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Start-up-Finanzierung Diese Investoren sollten Gründer auf dem Schirm haben

Die einen buhlen in "Die Höhle der Löwen" um eine Finanzierung, die anderen versuchen es bei der Bank: An Geschäftsideen mangelt es Gründern nicht, nur fehlt oft das Kapital. Sieben Investoren, die das ändern können.

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Diese Herrschaften haben Geld für Start-ups.

Wer hätte jemals gedacht, dass Unternehmer in Deutschland mal die Stars einer Fernsehshow werden? Der Erfolg der Sendung „Die Höhle der Löwen“ hat sogar den Sender Vox überrascht. Die Show, in der Gründer um das Geld des deutschen Unternehmers Jochen Schweizer oder demnächst des Investors Carsten Maschmeyer buhlen, wurde vor wenigen Wochen sogar mit dem Deutschen Fernsehpreis ausgezeichnet – und hat inzwischen mehrere Nachahmer.

Doch nicht nur im Fernsehen sind Gründer gefragt wie seit Jahren nicht mehr: Die Investitionen in deutsche Start-ups verdoppelten sich im vergangenen Jahr auf knapp 3,1 Milliarden Euro, wie eine gerade veröffentlichte Studie der Unternehmensberatung EY zeigt.

Auch Großkonzerne starten Start-up-Programme

Auch immer mehr Großkonzerne beteiligen sich über Risikokapitalfonds oder Accelerator-Programme an jungen Firmen. So starteten beispielsweise der Autokonzern BMW oder das Handelsunternehmen Metro im Vorjahr eigene Start-up-Programme, insgesamt stieg deren Zahl von 32 auf 40. Und selbst wenn die Milliardenbewertungen großer US-Start-ups wie Uber gerade massiv infrage gestellt werden – der Investitionsboom hierzulande dürfte anhalten. Der Grund: Immer mehr amerikanische Wagniskapitalgeber stecken ihr Geld in europäische Gründer, auch weil die Bewertungen deutlich geringer sind. Zudem wurden gerade neue Fonds aufgelegt, beispielsweise Blue Yard mit einem Volumen von 120 Millionen Dollar.

Woher Startups ihr Kapital erhalten

Trotz des Investitionsbooms ist es für die meisten Start-ups dennoch eine Herausforderung, an das nötige Geld zu kommen. „Die Zahl der guten Gründer wächst noch schneller als das verfügbare Kapital“, sagt der bekannte Business Angel Christophe Maire. Wir stellen daher sieben Geldgeber vor, die jeder Gründer kennen sollte – und erklären, wie man an deren Geld kommt.

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    Die neue Generation

    Filip Dames, Christian Meermann und Daniel Glasner gehören zur jüngsten Investorengeneration. Dames und Meermann waren zuvor in leitenden Positionen bei Zalando, Glasner hatte zunächst das Schnäppchenportal CityDeal mitgegründet und an den US-Platzhirsch Groupon verkauft. Dann startete er mit anderen Gründern den Restaurantreservierungsdienst Quandoo und verkaufte ihn 2015 für 200 Millionen Euro an das japanische Unternehmen Recruit Holdings. Mit Cherry Ventures fließt ein Teil des Gewinns in neue Ideen.

    Start-up Geldgeber: Cherry Ventures

    Entscheidend ist für das Trio das Team. „Gute Gründer kommen oft aus der zweiten oder dritten Reihe von etablierten Start-ups“, sagt Dames. Wer dort ein paar Jahre gearbeitet habe, könne ein Unternehmen einfacher starten als Uniabsolventen. Wichtig sei auch, wie offen die Gründer für Ratschläge sind – und dass sie ihre Idee notfalls ändern. So hatten die Quandoo-Gründer erst ein Kassensystem entwickelt, dann aber gemerkt, dass sich eine Anwendung für Reservierungen bei Restaurants besser verkaufen ließ. „Ein schlechtes Team hätte noch zwei Jahre weitergemacht“, sagt Dames.

    "Irgendwelche Onlineshops gehen nicht mehr"

    Die Erstausstatter

    Das Exist-Gründerstipendium des Bundeswirtschaftsministeriums ist für Jungunternehmer der einfachste Weg, an Startkapital zu kommen. Die vielleicht größte Hürde: Gründer müssen den Antrag gemeinsam mit einer Hochschule stellen. Millionen gibt es hier nicht, dafür ist die Erfolgsquote so groß wie bei keinem anderen Geldgeber.

    Start-up Geldgeber: Exist

    „Etwa die Hälfte der Anträge wird bewilligt“, sagt Thomas Großmann, einer der Verantwortlichen für das Projekt. Innovativ müssen die Geschäftsideen aber schon sein. „Copy-Cat-Geschichten oder irgendwelche Onlineshops gehen nicht mehr“, sagt Großmann. Chancen haben Unternehmen wie Invenox, die mit ihrer Batterietechnologie im Vorjahr auch im Finale des WirtschaftsWoche-Gründerwettbewerbs Neumacher standen.

    Auch beim Exist-Programm spiegelt sich der Trend zur Selbstständigkeit. Die Zahl der geförderten Unternehmensgründungen stieg im vergangenen Jahr um 40 Prozent auf fast 200. Und nachdem in den Jahren davor bis zu 40 Millionen Euro für die Start-up-Förderung investiert wurden, waren es 2015 knapp 55 Millionen. „Wenn es so weitergeht“, sagt Großmann, „brauchen wir demnächst mehr Mittel.“

    Das Traditionshaus

    Der mehrfache Segelweltmeister Hendrik Brandis gründete Earlybird mit seinen Partnern bereits im Jahr 1997. Eines ist gleich geblieben: Am wichtigsten ist das Team. „Eine Beteiligung kann oft davon abhängen, ob ein Start-up bereit ist, das Team zu verstärken.“ Heißt konkret: ob sich Techniker und Ingenieure auch Finanz- und Marketingprofis dazu holen – oder umgekehrt.

