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Unternehmensgründer Das Klischee des jungen Studienabbrechers

Sie sind jung, haben entweder ihr Studium abgebrochen oder einen Bestabschluss und sind wahre Techniknerds. So werden Start-Up-Gründer gerne beschrieben. Mythos oder Wahrheit?

Die besten Standorte für Startups
Platz 17: Berlin Quelle: dpa
Platz 10: Moskau Quelle: dpa
Platz 9: Bangalore Quelle: Reuters
Platz 8: Sao Paulo Quelle: Reuters
Platz 7: Singapur
Platz 6: Los Angeles Quelle: AP
Platz 5: Tel Aviv Quelle: Reuters

Es ist ein bekanntes Klischee: Start-Up-Gründer sind nerdige Tüftler, die bei Nachtschichten in chaotischen Garagen weltbewegende neue Ideen erschaffen. Vor allem drei Eigenschaften werden Unternehmensgründern immer wieder zugeschrieben. Sie sind extrem jung, extrem technisch versiert - und wenn sie keine Studienabbrecher sind, haben sie einen Bestabschluss von einer prominenten Universität.

Die Schlussfolgerung ist naheliegend: Kandidaten mit diesem Profil müssen stärker gefördert werden - doch das ist offenbar Trugschluss.

Zwar erfüllen zwei der berühmtesten Unternehmensgründer der Geschichte, Bill Gates und Mark Zuckerberg diese Klischees – beide sind Uniabgänger mit abgebrochenem Studium in Informatik, verbrachten ihre Nächte tüftelnd in Garagen und gründeten riesige Unternehmen, ohne vorher je in einem gearbeitet zu haben.

Die Wissenschaft legt jedoch ein anderes Gründer-Profil nahe. Eine Forschergruppe um Michael Goodwin der Nonprofit-Organisation Endeavour wollte es genau wissen und schaute sich in einer Studie 1.600 Erstsemester an der Universität von New York an.

Das Ergebnis: Unternehmensgründungen von blutjungen Uniabgängern oder Studienabbrechern sind nicht die Regel, sondern die Ausnahme. Der durchschnittliche Gründer ist demnach bei der Gründung eines Start-Ups 31 Jahre alt. 25 Prozent sind sogar älter als 35, wenn ihr Unternehmen auf den Markt kommt.

Wie die Karrierewege digitaler Talente aussehen

Die Forscher fanden auch heraus, dass Jugend nicht unbedingt ein Schlüssel zum Erfolg ist. Endeavour verglich dazu das Alter der Gründer mit ihrem Erfolg – gemessen an der Höhe der Investitionen, der Anzahl der Angestellten und Gewinnausschüttung – und fanden dort keinen Zusammenhang.

Ein weiterer Mythos, der ad absurdum geführt werden kann, ist, dass Start-Up Gründer immer technisch versiert sind. Die Forscher von Endeavour unterteilten Studenten der höheren Semester in zwei Kategorien: „STEM“ (das steht für Technologie, Ingenieurwesen und Mathematik) und „nicht-STEM“ (darunter fallen alle anderen Studiengänge).

Das Ergebnis: Nur 35 Prozent der Unternehmensgründer studieren Ingenieurwesen, Mathematik oder Technologie, während ganze 65 Prozent der Gründer andere Fachrichtungen studieren, wie Politikwissenschaften, Geschichte oder Wirtschaftswissenschaften.

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Der Grund: Niemals waren die Hürden für eine Unternehmensgründung so niedrig wie heutzutage. Mit nur ein paar Mausklicks kann ein beliebiger Möchtegern-Gründer eine Website erstellen, neue Kunden anwerben und mit dem Verkauf beginnen.

Auch der dritte Mythos, dass ein guter Abschluss an einer prominenten Universität zur Unternehmensgründung prädestiniert, lässt sich widerlegen. Zwar sind die Unis führend in der Forschung und fördern junge Talente, aber Gründungspotential erwecken sie laut den Forschern nicht.

Dass viele Unternehmensgründer des Silicon Valley in New York studiert haben, hat nichts mit dem Ruf der Universität zu tun. Stattdessen zieht es viele Gründer in die Stadt, um dort zu leben oder zu arbeiten, nicht, weil sie vorher dort studiert haben.

Geht es nach den Forschern von Endeavour, ist das Klischee des blutjungen Start-up-Gründers, der sein Studium abbricht und in seiner Garage neue Technologien entwickelt, schlichtweg überholt. Gründern können jung sein oder alt, technisch versiert oder Techniklaie und können einen Abschluss von einer x-beliebigen Universität haben. Wichtig sei nur die Motivation.

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