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Schnell gelangweilt, aber nicht blöd Generation Z: Die große Herausforderung für die Medienkonzerne

Bei fast allen Social-Media-Kanälen, die informative Inhalte produzieren und von jungen Menschen gerne geschaut und gehört werden, stehen die traditionellen Medien in Form von „funk“ - dem Netzwerk von ARD und ZDF - dahinter. Quelle: dpa

Die Generation Z ist kostenlose Informationen gewohnt. Für Medienkonzerne lautet die Frage: Wie bringt man sie zum Bezahlen? Der fünfzehnjährige Leonard Geßner durchleuchtet in seinem Gastbeitrag den Medienkonsum seiner Generation.

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Unterhaltung ist bei der Generation Z schon lange keine Sache der traditionellen Medien mehr. Dafür gibt es zu viele, oft hochwertige, Formate auf YouTube, Serien auf Netflix und Podcasts bei allen Streaming-Anbietern. Lediglich einzelne Formate, die breit online gestreut werden, finden eine Relevanz bei der Generation Z, zum Beispiel Joko & Klaas mit ihrem „Duell um die Welt“. Dass die Generation Z sich eher weniger von ihnen unterhalten lässt, haben auch die Medienunternehmen mitbekommen und konzentrieren sich aktuell eher auf die Unterhaltung der älteren Zielgruppen.

Informationen über aktuelles Geschehen werden meist noch über die traditionellen Medien bezogen. Soll das so bleiben, muss man sich aber noch ein bisschen mehr ins Zeug legen. Dass sich die Generation Z nicht über politische, gesellschaftliche und wirtschaftliche Inhalte informiert, ist schlichtweg falsch. Nur weil auch viele junge Erwachsene keine Papierzeitung mehr in der Hand haben, informieren sich spätestens ab einem Alter von 16 Jahren viele täglich über das aktuelle Geschehen. Das Medium der Informationen hat sich in den letzten Jahren allerdings stark verändert.

Leonard Geßner ist Gymnasiast in Bremen. Für seine YouTube-Serie hat er verschiedene deutsche Spitzenpolitiker und Journalisten interviewt. Im Mai erschien sein Buch „Politik der Generation Z – ein unbequemer Blick in die Zukunft.“ Quelle: PR

Abgesehen von der Tagesschau, die von fast allen Jugendlichen als vertrauenswürdige Quelle eingeschätzt wird, findet die Informationsbeschaffung meistens online statt. Interessant dabei ist, dass bei fast allen Social-Media-Kanälen, die informative Inhalte produzieren und von jungen Menschen gerne geschaut und gehört werden, die traditionellen Medien in Form von „funk“ - dem Netzwerk von ARD und ZDF - dahinterstehen. Wahrscheinlich bewusst produziert man die Inhalte nur mit einem dezenten Hinweis auf die „Öffentlich-Rechtlichen“. Aktuell hat „funk“ dafür ein Budget von 45 Millionen Euro pro Jahr zur Verfügung, was im Vergleich zu den Gesamteinnahmen aus Rundfunkgebühren in Höhe ca. 8 Milliarden Euro jährlich relativ gering erscheint. Dass die Formate der „Öffentlich-Rechtlichen“ so gut ankommen, ist jedoch nur ein Teilerfolg. Denn die schwierige Debatte steht noch bevor.

Immer wieder wird über eine Erhöhung des Rundfunkbeitrages diskutiert, doch wie möchte man in 15 oder 20 Jahren eine Beibehaltung des aktuellen Beitrages rechtfertigen, wenn immer mehr Menschen sich online informieren und immer weniger Fernsehen geschaut wird, unabhängig von der Debatte über teure Fußballübertragungen in den „Öffentlich-Rechtlichen“? ARD und ZDF werden noch einige Argumente für sich liefern müssen, um auch in Zeiten der Generation Z ihr Bestehen in dieser Form rechtfertigen zu können.

Schlimmer wird es allgemeine Tageszeitungen und Zeitschriften treffen, also die Zeitungen, die nicht auf ein Thema spezialisiert sind. Junge Menschen informieren sich in kürzerer Zeit und lesen kaum noch Zeitung und das wird zum Problem. Zum einen, weil visualisierte Nachrichten wesentlich erfolgreicher sind, zum anderen, weil für viele jüngere Menschen die Vielfalt der Tageszeitungen nicht so entscheidend wie die Vielfalt der Online-Formate ist. Süddeutsche, Welt oder FAZ - für viele junge Menschen höchstens ein kleiner Unterschied.

Wer sich jedoch mit genannten Zeitungen auseinandersetzt, stellt fest: Es gibt große Unterschiede, die der Medienlandschaft gut tun. Für viele zeigen sich nicht genug Unterschiede, um so viele überregionale Zeitungen zu erhalten bzw. zu bezahlen. Hinzu kommt, dass die Generation Z sowieso kaum für Inhalte bezahlen muss, wie Charles Bahr (18), seit kurzem Brand Partnership Manager bei „TikTok“ und Generation Z-Experte bestätigt: „Ich glaube einfach, wir sind es tatsächlich nicht gewohnt, Geld für Inhalte auszugeben.“

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