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      Start-up Geldgeber: Earlybird

      Wichtig sei zudem eine ambitionierte Planung. „Es ist gut, wenn Gründern klar ist, dass man mit drei Millionen Euro nicht die Weltherrschaft finanziert“, sagt Brandis. Sie sollten also in den Gesprächen klarmachen, dass sie aktuell nur um einen niedrigen Millionenbetrag werben – aber mittelfristig bis zu 25 Millionen Euro brauchen.

      Die Unterschätzten

      Viele Beteiligungen von Target Partners sind wenig bekannt, aber lukrativ: so wie das Energiemanagement-Start-up JouleX – verkauft an Cisco für 107 Millionen Dollar. Wer Kapital von Target möchte, wird im Netz aufgefordert, Unterlagen zu schicken. Doch Start-ups sollten sich das gut überlegen. Von insgesamt 43 Deals in 16 Jahren haben auf diesem Weg höchstens zwei Geld bekommen.

      Start-up Geldgeber: Target Partners

      Erfolgversprechender ist es, einen direkten Kontakt zu finden. Mitgründer Kurt Müller rät zudem: „Gründer sollten Negatives nicht vertuschen, sondern von Anfang an auch die Probleme offenlegen.“ Irgendwann komme das sowieso heraus. Wer damit offensiv umgeht, baue Vertrauen auf. Und es werde direkt klar, ob die Probleme gemeinsam lösbar sind oder nicht. „Wir suchen immer nach dem Knock-out-Kriterium, um möglichst schnell abzusagen“, sagt Müller. So würde man die eigene Zeit nicht unnötig strapazieren – und auch nicht die der Gründer.

      Investoren für Jungunternehmer mit Geduld

      Die Internationalen

      Wellington Partners ist einer der ältesten deutschen Risikokapitalgeber und finanzierte unter anderem Xing, das von Ebay geschluckte Alando und Immobilienscout24. Inzwischen befinden sich im Portfolio vor allem große internationale Namen. Wellington ist auch einer der wenigen deutschen Geldgeber für Start-ups im Biotechsektor. Die unterscheiden sich von Gründern in anderen Branchen oft deutlich. Viele sind Wissenschaftler, die ihre Ideen zuvor mit Fördermitteln finanziert haben. „Dabei geht es nicht nach marktwirtschaftlichen Gesetzen“, sagt Wellington-Partner Rainer Strohmenger, „und viele übernehmen diese Denkweise.“

      Start-up Geldgeber: Wellington Partners

      Jungunternehmer brauchen bei Wellington vor allem Geduld. Mit den Gründern von Definiens gab es den ersten Kontakt im Jahr 1998, erst 2014 investierte Wellington – noch im selben Jahr übernahm MedImmune, eine Tochterfirma des Pharmariesen AstraZeneca, die Firma für 150 Millionen Dollar. Auch Biotechinvestoren wollen ihr Kapital vermehren. „Ein Gründer muss daher von Anfang an zu einem Verkauf bereit sein“, sagt Strohmenger, „idealerweise kann er uns schon den potenziellen Käufer nennen.“

      Der Pate

      Christophe Maire war als Entwickler von Gate5 Pionier für Navigationssoftware auf dem Smartphone. Das Unternehmen verkaufte er 2006 an Nokia, im vergangenen Jahr übernahm ein Konsortium aus Mercedes, BMW und Audi das Kartengeschäft der Finnen für 2,8 Milliarden Euro. Inzwischen ist Maire einer der umtriebigsten und gefragtesten Investoren. Er wird gern als Pate der Berliner Start-up-Szene bezeichnet.

      Start-up Geldgeber: Christophe Maire/ Atlantic Labs

      Wer seine Idee vorstellen möchte, sollte unbedingt vergessen, was er im BWL-Studium gelernt hat. „Gründer sollten mir nie einen Businessplan schicken“, sagt der gebürtige Schweizer. Statt seitenlanger Dokumente bevorzuge er wie fast alle Investoren Pitch Decks: möglichst kurze Präsentationen.

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        Der Staatsfonds

        Der aus Bundesmitteln und von Unternehmen getragene HTGF ist Deutschlands aktivster Investor. An etwa 430 Start-ups hat sich der Fonds seit 2005 beteiligt.

        Start-up Geldgeber: High-Tech Gründerfpnds (HTGF)

        „Wir finanzieren Technologien, für die es schwer ist, Geld zu finden“, sagt Investmentmanager Michael Wieser. Das Spektrum reicht von klassischer Software über Medizin, Umwelt, Robotik bis hin zu Chemie.

        Gründer



        Doch auch beim HTGF bekommt nur ein Bruchteil der Interessenten Geld: Im vergangenen Jahr bewarben sich knapp 1700 Start-ups, 42 erhielten Geld. Zudem sucht auch der HTGF wie andere Investoren aktiv nach möglichen Beteiligungen.

        Bei etwa einem Viertel aller Investitionen, die Wieser betreut hat, ist er von sich aus auf die Jungunternehmen zugegangen. Eine Ausnahme? Keineswegs. Die Machtverhältnisse haben sich inzwischen gedreht, sagt Wieser: „Bei den guten Start-ups stehen oft viele Investoren Schlange.“

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