehmenskultur ist divers und deshalb offen, die Unternehmenssprache ist eh Englisch. Man ist darauf gepolt, Leute aus anderen Ländern schnell zu integrieren und ihnen den Arbeitseinstieg zu erleichtern. Start-ups müssen sich deshalb weniger umstellen, um Flüchtlinge anzustellen.

Was man dabei erlebt, bewegt mich sehr. Wir haben zum Beispiel zwei Laptops aus unserer Firma für „Refugees On Rails“ gespendet. Diese Initiative gibt es, um Flüchtlingen Einstiegsmöglichkeiten in Start-ups zu bieten. Sie basiert auf der Einsicht, dass die Flüchtlinge nicht nur humanitäre Hilfe benötigen, sondern dass es den meisten ohne Arbeit oder eine Aufgabe ganz schnell ganz schön langweilig wird.

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