Valley Talk

Wer beim Crowdfunding Erfolg hat

Matthias Hohensee Quelle: Frank Beer für WirtschaftsWoche
Matthias Hohensee Korrespondent (Silicon Valley)

Wer beim Crowdfunding Erfolg hat, gerät schneller ins Visier professioneller Investoren. Trotzdem ist die Auslese hart.

Besonders erfolgreiche Crowdfunding-Projekte
Bud Spencer Movie
Der Barde Ranarion
Richard Diamond Privatdetektiv
Kamera-Schwebestativ „Exthanded“
April Smith'
Saber Rider and the Stars Sheriffs
Buchprojekt

Vergangenes Jahr überwies ich über die Crowdfunding-Plattform Indiegogo 199 Dollar ans Start-up Scanadu aus dem Silicon Valley. Mich begeisterte dessen Idee, ein einfach zu bedienendes Messgerät für Puls, Blutdruck, Körpertemperatur und Atemfrequenz entwickeln zu wollen. Kurz an die Schläfe gepresst, übermittelt das handtellergroße Gerät via Bluetooth die Ergebnisse an das Smartphone. Die werden dann gespeichert und lassen sich über einen längeren Zeitraum gesammelt auswerten.

Zudem beeindruckte mich Scanadu-Gründer Walter de Brouwer, der extra von Belgien ins Silicon Valley gezogen war. Er sah hier bessere Chancen, seine Idee umsetzen zu können. Er hoffte aber auch auf eine bessere Förderung seines halbseitig gelähmten Sohns Nelson, der am neuen Wohnort in Cupertino dank des finanziell gut ausgestatteten Schuldistrikts einen persönlichen Tutor zur Seite gestellt bekam.

Internationale und deutsche Crowdfunding-Plattformen
Kickstarter
startnext
MySherpas
VisionBakery
IndieGoGo
ArtistShare

Der heute 14-jährige Nelson hatte sich 2005 bei einem Sturz schwere Kopfverletzungen zugezogen und lag wochenlang im Koma. Die einzige Verbindung zu seiner Familie waren die Kurven auf den Messgeräten, die sein Vater mithilfe von Fachliteratur entschlüsselte – jeder positive Trend ein Hoffnungsschimmer. Aus diesem Erlebnis entstand die Idee für Scout.

Über Indiegogo warb de Brouwer Vorbesteller. Die Kampagne war ein voller Erfolg. Nicht nur, weil das Start-up so 1,6 Millionen Dollar einsammelte. Sondern es ein paar Monate später auch noch zusätzliche 10,5 Millionen Dollar an Risikokapital erhielt.

Eine aktuelle Studie der Marktforschung CB Insights belegt: De Brouwer lag richtig damit, ins ferne Kalifornien zu ziehen. Die Analysten untersuchten 443 Hardwareprojekte, die auf Indiegogo und dessen Wettbewerber Kickstarter mehr als 100 000 Dollar von potenziellen Käufern eingesammelt hatten.

