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Startups Sehnsucht nach europäischem Silicon Valley

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ARCHIV - Blick auf das Quelle: dpa

Denn es ist keine Ausnahme, dass deutsche Gründer bei der Geldsuche in Frankreich fündig werden. Innoven Partenaires ist beispielsweise auch an dem Aachener Biopharmaunternehmen Paion und dem in Berlin ansässigen Musikstreamingdienst Aupeo beteiligt.

Ganz anders ist dagegen die Situation in Großbritannien. "Die VCs streiten sich um die guten Unternehmen, für die sehe ich hier kein Finanzierungsproblem", sagt Sherry Coutu. Sie hat früher verschiedene Firmen gegründet und investiert nun als Business Angel in andere Startups. Zu Coutus Investments gehörte der DVD-Verand Lovefilm, derzeit ist sie auch an der Modeplattform Lookk beteiligt.

"Bürokratie hat uns sechs Monate und fast 40.000 Pfund gekostet"

Deren Gründer hatten auch überlegt, von Österreich nach Berlin zu kommen. Doch neben dem Zugang zu Wagniskapital sprach noch ein zweiter Grund für London: "Von hier kommt man viel leichter nach Amerika", sagt Klinger. Wenn beispielsweise der Guardian über ein Startup berichte, werde das auch in den USA gelesen – aber genauso in Deutschland oder Spanien.  

Einen Nachteil hat die Londoner Startup-Szene im Stadtteil Shoreditch jedoch. Das Bankenviertel ist zu Fuß in weniger als einer halben Stunde erreichbar. Und trotz Krise ist die Finanzbranche als Magnet für viele umworbenen Fachkräfte noch attraktiver. "90 Prozent der Leute, die ihren Abschluss in Informatik, Ingenieurwissenschaften oder Mathematik machen, fangen danach bei einer Bank oder Beratung an", sagt der Chef des Startups Songkick Ian Hogarth gegenüber dem Magazin "Business Punk".

Und auch Personal aus dem Ausland anzuheuern ist schwieriger als man hierzulande denkt. "Die Einwanderungsbestimmungen machen es schwerer, als es sein sollte", sagt Sherry Coutu. Für die Kunstplattform Artfinder benötigte sie einen Spezialisten in Bilderkennung, der in Europa jedoch nicht zu bekommen war. Mit Brian Fulkerson hatte das Startup dann einen Crack aus Berkeley aufgetan, der dort an selbst fahrenden Autos gebastelt hatte. Doch obwohl sie den Spezialisten aus dem Silicon Valley bereits abgeworben hatte, scheiterte der Wechsel beinahe. "Die Bürokratie hat uns sechs Monate und fast 40.000 Pfund gekostet“, sagt Coutu, "wir haben zeitweise schon überlegt, die Firma in die USA zu verlegen."

Doch nicht nur die Einwanderungspolitik einzelner Länder ist ein Problem. Bei immer mehr Unternehmen arbeiten Mitarbeiter grenzübergreifend in mehreren Ländern über das Netz zusammen. Das Arbeitsrecht sieht das jedoch oft kaum vor, wer beispielsweise Mitarbeiter in Frankreich anmelden will, muss dort erst eine lokale Niederlassung gründen. "In der Vorstellung der Politik sitzen wir alle noch an einem Ort", sagt Lars Hinrichs, "da müssen sich die Regeln der heutigen digitalen Arbeitswelt anpassen."

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