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Start-ups Entwicklungshilfe aus dem Nahen Osten

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Das neue deutsche San Francisco

Aus Israel: Eran Davidson kam durch einen Zufall nach Deutschland und leitet heute den Inkubatoren Hasso Plattner Ventures (HPV) in Potsdam Quelle: Pressebild

In Berlin haben sich die Schlüsselakteure eines solchen Ökosystems schon längst angesiedelt. Die kreativen Köpfe und der günstige Wohnraum, die waren irgendwie schon immer da. In diesem Umfeld geht der Zyklus von Gründung, Aufbau und Verkauf weiter. Zum Beispiel mit Lukasz Gadowski. Er kam aus Leipzig nach Berlin, nachdem er den Online-Shop Spreadshirt für individuelle T-Shirts gegründet hatte. Jetzt leitet er den Inkubatoren Team Europe. Oder Felix Petersen, der den von ihn gegründeten Geosocialdienst Plazes an Nokia verkaufte. Heute führt Petersen mit Amen einer der heißesten Neugründung der Berliner Szene.

Doch reicht das, um aus dem deutschen Standort tatsächlich das nächste europäische San Francisco zu machen? Das zumindest erhoffen sich viele für die Hauptstadt im Herzen Europas. Was können die Deutschen Internetunternehmer noch besser machen?

Elad Cohen sagt: „Die Mentalität in Israel ist eine Mentalität des Anpackens. Wir nennen das Tacheles – probieren, ausführen, einfach machen“.

Der Israeli Eran Davidson mischt in der deutschen Start-up-Szene mit. Er bestätigt Cohens Beobachtungen. Davidson sammelte in Tel Aviv bei namhaften Venture-Capital-Fonds Erfahrung. 2005 erhielt er einen Anruf von Shai Agassi, dem israelischen Investor und Elektroautopionier. „Eran“, sagte er zu Davidson, „hast Du mal fünf Minuten Zeit?“ Dann reichte er den Hörer an Hasso Plattner. Eine Woche später flog Davidson mit seiner fünfköpfigen Familie nach Berlin, um den SAP-Mitbegründer persönlich kennenzulernen. Seitdem leitet der Israeli den Inkubatoren Hasso Plattner Ventures (HPV) in Potsdam. Der Risikokapitalgeber hat nach eigenen Angaben mittlerweile 20 Unternehmen bei der Gründung unterstützt und dabei 130 Millionen Euro investiert. Zuletzt half HPV dem Musik-Start-up Wahwah aus der Taufe. „Ich habe es keinen Moment bereut, nach Deutschland zu kommen“, sagt Davidson heute.

Besonders erfolgreiche Crowdfunding-Projekte
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Richard Diamond Privatdetektiv
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Saber Rider and the Stars Sheriffs
Buchprojekt "Coming & Crying"

Das Manko der Deutschen

Wenn er über die hiesigen Gründungsbedingungen spricht, dann fällt ihm Folgendes auf: „Die Deutschen sind Perfektionisten“ sagt er. Eigentlich keine schlechtes Attribut. Doch diese Eigenschaft habe einen entscheidenden Nachteil: „In der Gründungsphase braucht es Personen, die willens sind, zahlreiche Aufgaben und Tätigkeiten zu übernehmen und gleichzeitig auszuführen. Nicht immer wird derjenige dafür vorbereitet sein. Doch gerade darauf kommt es an: Personen, die ihre Mannschaft in dieser ungewissen Phase anführen“, so Davidson.

Gewiss, die Israelis lernen diese Eigenschaft in drei Jahren Militärdienst. Doch es ist nicht allein das, was Israelis als Entrepreneurs so erfolgreich macht. „Wir Israelis leben mit Risiken, wir sind umgeben davon“, sagt Eran Davidson. „Wir wissen wie man damit umgeht“. Daraus ergibt sich auch die Bereitschaft das Risiko einzugehen und im Ernstfall, Niederlagen in Kauf zu nehmen. „Die Deutschen haben dagegen Angst vor Risiken“, so Davidson – das sei keine hilfreiche Eigenschaft. Der 26-jährige Elad Cohen sieht das ähnlich: „Fehler machen ist Teil des Deals, wenn man ein Unternehmen gründet. Ohne Fehler kann man nicht lernen - und dann weiter machen“.

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