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Start-ups Deutschland beim Gründungsklima nur Mittelfeld

Dreirad statt Sportwagen: Die Existenzgründungen in Deutschland kommen nicht voran – im Gegenteil, 2018 sank die Zahl erneut. Quelle: imago images

Eine neue Studie hat die weltweiten Rahmenbedingungen für Existenzgründer verglichen. Ergebnis: Deutschland liegt in wichtigen Bereichen zurück.

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Im Mai 1929 besuchte Joseph Schumpeter in München die Mitgliederversammlung des Zentralverbands der deutschen Metallwalzwerks- und Hüttenindustrie. Dort hielt der berühmte Ökonom einen Vortrag über die „Ökonomie und Psychologie des Unternehmers“, in dessen Zentrum der folgende Satz stand: „Die wahre Funktion des Unternehmers besteht darin, neue technische und kommerzielle Kombinationen in die Praxis umzusetzen oder, populär gesagt: Träger des wirtschaftlichen Fortschritts zu sein“.
Exakt 90 Jahre später hat sich an Aussagekraft und Wahrheitsgehalt dieses Satzes nichts geändert. Allerdings wollen ihn offenbar immer weniger Menschen aktiv umsetzen. 2018 ist die Zahl der Existenzgründer in Deutschland nach Angaben der staatlichen Förderbank KfW erneut gesunken, nachdem es bereits in den drei Jahren zuvor starke Rückgänge gegeben hatte. Mit 547.000 Personen lag die Zahl der Neu-Unternehmer rund zwei Prozent unter dem Vorjahresniveau. Das dürfte zum Teil an der guten Konjunktur liegen – je sicherer der eigene Job, umso geringer der wirtschaftliche Anreiz, sich selbstständig zu machen; Ökonomen sprechen dann von steigenden „Opportunitätskosten“ einer Gründung.

Doch Fakt ist auch: In Deutschland stimmen vielfach die Rahmenbedingungen für Start-ups nicht. Zu diesem Ergebnis kommt der Global Entrepreneurship Monitor (GEM), die weltweit größte Vergleichsstudie über Gründungsaktivitäten und Rahmenbedingungen für Start-ups. Der vom RKW Kompetenzzentrum in Eschborn und der Universität Hannover erstellte Deutschland-Teil der Studie wird am Freitag in Berlin vorgestellt. Für ihr Ranking haben die GEM-Macher weltweit über 2000 Gründungsexperten befragt und sich vor allem das Gründungsklima in 31 entwickelteren Volkswirtschaften mit vergleichsweise hohen Einkommen angeschaut.

Deutschland schneidet dabei nur in zwei von zwölf Kategorien gut ab, zeigt eine Sonderauswertung des deutschen GEM-Teams für die WirtschaftsWoche. Dies sind die öffentlichen Fördermittel (Rang 4) und die Verfügbarkeit von Beratern und Zulieferern für junge Firmen (Rang 7). Finster sieht es hingegen beim gesellschaftlichen Stellenwert von Eigeninitiative, Kreativität und Risikobereitschaft aus (Rang 22). Bei der physischen Infrastruktur – Verkehrswege, IT, Kommunikationstechnik, Verfügbarkeit von Gewerbeflächen – reicht es sogar nur für Rang 24.

Erschwerend kommt hinzu, dass das unternehmerische Selbstbewusstsein der Deutschen nicht übermäßig groß ist: Nur rund 38 Prozent der 18- bis 64-Jährigen glauben, prinzipiell über ausreichende Fähigkeiten und Erfahrungen für eine Gründung zu verfügen. In den USA sind es über 55 Prozent.

Immerhin: Die sogenannte Total-Entrepreneurial-Activity-Quote (TEA) ist in Deutschland 2018 leicht gestiegen. Sie gibt an, welcher Anteil der Bevölkerung sich in den vergangenen dreieinhalb Jahren selbstständig gemacht hat oder aktuell plant, dies zu tun. So bleibt nur zu hoffen, dass 2019 noch mehr Leute Gefallen an den Ideen und Einsichten von Joseph Schumpeter finden.

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