WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen
Valley Talk

Startup-Boom auf kleinerer Flamme

Matthias Hohensee Quelle: Frank Beer für WirtschaftsWoche
Matthias Hohensee Korrespondent (Silicon Valley)

Die Summe des Wagniskapitals ist rückläufig. Dennoch erleben Gründer in den USA einen Aufschwung. Warum eigentlich?

  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:
Trotz sinkender Wagniskapitalsumme erleben die USA momentan einen Startup-Boom. Neben der Tatsache, dass traditionelles Risikokapital an Bedeutung verliert, gibt es heute unzählige Alternativen zu klassischen Wagniskapitalgebern. Quelle: Fotolia

Wagniskapital, der so wichtige Zündstoff für Startup-Unternehmen, brennt wieder auf kleinerer Flamme. Könnte man zumindest anhand der Summen folgern, die in junge Unternehmen fließen: Im vergangenen Jahr waren das in den USA laut Berechnungen des Marktforschungsunternehmens CB Insight 28,3 Milliarden Dollar. 2011 waren es noch 30,6 Milliarden Dollar gewesen. Seit 2009, dem Jahr nach Ausbruch der Bankenkrise, hatte das Risikokapital jedes Jahr zugelegt.

Bedeutet das also, dass eine neue Startup-Flaute ins Haus steht, weil weniger investiert wird? Wohl kaum. Im kalifornischen High-Tech-Tal, aber auch in Los Angeles, New York und Boston boomen Startups, allen voran diejenigen aus dem Mobil- und Softwaresektor. Selbst die lange gemiedenen Biotechfirmen sind wieder gefragt.

Zwar stimmt es, dass die Gesamtsumme an Risikokapital rückläufig ist. Doch gleichzeitig erhielten 2012 mehr Unternehmen Geld als im Jahr zuvor: Die Zahl der Transaktionen stieg von 3.051 auf 3.267. Die Schecks waren nur kleiner, weil etwa Internet- und Softwareunternehmen weniger Wachstumskapital benötigen.

Die besten Standorte für Startups
Platz 17: Berlin Quelle: dpa
Platz 10: Moskau Quelle: dpa
Platz 9: Bangalore Quelle: Reuters
Platz 8: Sao Paulo Quelle: Reuters
Platz 7: Singapur
Platz 6: Los Angeles Quelle: AP
Platz 5: Tel Aviv Quelle: Reuters

Ganz im Gegensatz zur kapitalintensiven Cleantechbranche, wo in der Regel Milliarden notwendig sind. Doch gerade in dem Sektor nahmen die investierten Summen im vergangenen Jahr um fast 30 Prozent ab. Überkapazitäten im Solarbereich, aber auch die schwache Nachfrage nach Elektroautos haben den Enthusiasmus der Investoren merklich abklingen lassen.

Das ist daher auch der Hauptgrund für die sinkende Wagniskapitalsumme. Hinzu kommt, dass traditionelles Risikokapital an Bedeutung verliert.

Im Internet- und Softwarebereich können Gründer oft den Start allein oder mithilfe von Freunden und Bekannten finanzieren. Und ihr Kapitalbedarf sinkt weiter, weil das Gros der Hardware nicht mehr wie früher gekauft, sondern Rechenkapazität online von Anbietern wie Amazon, Google oder Microsoft gemietet werden kann.

Unzahl an Alternativen zu klassischen Wagniskapitalgebern

Internationale und deutsche Crowdfunding-Plattformen
Kickstarter
startnext
MySherpas
VisionBakery
IndieGoGo
ArtistShare

Hinzu kommt, dass Gründer mittlerweile auch zig Alternativen zu klassischen Wagniskapitalgebern haben. Viele Unternehmer sammeln über Crowdfunding-Plattformen wie Kickstarter oder Indiegogo vorab Gelder von interessierten Kunden ein. Oder Privatanleger beteiligen sich direkt an jungen Wachstumsunternehmen: Durch den gerade verabschiedeten Jobs-Act dürfen das demnächst sogar Kleinanleger tun. Weil die Börsenaufsicht hier allerdings Missbrauch fürchtet und deshalb immer noch an den Regeln arbeitet, wird es damit noch bis Mitte des Jahres dauern.

Muss man sich bei so viel Finanzierungsangeboten keine Sorgen um die Startup-Szene machen? Ich finde schon. Denn der sinkende Kapitalbedarf für den Start von Unternehmen hat seine Schattenseiten. Dann nämlich, wenn zu viel gegründet wird.

Die wichtigsten Fakten zu Crowdfunding

Branchenbeobachter warnen, dass viele Startups wegen der zu großen Zahl an Wettbewerbern keine Folgefinanzierung für einen großen Durchbruch erhalten. Sie fallen, so die Kritik, in sich zusammen, bevor es richtig losgegangen ist. Das gilt vor allem für den heiß umkämpften Bereich der Smartphone-Software.

Doch dieses Massensterben ist laut den Analysen von CB Insight bislang nicht eingetreten. Auch weil Startups mittlerweile ihre Dienste online leichter selber vermarkten können.

Gründer



Paradoxerweise könnten klassische Wagniskapitalgeber am Ende sogar von den vielen alternativen Finanzierungsmöglichkeiten profitieren. Wenn sie sich nämlich aus den übrig gebliebenen Unternehmen die interessantesten herauspicken. Der Tag, an dem richtig große internationale Marken gänzlich ohne professionelles Wagniskapital etabliert werden, mag kommen. Noch ist es nicht ganz so weit.

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%