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Gründergeist-Studie Dax, Uni, Mittelstand: Von diesem Ökosystem profitieren deutsche Start-ups

Einhörner in Deutschland: Die milliardenschweren Start-ups profitieren hierzulande von Kooperationen mit etablierten Weltmarktführern. Quelle: imago images

Start-ups made in Germany stehen oft im Schatten der Einhörner aus den USA. Eine neue Studie zeigt aber: Die deutsche Start-up-Kultur glänzt gerade in der Kooperation mit etablierten Weltmarktführern.

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16 Einhörner gibt es in Deutschland. Also Start-ups mit einem Unternehmenswert von mindestens einer Milliarde US-Dollar. Im Vergleich mit den 337 aus den USA ist das nicht eben viel, auch Großbritannien hat mit 29 fast doppelt so viele.



Eine neue Studie des Handelsblatt Research Institute im Auftrag von Bridgemaker, Kienbaum, Lanxess und  SKW Schwarz Rechtsanwälte zeigt aber, dass das nicht unbedingt am fehlenden Erfolg liegt – sondern auch an der Ausrichtung innerhalb der deutschen Wirtschaft.

Die Gründerquote in Deutschland sinkt seit über 15 Jahren stetig, mit nur kurzen Unterbrechungen. 2004 waren noch 2,5 Prozent der Deutschen zwischen 18 und 64 Jahren Unternehmensgründer, 2020 lag die Quote bei etwa einem Prozent. Die Zahl der Gründungen nimmt dabei ebenso kontinuierlich ab – nicht aber die Qualität der gegründeten Unternehmen.

Nimmt man die Unterstützung etablierter Dax-Unternehmen als Maßstab, ist die Qualität der deutschen Start-up-Landschaft durchaus hoch: Knapp 1000 Partnerschaften mit Start-ups unterhalten die Dax-30-Unternehmen insgesamt, viele beteiligen sich auch intensiv an Finanzierungsrunden kleinerer Unternehmen.

Einsame Spitzenreiter sind dabei die Deutsche Telekom mit 143 und Siemens mit 140 Wagnis-Kapital-Beteiligungen. Dahinter folgen Merck mit 106 und BMW mit 70 Investitionen.



Auch geographisch die ist die enge Verbindung deutscher Start-ups zu  etablierten Unternehmen sichtbar, gerade aus dem Mittelstand. Die fünf führenden Start-up-Regionen Berlin, Rhein-Ruhr, Hamburg, Stuttgart/Karlsruhe und München liegen alle in großen Clustern des industriellen Mittelstands.

Die Autoren der Studie mahnen kritisch an, dass bei der Digitalisierung in Deutschland die Prozessebene der inneren Unternehmensabläufe zu sehr im Vordergrund stehe. Bei Produkten und Geschäftsmodellen dagegen ist der Mittelstand oft noch recht traditionell unterwegs. Das könnte die Digitalisierung auf Dauer ausbremsen.

Um das zu verhindern, wagen gerade im Maschinenbau immer mehr Unternehmen die Kooperation mit einem Start-up, oft nach dem Trial-and-Error-Prinzip. Drei von fünf solcher Partnerschaften sind langfristig erfolgreich. Von denen, die scheitern, sagen zwei Drittel dennoch, dass sie es sofort wieder versuchen würden. Denn auch eine solche abgebrochene Kooperation bringt Erfahrungen, die sich positiv auf Innovation in der Geschäftspraxis auswirken.

Damit möglichst viele dieser Partnerschaften gelingen und motivierte Gründer in Deutschland in größerer Zahl auch erfolgreiche Unternehmen schaffen können, bauen auch viele Hochschulen ihre Entrepreneurship-Lehre aus. 2010 gab es in Deutschland noch 81 Professuren für Gründer, 2021 sind es bereits 151. Die Schwerpunkte liegen dabei in Nordrhein-Westfalen (28) und Bayern (25).

Die deutsche Start-up-Kultur zeigt ihre Stärken gerade in der Zusammenarbeit mit etablierten Unternehmen. Die Start-ups versprechen sich davon vor allem neue Marktzugang, Kunden und Wissen, die Unternehmen innovative Produktentwicklung und Prozessverbesserungen.

Dabei entstehen weniger neue Unternehmen von Milliardenwert als in anderen Start-up-Hochburgen. Trotzdem treiben Start-ups die deutsche Wirtschaft an und helfen beim Aufbrechen alter Strukturen und Technologien – nur eben auf etwas etablierteren Wegen.

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