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Start-Ups "Deutsche Konzerne ersticken Innovationen"

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Große Unternehmen können von Start-Ups lernen

Was denn?

Start-Ups bewegen sich ständig in einem Feld der Unsicherheit. Dementsprechend müssen sie nahe am Markt  sein und sehr schnell aus Situationen lernen. Ohne diesen Lernprozess und die damit verbundene ständige Weiterentwicklung des Geschäftsmodells würden sie nicht lange überleben. Heute sehen sich längst auch größere Unternehmen mit dieser Unsicherheit konfrontiert, reagieren aber oft zu vorsichtig, diskutieren zu lange über mögliche Szenarien, anstatt einfach Neues auszuprobieren.

Woran liegt das?

Erfolgreiche Unternehmen müssen Markt- und Kundenanteile halten oder erhöhen. Meist gilt noch immer: Wer die Prognosen nicht erfüllt, wird als gescheitert verurteilt. Ein Start-Up könnte sich solch eine langfristige Perspektive gar nicht erlauben, muss ständig die getroffenen Annahmen hinterfragen und sie wieder anpassen. So entsteht eine Lernkultur statt einer Unternehmenskultur, die nur darauf beruht, dass man die gesteckten Ziele abarbeitet. Geht ein Plan nicht auf, sollte man sich fragen, wieso dies der Fall ist. Oft zeigt sich, dass das Problem nicht die Ausführung ist, sondern die Annahmen, auf denen der Plan basiert.

Wie können auch größere Unternehmen diesen Lernprozess anstoßen?

Nur wenn die Chefetage dahinter steht, kann sich eine Unternehmenskultur ändern, um Innovationen zu fördern.  Experimentieren und Lernen müssen Vorrang haben.

In fünf Schritten zum Innovationsführer

Wie geht das konkret?

Indem man Leute ins Haus holt, die diese Start-Up Kultur vorleben – etwa über einen Inkubator, also ein internes Gründerzentrum, das vom Tagesgeschäft losgelöst ist. Aber auch Kooperationen mit Start-Ups und Forschungsinstitutionen sind zu empfehlen.

Wo hat das funktioniert?

Google Earth wurde ursprünglich von einem Start-Up entwickelt. Google hat dessen CEO an Bord geholt und er hat nicht nur Google Earth weiterentwickelt, sondern war im Konzern für die gesamte Kartographierung zuständig.

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Gibt es solche Beispiele auch in Deutschland?

An deutschen Universitäten gibt es zunehmend Initiativen, die sich nicht nur auf die Gründung von Start-Ups fokussieren, sondern auch große Konzerne miteinbeziehen und diesen so die Möglichkeit geben, von der Start-Up Kultur zu profitieren – etwa UnternehmerTUM, ein Zentrum für Innovation und Gründung der TU München, an dem ich auch selbst  aktiv bin.

Und welche Konzerne haben erfolgreich eine Start-Up Kultur integriert?

Dem Daimler-Konzern gelang in den letzten Jahren eine große Innovation: das war Car2Go. Der Druck von außen zwang den Konzern damals zu unkonventionellen Maßnahmen. Immer weniger Menschen sehen Autos als ein Statussymbol, das man unbedingt besitzen muss. Dann kam die Abwrackprämie hinzu. Beide Faktoren waren schlecht für Mercedes. Car2Go kam deshalb sehr schnell auf den Markt und unter Innovationsansätzen wurde am Anfang alles richtig gemacht: Erst klein anfangen in Ulm und in Stuttgart. Aus den Erfahrungen lernen, dann immer mehr Standorte im Inland dazu nehmen und erst dann das Modell in weitere Länder übertragen. In Deutschland  ist das allerdings eine große Ausnahme.

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