Unternehmensübernahme Unternehmer trödeln bei der Nachfolgesuche

Fast 600.000 Chefs wollen in den nächsten zwei Jahren ihre Firma übergeben. Doch Verkäufe in der Familie scheitern häufig am Geld. Wer eine Übergabe frühzeitig plant, ist deshalb auf der sicheren Seite

Was Erben wissen sollten
Alleinerbe Der Alleinerbe erbt als einzige Person. Er tritt rechtlich „in die Fußstapfen des Verstorbenen “ und übernimmt dessen gesamte Rechte, aber auch Pflichten. Quelle: dpa
Gesetzliche Erbfolge Die gesetzliche Erbfolge greift immer dann, wenn kein Testament oder Erbvertrag vorliegt. Danach wird der Nachlass zwischen dem Ehepartner und den Verwandten des Verstorbenen aufgeteilt, wobei Kinder und Enkel des Erblassers Vorrang vor Eltern, Großeltern oder anderen Angehörigen genießen. Quelle: REUTERS
Annahme der ErbschaftWer in Deutschland erben will, muss dafür in der Regel nichts tun. Vor allem braucht er die Annahme des Erbes nicht zu erklären . Dieses Phänomen heißt im Juristen-Deutsch “Von-Selbst-Erwerb.“ Quelle: AP
Ausschlagung der Erbschaft Wer nicht erben will, kann (und muss) die Erbschaft innerhalb einer Frist von sechs Wochen ausgeschlagen. Die Zeit läuft ab dem Moment, in dem der Betreffende von der Erbschaft und deren Gründen erfahren hat. Nach Ablauf der Frist ist eine Ausschlagung in der Regel nicht mehr möglich. Lediglich in Ausnahmefällen besteht die Möglichkeit, die Annahme der Erbschaft anzufechten. Quelle: REUTERS
EhegattentestamentVerheiratete und eingetragene Lebenspartner können ein gemeinschaftliches Testament errichten. Eine weit verbreitete Form ist dabei das sogenannte Berliner Testament. Dabei setzen sich die Eheleute gegenseitig zu alleinigen Vollerben ein. Erst wenn beide Partner verstorben sind, werden auch die Kinder bedacht. Sie werden zu Schlusserben, also zu Erben des länger lebenden Ehegatten ernannt. Quelle: dpa
Pflichtteil Ein Erblasser kann bestimmte Personen von der Erbfolge ausschließen, aber nicht immer verhindern, dass diese Personen etwas aus seinem Nachlass erhalten. Grund: Der sogenannte Pflichtteil garantiert den nächsten Angehörigen des Erblassers also eine Mindestteilhabe an seinem Nachlass. Quelle: dpa
EnterbungHat er Erblasser einen oder mehrere gesetzliche Erben von der Erbfolge ausgeschlossen oder sie bei der Verteilung des Nachlasses nicht erwähnt, spricht man von Enterbung. Handelt es sich bei den fraglichen Personen um enge Angehörige, können sie oft zumindest seinen Pflichtteil verlangen. Quelle: obs

Die Uhr tickt in jedem sechsten mittelständischen Unternehmen: Laut einer Analyse der Förderbank KfW planen bis 2017 die Chefs von rund 580.000 deutschen Firmen die Übergabe oder den Verkauf an einen Nachfolger. KfW-Chefvolkswirt Jörg Zeuner warnt: „Etwa vier Millionen Arbeitsplätze hängen vom Gelingen dieser Unternehmensnachfolgen ab.“

Der Anteil der über 55-jährigen Inhaber mittelständischer Unternehmen ist seit 2002 um 16 auf 36 Prozent gestiegen. Gleichzeitig sinkt die Zahl der Unternehmensgründer: Laut KfW waren es vor 15 Jahren noch rund 1,5 Millionen per anno, heute nur noch 900.000. Die Vergreisung ist bedrohlich für Deutschland, denn mit dem Alter sinkt die Investitionsbereitschaft der Chefs.

Zehn Jahre vor der Rente muss man anfangen zu planen

Auch Carlo Mackrodt, Partner bei der Personal- und Unternehmensberatung Rochus Mummert in München, sieht diese Gefahr. Er berät seit vielen Jahren die Hidden Champions unter den großen Mittelständlern und sucht passende Kandidaten für deren Führungsetagen: „Nicht nur das Alter des Geschäftsführers ist ausschlaggebend, auch auf der mittleren Management-Ebene werden bald viele Posten frei.“ Gebetsmühlenartig predigt Mackrodt seit Jahren: „Fangen Sie rechtzeitig damit an, über Ihre Nachfolge nachzudenken. Zehn Jahre vor dem Rentenalter sollte man erste Pläne schmieden.“

Zehn Tipps für die Nachfolgeplanung

Ein unter Zeitnot rekrutierter Nachfolger könne nur selten ein Unternehmen in die Zukunft führen: „Jeder Firmenlenker sollte sich ab 55 fragen, wo sein Unternehmen in fünf bis zehn Jahren stehen muss.“ Alles andere sei „blinder Aktionismus“, ist Mackrodt überzeugt. Folgende Fragen stellen sich: Soll das Unternehmen funktional oder divisional aufgestellt sein? Ist die Strategie regional oder international? Wo sind die Schlüsselpositionen? Wer das frühzeitig beantworten könne, kann „sein Feld gut bestellt hinterlassen“.

Für den Generationswechsel in Unternehmen gibt es viel Unterstützung - insbesondere bei der Finanzierung der Übernahmen. „Nicht nur externe Kandidaten müssen hohe Summen auf den Tisch legen“, weiß Jörg Finnern, Geschäftsführer der Bürgschaftsgemeinschaft Hamburg (BG).


„In jedem Betrieb gehen acht Arbeitsplätze verloren“

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Ob ein Familienmitglied oder ein Fremder den Betrieb übernimmt - als Erstes müsse ein Preis festgelegt werden. Hilfestellung leisten Wirtschaftsprüfer, Handwerks- und Handelskammern und Banken. Finnern: „Sie unterstützen die Beteiligten, einen fairen Preis zu finden." Denn viele Senior-Chefs forderten zu hohe Summen für ihr Lebenswerk. Damit das Überleben der Firma nicht an fehlendem Eigenkapital oder Sicherheiten des Nachfolgers scheitert, geben Haus- und Bürgschaftsbanken, Wirtschaftsförderungsgesellschaften und Mittelständische Beteiligungsgesellschaften Starthilfe.

Ein Beispiel: Die Hamburgische Investitions- und Förderbank (IFB) hat gemeinsam mit der BG den „Hamburg-Kredit Gründung und Nachfolge“ geschaffen. Das sind zinsgünstige Darlehen bis zu 500.000 Euro mit einer Laufzeit bis zehn Jahren. Gleichzeitig stellt die BG der Hausbank eine Ausfallbürgschaft für bis zu 80 Prozent der Darlehenssumme. Nachfolge-Experte Finnern empfiehlt einen Mix aus mehreren Hilfsmaßnahmen. Seine Erfahrung: „Drei von vier Senior-Chefs denken viel zu spät über die Nachfolgeregelung nach.“ Das sei fatal: „In jedem Betrieb, der nicht weitermacht, gehen im Schnitt acht Arbeitsplätze verloren.“

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