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Start-ups Gründen ist was für Erwachsene

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Geduldig und gelassen

Der amerikanische Entrepreneurship-Forscher Noam Wasserman, Professor an der Universität von Southern California, beschäftigt sich ebenfalls seit Jahrzehnten mit den Rezepten erfolgreicher Gründer. Er hat herausgefunden, dass sich junge Unternehmer auch von der Aussicht auf eine Führungsaufgabe angezogen fühlen, von Macht und Einfluss. Für Menschen über 40 hingegen spiele beim Gang in die Selbstständigkeit häufiger der Wunsch eine Rolle, Erfahrungen weiterzugeben oder sich selbst neuen Aufgaben zu stellen.

Diese intrinsische Motivation, gepaart mit Geduld, Gelassenheit und einem großen Adressbuch, führt am ehesten zum Erfolg. Manchmal dauert es eben ein wenig länger, bis aus einer guten Idee eine vermarktbare geworden ist – und bis sich das richtige Team gefunden hat.

Claudia Nagel kann das nachvollziehen. Vor einigen Jahren war sie mit ihren drei Kindern einkaufen. Als sie nach Hause kam, stand sie mit vollen Tüten in beiden Händen vor der Haustür. Warum eigentlich musste sie sich nun die Mühe machen, die Tüten abzustellen, um ihren Schlüssel hervorzuholen? Wäre es nicht möglich, die Tür mit einem drahtlosen Helferlein zu entriegeln, das man immer bei sich trägt?

Öffnet Türen ohne Schlüssel. Claudia Nagel kündigte für ihre Geschäftsidee bei McKinsey. Quelle: PR

Das brachte sie auf eine Idee, einerseits. Andererseits arbeitete die Wirtschaftsingenieurin damals als Beraterin bei McKinsey. Ein lukrativer Job, den sie nicht so leicht aufgeben wollte: „Ich bin kein Mensch, der alleine gründet“, sagt die 39-Jährige heute. Sie brauchte erst einen Anstupser. Den traf sie eines Tages in Gestalt ihres ehemaligen Kollegen Christian Bogatu. Und schnell wurde ihr klar: Im Team könnte die Schlüssel-Idee klappen. Sie behielt recht.

Vor fünf Jahren gründeten Nagel und Bogatu Kiwi.ki, beide sind weiterhin Geschäftsführer. Das Start-up hat ein Türsystem entwickelt, das ohne herkömmlichen Schlüssel funktioniert. Das Schloss entriegelt sich automatisch, wenn der passende Transponder in der Nähe ist.

Damit konnte Nagel bereits zahlreiche Geschäftskunden überzeugen, darunter auch die Deutsche Post und das Berliner Entsorgungsunternehmen Alba. Ihre bisherige Berufserfahrung schätzt Nagel als „besonders wichtiges Rüstzeug“ ein. Strukturiert arbeiten, Verhandlungen führen, Verträge ausarbeiteten – das habe sie als Beraterin gelernt.

Ansteckender Optimismus

Wer mit älteren Gründern spricht, lässt sich automatisch anstecken von so viel Mut, Optimismus und Gestaltungswillen. Doch gleichzeitig bedauern die Entrepreneure, dass es bislang kaum spezielle Beratungsangebote für gleichgesinnte Altersgenossen gibt. Entrepreneurship-Bildung findet in Deutschland eben vor allem an Hochschulen statt, dort gibt es auch berufsbegleitendende Studiengänge. Die Europäische Union wiederum verweist in einem „Good Practice Manual“ vor allem auf freiwillige Beratung von Gleichaltrigen untereinander. So wie beim Netzwerk 40plus in der Region Bonn/Rhein-Sieg. Dort tauschen sich Unternehmer und solche, die es werden wollen, über relevante Themen aus. Mal geht es darum, YouTube zur Firmenvermarktung zu nutzen, ein anderes Mal geht es um die Frage „Digitalisierung – und was nun?“.

Das fragte sich auch Parstream-Gründer Bienert nach dem Verkauf an Cisco. „Exploring new ventures“ heißt es aktuell auf seiner Xing-Seite. Dahinter verbirgt sich ein Start-up im Bereich künstliche Intelligenz, das demnächst offiziell an den Markt gehen soll. Bienert gründet also erneut – mit inzwischen 51.

Zu seiner Zeit bei Parstream lebte er zwei Jahre im Silicon Valley, das hat ihn geprägt: „Alter ist dort gar kein Thema“, sagt er, „und für mich ist es das auch nicht.“

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