Zehn Kickstarter-Projekte, die begeistern
PegIn der Wohnung, auf dem Schreibtisch, in der Küche – überall fliegt ständig alles rum. Eine Allzweckwaffe gegen das Chaos will nun die Organisations-Tafel „Peg“ sein. Die bunten Tafeln mit den Löchern bieten Platz für Ohrringe, Headsets, Notizen, Stifte und vieles mehr. Kleine Stifte, die sich in die Löcher stecken lassen, geben den Gegenständen halt. Sogar ein Tablet lässt sich so befestigen. Hier geht es zum Kickstarter-Projekt Quelle: Screenshot
FlyKlyE-Bikes boomen. Doch nicht jeder möchte sich ein komplett neues Fahrrad kaufen, um etwas schneller und komfortabler ans Ziel zu kommen. Ein amerikanisches Unternehmen hat hier eine Lösung gefunden. Der FlyKly ist ein Motor, der sich an jedes Hinterrad eines Fahrrads anbauen lässt und somit den Drahtesel zum E-Bike macht. Hier geht es zum Kickstarter-Projekt Quelle: Screenshot
MiStandEbenfalls erfolgreich finanziert ist das Kickstarter-Projekt von MiStand. Dabei handelt es sich um nicht mehr oder weniger als eine Tablet-Halterung. Mit einem Klick lässt sich der Computer dort befestigen und danach sogar noch flexibel drehen, ohne dass das Gadget abrutscht. Ob das Zubehör am Ende wirklich zum Verkaufsschlager wird, bleibt abzuwarten. Immerhin gibt es etliche – nicht weniger spannende – Konkurrenzangebote. Hier geht es zum Kickstarter-Projekt Quelle: Screenshot
MacawDas Tool lässt die Herzen von Webdesignern höher schlagen. Textboxen lassen sich einfach aufziehen, mit unterschiedlichen Schriftarten und –größen füllen und farblich gestalten. Auch Interaktionen lassen sich per Klick und Schlagwort ganz einfach hinzufügen. Hinter dem Schlagwort liegt das Skript, das sich ebenfalls individuell anpassen lässt. Hier geht es zum Kickstarter-Projekt Quelle: Screenshot
FuseDie Erfinder der Auto-App Fuse haben einen Weg gefunden, Daten aus dem Auto sichtbar zu machen und mit anderen Informationen auf dem Smartphone zu kombinieren. So lassen sich zum Beispiel Routen von einer Person zur nächsten Abspeichern. Sobald sich der Wagen dem Ziel nähert, erhält die Person, die besucht wird, eine SMS. Die App zeigt zudem genau an, wie das Fahrverhalten gerade ist – eine praktische Information für Eltern, deren Kinder gerade erst den Führerschein haben und mit dem Auto unterwegs sind. Außerdem kann die App Tipps geben, wann und wo das Tanken besonders preiswert ist. Hier geht es zum Kickstarter-Projekt Quelle: Screenshot
MichronWer gerne fotografiert und filmt, dürfte Timelaps längst ein Begriff sein. Bei dieser Technik werden hunderte Fotos von einer Scene hintereinander gemacht und am Ende zu einem Video zusammengeschnitten. Das Tool Michron macht das besonders einfach. Der kleine schwarze Kasten lässt sich einfach an der Spiegelreflexkamer anbringen. Gesteuert wird der Fotoapparat dann nur noch über das Smartphone. Sobald die gewünschten Daten (zum Beispiel die Zeitspanne der Aufnahmen) eingespeichert sind, ist das Smartphone wieder frei für andere Aktionen. Hier geht es zum Kickstarter-Projekt Quelle: Screenshot
InfoactiveZahlen auswerten, in Datenbanken einpflegen und daraus eine Grafik machen - das klingt nach viel Arbeit, die keinen Spaß macht. Mit der Erfindung von Trina Chiasson sollen Daten aber ganz einfach zu Geschichten werden. Infoactive ist ein Programm für interaktive Grafiken, die sich selbst aktualisieren. Sie sind individualisierbar und animiert. Eine Umfrage erleben, so nennt es Trina Chiasson. So sollen Journalisten oder Blogger einfach Daten auswerten und aufbereiten können. Auf der Seite meldet man sich entweder mit seiner E-Mail-Adresse oder dem Facebook/Twitter-Account an. Hier geht es zum Kickstarter-Projekt Quelle: Screenshot

Doch eine erfolgreiche Crowdfunding-Kampagne ist keine Garantie, auch von professionellen Investoren Geld zu bekommen. Von den betrachteten Vorhaben schaffte das nur etwa jedes zehnte. Von diesen sind knapp 80 Prozent in den USA angesiedelt, über die Hälfte davon in Kalifornien. Zusammen haben sie 321 Millionen Dollar an Wagniskapital eingesammelt, rund das Siebenfache dessen, was sie durch Crowdfunding erhalten haben.

Die drei Spitzenreiter sind derzeit Misfit Wearables, Formlabs und Smartthings. Misfit, ein tragbares Messgerät für Sportler, hat 23 Millionen Dollar an Risikokapital angezogen. Formlabs, ein Hersteller von 3-D-Druckern, ist mit 22,3 Millionen Dollar ausgestattet. Smartthings, Spezialist für die Heimautomatisierung, sammelte 15,5 Millionen Dollar ein.

Das Gefühl, Gutes zu tun

Crowdfunding ist nichts für jedermann. Wer als Vorbesteller die Firmen unterstützt, trägt zwar zu deren Erfolg bei, ist aber finanziell nicht beteiligt. So erhielten etwa die Gründer von Oculus, dem Hersteller von 3-D-Datenbrillen, 2,4 Millionen Dollar über Kickstarter – und verkauften ihre Firma dann für zwei Milliarden Dollar an Facebook. Das große Geschäft machten professionelle Kapitalgeber. Smartthings wurde gerade für 250 Millionen Dollar an Samsung veräußert.

In Arbeit
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Das hat einigen Unterstützern die Laune verdorben. Aber sich darüber aufzuregen ist ungefähr so, als ob ein Kunde auf Apple sauer ist, weil er sein Geld in deren Macs, iPhones und iPods gesteckt hat und nicht in die Aktie des Konzerns.

Zudem müssen Interessierte Geduld mitbringen. Scanadu versprach ursprünglich, den Scout im Frühjahr 2014 zu liefern. Nach etlichen Produktionsproblemen sieht es nun eher nach Anfang 2015 aus. Aber das Gefühl, eine gute Sache voranzubringen, ist nicht monetär zu bewerten. Und wenn jemand Kasse macht, sind zumindest auch die Ideengeber dabei.

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