Star-Investor Thelen "Frank, du bist nicht Steve Jobs"

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"Ich war immer schlecht darin, strategische Masterpläne zu schmieden"

An einen Börsengang hat sich Thelen nie gewagt. Aber wäre das nicht der bessere Weg, um ein deutsches Google zu schaffen? Hätte MyTaxi nicht ein europäisches Uber werden können? Frank Thelen zuckt mit den Schultern: „So groß haben wir damals nicht gedacht.“ Und ein Börsengang, sagt er, erzeuge erst mal Kosten und „viel Distraction“. Elon Musk wolle tolle Autos bauen, „stattdessen muss er sich mit skeptischen Aktionären herumärgern“. Vielleicht hat Thelen aber auch nur Angst. Das letzte Mal, als er von einem Börsengang träumte, war er Anfang 20 – und später hoch verschuldet.

„Ich war immer schlecht darin, strategische Masterpläne zu schmieden“, sagt Thelen. Elon Musk habe so einen Plan. Oder Jeff Bezos, der Amazon-Gründer. Beide wüssten genau, wo sie landen und wie sie das erreichen wollten. „Ich hatte das bisher nicht, habe rein aus Passion gehandelt“, sagt er. Es klingt, als wüsste er selbst nicht, ob er das bedauert oder darauf stolz ist: Thelen ergreift Chancen, wenn sie sich bieten. So wie in „Die Höhle der Löwen“.

Um zum Büro von Spielzeugkiste zu kommen, muss sich Thelen durch das Treppenhaus schieben, vorbei an gestapelten Paketen und Pappe. Der Spielzeugverleih ist eines seiner ersten Investments aus der Fernsehshow. Jeder verfügbare Meter wird hier als Lager genutzt, der Flur ist mit Regalen zugestellt, selbst auf dem Hof stehen Pakete. Bald will das Team umziehen.

Botschafter und Seelsorger

„Hast du mitbekommen?“, fragt Gründer Florian Spathelf. „Tchibo verleiht jetzt Kinderkleidung. Und Otto Waschmaschinen. Die Großen setzen auf Sharing-Konzepte.“ Bald schon, fürchtet er, könnten Amazon oder Toys‘R‘Us nachziehen und Spielzeug verleihen. Die Konkurrenz macht ihm Sorgen; auch stand die Spielzeugkiste schon mal kurz vor der Pleite, das Team musste neue Geldgeber finden. Frank Thelen winkt ab. Tchibo steigt ins Sharing-Geschäft ein? Kein Problem, im Gegenteil: „Das erzeugt erst mal Aufmerksamkeit, dann habt ihr Mitnahmeeffekte. Das haben wir damals bei unserer Fotosoftware erlebt.“

Mehr Zeit bleibt nicht. Thelen muss weiter. „Stopp, Frank, bevor du gehst, wir würden gerne noch ein Team-Selfie machen“, ruft Spathelf. Die meisten Gespräche laufen über Skype. „Ich hab ihn hier in zwei Jahren vielleicht zweimal gesehen“, sagt ein Mitarbeiter der Spielzeugkiste. „Frank hat zu viel auf der Kelle“, sagt ein anderer Gründer. „Dann ist er mit dem Kopf nicht ganz da, hört nicht richtig zu, fährt einem über den Mund, obwohl er den Gedanken gar nicht verstanden hat.“ Die meisten Gründer haben gelernt, damit zu leben. Sie profitieren vielleicht mehr von seinem Geld und seiner Prominenz als von seinen Ratschlägen.

Zurück im Auto, atmet Thelen kurz durch, checkt seine E-Mails. Mehr als 300 sind es, jeden Tag. Er bedauert, dass er sich nicht immer um jedes Start-up ausführlich kümmern kann. „Das ist Mist. Dann will dich ein Team sprechen, weil die gerade kurz vor der Insolvenz stecken, aber du arbeitest gerade an einer großen und wichtigen Finanzierungsrunde mit einem anderen Team.“

Thelen springt aus dem Auto, er will schnell zum Flieger, zurück nach Bonn, greift nach seinem Koffer, seinem Rucksack, aber der Chauffeur will ihm noch eine kleine Tüte mit Pralinen reichen, eine Aufmerksamkeit der Kongressveranstalter heute Morgen. „Will jemand Pralinen?“, fragt Thelen. Der Fahrer meldet sich: „Die kann ich meinen Gästen anbieten.“ Thelen strahlt: „Das ist richtiges Unternehmertum.“ Für heute ist seine Mission erfüllt.

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