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Prinz Harry steigt bei BetterUp ein Die royale Coaching-Plattform und ihre deutschen Angreifer

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Aufwändige Prüfverfahren

Entscheidend im Wettkampf der Start-ups ist, ein umfangreiches Netzwerk an Coaches vorzuweisen – und Großkonzernen ihre Dienste international anzubieten. Sharpist arbeitet eigenen Angaben zufolge mit mehr als 500 Experten weltweit zusammen, bei Bettercoach sind es 800, bei Coachhub bereits jetzt 2500. Im Zuge der Expansion soll diese Zahl nun verdoppelt werden. Wie stark sich die Netzwerke der Anbieter überschneiden, ist unklar. Der Pool an Coaches ist indes riesig: Den PwC-Zahlen zufolge sind weltweit rund 71.000 Menschen indem Berufsfeld unterwegs – die meisten davon als Freiberufler.

Die Start-ups betonen unisono, nur qualifizierte Experten zu vermitteln – harte Auswahlprozesse sollen Scharlatane und Blender aussortieren. Coachhub etwa gibt an, nur fünf Prozent aller Bewerber zu akzeptieren. Nachweisen müssen die Coaches unter anderem die Zertifizierung durch einen anerkannten Berufsverband und mehr als sechs Jahre Berufserfahrung. Zum Aufnahmeprozess gehört auch ein Vorstellungsgespräch sowie ein Probe-Coaching. Laut Niebelschütz kümmern sich 20 Mitarbeiter alleine darum, die Coaches an Bord zu holen, sie zu schulen und zu betreuen.

Um die besten Coaches für sich zu gewinnen, machen die Start-ups zahlreiche Versprechen: Zugang zu neuen Kunden sowie Chancen, die eigene Auslastung zu erhöhen. Bezahlt werden die Coaches nach Stundensätzen, diese seien „sehr wettbewerbsfähig“, wie Niebelschütz sagt.




Software-Branche als Vorbild

Dabei verschwimmen die Grenzen zwischen Vermittlungsplattform und HR-Beratung. So wirbt Coachhub mit Zugang zu seiner Denkfabrik „Coaching Lab“. Beteiligt sind Professoren, Psychologen, Forscher und Lernexperten. Sie entwickeln passende Coaching-Strategien für die Unternehmenskunden – etwa für die Digitalisierung, wenn das gerade das große Thema in der Firma ist. „Wir haben da mittlerweile ein tiefes Fachwissen, das uns zu Transformations-Partnern macht“, sagt Niebelschütz. Dazu kommen selbst entwickelte E-Learning-Inhalte. Das Versprechen: Die Mitarbeiter der Kunden erhalten im Anschluss an ihre Coaching-Sitzung per App thematisch passende digitale Lerninhalte. Die sollen die besprochenen Themen vertiefen. Mehr als 500 solcher Elemente hat Coachhub inzwischen im Programm. Eine ähnliche Strategie verfolgt auch Sharpist. Charmant aus Start-up-Sicht: Anders als das eigentliche Coaching lässt sich das E-Learning besser skalieren. Einmal entwickelte Inhalte können ohne zusätzliche Kosten unbegrenzt vielen Kunden angeboten werden.

Bei Coachhub spricht man analog zum typischen Geschäftsmodell der großen Software-Konzerne von „Coaching as a Service“: Kunden zahlen nicht für einzelne Coaching-Sitzungen, sondern sie kaufen eine Jahreslizenz pro Mitarbeiter. Das soll den Weg zur Marktführerschaft ebnen, ist aber riskant: Die Rechnung geht nur auf, wenn sich Intensiv- und Gelegenheitsnutzer die Waage halten. „Wir haben mit unseren Investoren lange diskutiert, ob wir das machen sollen“, räumt Niebelschütz ein. „Ähnlich wie im Onlinehandel wird sich am Ende die Plattform durchsetzen, die sich am stärksten an den Kundenbedürfnissen orientiert“, ist der Coachhub-Gründer überzeugt, der dabei die Beispiele wie StudiVZ oder Xing vor Augen haben mag, zwei sozialen Netzwerken deutscher Herkunft, die mit sehr unterschiedlichem Erfolg probierten, mit den US-Konkurrenten in ihrem Feld mitzuhalten. 

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Wer bei den Coaching-Plattformen das Rennen macht, ist trotz der deutlichen Unterschiede in der Finanzkraft wohl noch offen. BetterUps Neuzugang an der Spitze zumindest kündigt an, sich mit vollem Eifer einzubringen. „Ich möchte  dabei mithelfen, einen Einfluss  auf das Leben der Menschen zu nehmen“, erklärte Prinz Harry dem Wall Strett Journal seine Beweggründe. „Proaktives Coaching bietet noch endlose Möglichkeiten für die Persönlichkeitsentwicklung, die Erhöhung der Achtsamkeit und insgesamt das Erreichen eines besseren Lebens.“

Mehr zum Thema: Immer mehr Deutsche lassen sich für ihre Karriere mental trainieren. Doch damit das funktioniert, braucht es den richtigen Coach – und keinen teuren Guru.

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