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Supermaster-Wettbewerb „Wenn unter den Einsendungen eine Idee ist, die zu uns passt, prüfen wir ein Investment“

„Wer diesen inneren Drang verspürt, zu gründen, der sollte es im Idealfall an der Uni tun.“, meint Frank Thelen. Quelle: dpa

Investor Frank Thelen sitzt in der Jury des Supermaster-Wettbewerbs. Im Interview erklärt er, warum Unis das beste Umfeld für Gründer sind und welche Forschungsergebnisse in Arbeiten ihn zum Investieren verleiten können.

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Frank Thelen fördert mit seiner Bonner Beteiligungsfirma Freigeist Start-ups. Er betreute etwa die To-do-Listen-App Wunderlist (verkauft an Microsoft) und die Taxi-App MyTaxi (heute: Free Now, verkauft an Daimler). Gemeinsam mit der WirtschaftsWoche kürt er den Supermaster 2020.

WirtschaftsWoche: Herr Thelen, Sie selbst haben Ihr Studium nie beendet, bei Ihrer Arbeit haben Sie es aber ständig mit Hochschulabsolventen zu tun. Wie sehr achten Sie bei der Auswahl von Mitarbeitern auf deren Studieninhalt?
Frank Thelen: Das kommt ganz auf die Stelle an. Ein Informatikstudium halte ich zum Beispiel bis heute für weitestgehend überflüssig. Die IT entwickelt sich so schnell weiter, dass die Unis gar nicht hinterherkommen und Entwickler sich ihr Wissen ohnehin besser selbst aneignen. Im Grunde ist es mir egal, ob jemand studiert hat oder nicht, solange die Person mich von ihrer Kompetenz und Passion her überzeugt. Aber zugegebenermaßen ist es bei der Vielzahl der Bewerbungen, die wir jeden Tag bekommen, ein erstes Kriterium, nach dem wir vorsortieren. Man kann unmöglich mit jedem ein persönliches Gespräch führen.

Gibt es eine Fähigkeit, die Sie bei heutigen Hochschulabsolventen vermissen?
Das lässt sich schwer für alle Studiengänge verallgemeinern, aber insgesamt halte ich es für sinnvoll, den Studenten mehr Wissen zur Unternehmensgründung und Führung mitzugeben. Ich glaube, viele großartige Ideen schaffen es nie aus den Forschungszentren auf die Straße, weil viele gar nicht wissen, wo sie anfangen sollen und sich über die Möglichkeiten der Selbstständigkeit und Gründung gar nicht bewusst sind. Alternativ dazu könnte man die BWLer besser mit den Technikern vernetzen, da sie sich gut ergänzen könnten. Wir sehen leider viel zu oft Gründerteams mit drei bis vier Leuten, die alle aus dem gleichen Bereich kommen und die gleichen Kompetenzen mitbringen anstelle von ausgewogenen Teams, die sich gegenseitig in ihren Fähigkeiten ergänzen. Vielleicht können die Unis hier helfen.

Einige Gründer sagen: Die Uni ist der beste Ort, ein Start-up aufzubauen. Später hat man zu viel zu verlieren. Würden Sie das aktuellen Absolventen ebenso raten?
Das würde ich so unterschreiben. Als Student ist man noch nicht in den Genuss eines geregelten Einkommens gekommen, hat meist noch keine Verpflichtungen wie eine eigene Familie oder Eigentum und kann daher viel eher ins Risiko gehen. Außerdem gibt es an den meisten Unis sinnvolle Förderprogramme, junge Talente und Gleichgesinnte. Das bedeutet jetzt nicht, dass jeder nach dem Studium erstmal gründen sollte. Gründen ist verdammt harte Arbeit und man muss auf jeden Fall der Typ dafür sein. Aber wer diesen inneren Drang verspürt, zu gründen, der sollte es im Idealfall an der Uni tun.

Sie sind Teil der Jury des Supermaster-Wettbewerbs der WirtschaftsWoche. Was muss eine Masterarbeit leisten, damit Sie sie als preisverdächtig sehen?
Für mich ist entscheidend, dass der Verfasser sich tiefgreifend mit einem Thema auseinandergesetzt hat, das ihn wirklich interessiert und dass er neue Erkenntnisse gewonnen hat. Besonders spannend finde ich Durchbrüche in einem Gebiet, das noch nicht so weit erforscht ist.

Welche Themengebiete könnten das sein?
Technologie-Themen, weil ich überzeugt bin, dass sie unser Leben in den nächsten Jahren tiefgreifend verändern werden. Ich rede hier von Künstlicher Intelligenz, Blockchain, 3D-Druck, 5G, Sensoren und vielem mehr. Das sind die Themen, mit denen sich Studierende heutzutage in meinen Augen auseinandersetzen sollten.

Sie waren im vergangenen Jahr schon als Redner bei der Supermaster-Veranstaltung. Waren Sie danach noch mit ein paar der Finalisten in Kontakt?
Ich habe mich mit einigen der Finalisten nach dem Event ausgetauscht, habe sie mit anderen Menschen in Kontakt gebracht und verfolge einige aktiv. Zu einer weiteren Zusammenarbeit kam es im letzten Jahr aber nicht.

Was erhoffen Sie sich von einem Wettbewerb wie dem Supermaster?
Ich finde es klasse, dass die Wirtschaftswoche mit dem Supermaster den oftmals großartigen Ideen, die in Masterarbeiten entstehen, eine Bühne gibt. Wir brauchen dringend mehr wissenschaftliche Ausgründungen und solche Initiativen können dabei unterstützen. Wenn wir unter den Einsendungen eine Idee entdecken, die in unseren Investmenthorizont passt, prüfen wir auch ein Investment von Freigeist. Ein Supermaster wird zum Unicorn, wäre doch eine tolle Story.

Beim Supermaster-Wettbewerb sucht die WirtschaftsWoche auch in diesem Jahr wieder die beste wirtschaftswissenschaftliche Masterarbeit. Eine hochkarätige Jury aus Wissenschaft und Wirtschaft kürt die Gewinnerin oder den Gewinner – das Preisgeld: 25.000 Euro. Hier geht’s direkt zur Anmeldung.

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