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Start-ups in der Coronakrise Liquiditäts-Winter nach goldenen Jahren

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Ohne schnelle Hilfe droht das Start-up-Sterben

Bislang fühlten sich viele Start-ups durch den Staat eher ausgebremst. Bevor die Pandemie Deutschland erreichte, trieb der Verband energisch das Thema Mitarbeiterbeteiligungen voran - das Ziel waren steuerliche Erleichterungen. "Das deutsche Steuerrecht macht solche Formen der Beteiligung für alle Parteien maximal unattraktiv", schrieb etwa Gründerin Freya Oehle Anfang dieses Jahres zum Status Quo. Auf Bundes- und Landesebene gibt es zudem eine Vielzahl an Förderinstrumenten. Durch die komplexen, vielleicht auch manchmal zu komplizierten Anträge wollten sich aber viele Start-ups gar nicht erst wühlen. Rund zwei Drittel der Digitalunternehmen verzichteten auf solche Mittel. Solange Kapitalflut statt Krise herrschte, war die Suche nach einer privaten Beteiligungsgesellschaft mit tiefen Taschen häufig der bequemere Weg.

Start-ups mit einer Bewertung von mehr als 50 Millionen Euro könnten unter den Wirtschaftsstabilisierungsfonds der Bundesregierung schlüpfen. 150 bis 200 Unternehmen aus der Digitalbranche könnten darunterfallen, schätzt Miele. Dazu könnten auch einige kleinere Start-ups kommen, die „einzigartige Technologie“ entwickelten, deutete Jarzombek heute an. Für sehr junge Unternehmen in der Gründungsphase werden in diesen Tagen die ersten Nothilfe-Zuschüsse bewilligt, verteilt durch die Bundesländer.

Matching-Fonds für den Mittelbau?

Klar ist jedoch, dass viele Start-ups in keine dieser beiden Programme passen: „Der Mittelbau ist sicher für uns der relevanteste Teil“, sagt Miele, „da fällt noch der Großteil durchs Raster.“ Große Hoffnungen legt die Branche daher jetzt auf sogenannte Matching-Fonds. Dabei stellen Bestandsinvestoren frische Finanzmittel zur Verfügung – aus staatlichen Töpfen wird das Investment dann proportional vervielfacht. Das sei „der beste und regelbasierte Ansatz“, sagt Miele. Auf diesem Wege könne man die Risikokapitalgeber „möglichst schnell mit in die Verantwortung nehmen“, so der Verbandsvertreter. Der Überlebens-Check würde somit ausgelagert. Wo bei normalen Kreditentscheidungen die Hausbank das Ausfallrisiko prüfen muss, würden hier die privaten Kapitalgeber ihre Beteiligungen gründlich überprüfen müssen: „Ein bestehender Investor wird in seinem Portfolio ganz genau schauen, was gut und was schlecht ist“.

Tempo macht der Bund in jedem Fall. Schon hat das Finanzministerium einen zusätzlichen Topf von zwei Milliarden Euro angekündigt. Das Geld soll dabei an die Gesellschafter fließen - das sind häufig Risikokapitalgeber, könnten aber auch die Gründer selbst sein. So sollen Finanzierungsrunden, die wegen der Krise ausfallen, doch noch ermöglicht werden. Man wolle, dass "diese jungen innovativen Unternehmen für unser Land erhalten bleiben", sagte Finanzminister Olaf Scholz. Der KfW könnte hier wiederum die Rolle als Vermittler und Verteiler zufallen. Im April soll es bereits losgehen. Lange Prüfprozesse soll es dabei nicht geben, ein wenig "Due Dilligence" müsse aber drin sein, sagte Jarzombek gestern dem Portal Gruenderszene.de: „Für uns ist zentral, dass das Geld am Ende auch bei den Gründern ankommt und bei Firmen, wo das wirklich Sinn macht". Der erste Kommentar des Startup-Verbands bei Twitter: "Jetzt kommt es auf die Details an. Und die Geschwindigkeit." 

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    Klar ist: Direkt helfen diese Maßnahmen vor allem den Venture-Capital-Gesellschaften, die ihre Investitionen so mit Staatshilfe hebeln können. Manche könnten auch heute schwächer aufgestellte Start-ups mit den Fördermitteln durch die Krise retten – und etwa auf das Aus von möglichen Konkurrenten hoffen. Der Teufel liegt hier im Detail. Im ersten Vorschlag vor knapp zwei Wochen regte der Verband ein Verhältnis von öffentlichen zu privaten Geldern von vier zu eins an. In heute veröffentlichten Empfehlungen wird angegeben, dass europarechtlich ein Verhältnis von 70:30 möglich sei – der European Investment Funds setze bei seinen Beteiligungsinstrumenten meistens auf ein Verhältnis von 50:50. „Das Verhältnis des Matchings zwischen privatem Kapitalgeber und öffentlicher Hand ist sorgsam abzuwägen“, heißt es in dem Dokument.

    Diese Hilfen bieten die Länder den Unternehmen

    Organisationen wie die KfW oder der halbstaatliche High-Tech Gründerfonds könnten so als Treuhänder des Staates mit in den Gesellschafterkreis von Start-ups eintreten. Der Verband drängt auf schnelle Entscheidungen und will die Matching-Fonds sogar rückwirkend für Finanzierungsrunden ab dem 1. März oder 12. März einführen. Die größte Sorge der Start-ups, so zeigt auch die Umfrage, ist die Zeit. Für 94 Prozent der Digitalfirmen sind kurze Bearbeitungszeiten bei Hilfsanträgen das wichtigste Kriterium.

    Regierungsvertreter Jarzombek spricht von intensiven Verhandlungen, stellt aber klar: „Eine Situation, wo der Staat alle Risiken übernimmt und die Unternehmen dabei freistellt, die können wir nicht vermitteln.“

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