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Startups Mit dem Brockhaus ins Ausland

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"Wenn du es dort schaffst, schaffst du es überall"

Wer im Silicon Valley mit seinem jungen Unternehmen Fuß fassen möchte, hat dort die besten Chancen, sagt Gerschäftsmann Seymour Duncker. Quelle: dapd

Zumal die Bedingungen für junge Unternehmen im Silicon Valley hervorragend sind. Das hat zumindest Seymour Duncker beobachtet. „Das Umfeld ist zwar kompetitiver als in Deutschland, aber auch Startup-freundlicher“, sagt Duncker, „wenn du es dort schaffst, schaffst du es überall.“

Duncker ist auf dem besten Weg, es zu schaffen. Im Jahr 2008 gründete er in München ICharts. Auf der gleichnamigen Plattform können Nutzer schnell und einfach Diagramme entwerfen. Kaum gegründet, zog Duncker nach Kalifornien, wo er Mitarbeiter und Geldgeber fand. In München hat er nur noch ein Vertriebsbüro, im indischen Pune beschäftigt er Programmierer. Ein multinationales Unternehmen aufzubauen war noch nie so leicht wie heute.

Im Silicon Valley hat Duncker sich im „Plug and Play Tech Center“ eingenistet – Tür an Tür mit über 300 anderen Startups und auf dem Präsentierteller für 170 Investoren. Bald könnten in demselben Inkubator noch mehr Unternehmen mit deutschen Wurzeln heranwachsen – das hofft jedenfalls das Bundeswirtschaftsministerium. Mit einem Millionenbetrag finanziert es den German Silicon Valley Accelerator.

Expansion ist Ausland birgt ein hohes Risiko

Eine mutige Initiative: Mehr als 40 deutsche Startups will der Accelerator in den nächsten drei Jahren nach Kalifornien katapultieren, sagt Andy Goldstein, einer der Initiatoren. Wer ausgewählt wird, den bringt die Initiative für drei bis sechs Monate im Inkubator unter und lässt ihn intensiv coachen. „Die Gründer können sich nicht an den Strand legen“, sagt Goldstein, „sondern müssen hart arbeiten.“

Denn die Expansion ins Ausland kostet Kraft – und die Gefahr, zu scheitern, ist hoch. Wie eine Studie des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung belegt, verpuffen die Expansionsbemühungen in den meisten Fällen: Knapp 60 Prozent der jungen High-Tech-Unternehmen, die im Ausland aktiv werden, gelingt es nicht, dort nennenswerte Umsätze zu generieren.

Die meisten versuchen es gar nicht erst, weil sie die Zeit nicht aufbringen wollen, der Schritt zu riskant erscheint oder Kapital fehlt. „Geld allein ist zwar nicht entscheidend“, sagt Ingo Franz, „aber mit einem Budget von 50 000 Euro sollte man den Schritt womöglich gar nicht erst wagen.“

Franz ist Partner beim Risikokapitalgeber Creathor Venture, der die Expansion junger Technologieunternehmen finanziert. Franz macht den Erfolg von einem weiteren Punkt abhängig: „Mindestens einer der Gründer sollte selbst eine Zeit lang vor Ort den Markt aufbauen.“

Wer sich nicht ausreichend Geld und Zeit nimmt, dem misslingt der Sprung über die Grenze womöglich, wie das Beispiel MyParfuem zeigt: Das Startup aus Berlin wollte seine Parfüms vor zwei Jahren auch in Großbritannien auf den Markt bringen. Zwei Mitarbeiter sollten den „gesamten englischen Markt managen“. Das Vorhaben schlug fehl.

Daraus hat Gründer Matti Niebelschütz gelernt: Jetzt will er einen neuen Versuch wagen und mit einem größeren Team und einem sechsstelligen Betrag ein Tochterunternehmen in den USA starten. „Eine Internationalisierung ist genauso stressig wie eine Neugründung“, sagt er, „man darf sie deswegen nicht zu halbherzig angehen.“

Zumal sich die Regeln des deutschen Marktes nicht auf das Ausland überragen lassen. Das gilt für die rechtlichen Bedingungen, Konkurrenzsituation und Kundengewohnheiten.

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