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Gute Vorsätze Wer sich ändern will, braucht einen Aufpasser

Winter wird es auch in unserem Kopf. Der Hirnforscher Gerhard Roth über Lichtmangel, böse Geister und drei Methoden, ein anderer Mensch zu werden.

So geht es der Winterdepression an den Kragen
Licht ist wichtigDie Wintertage sind in Mitteleuropa kurz. Wer kann, sollte die wenigen hellen Stunden am Tag nutzen und so viel Licht wie möglich tanken. Zu wenig Helligkeit ist meist der Grund für Winterdepressionen, der Körper stellt sich schneller auf das Schlafen ein und produziert verstärkt das Schlafhormon Melatonin. Schon ein kleiner Spaziergang hilft, sogar an Schlecht-Wetter-Tagen. Sogar dann liegt die Lichtstärke draußen noch bei 2000 Lux. In beleuchteten Räumen ist es zwischen 500 und 600 Lux hell. Im Norden Europas, wo es bekanntlich noch dunkler ist, versuchten Stockholmer Gastronomen aus dem Lichtmangel eine Geschäftsidee zu schlagen und eröffneten das sogenannte Lichtcafé. Hier saß man in grellem UV-Licht und genoss seinen Cappuccino. Richtig rentiert hat sich die Idee nicht. Das Café musste inzwischen wegen zu hoher Mieten geschlossen werden. Quelle: dpa
LachenLachen ist mit die beste Medizin gegen den Winterblues. Studien haben gezeigt, dass beim Lachen Serotonin also Glückshormone ausgeschüttet werden. Das regt die Selbstheilungskräfte des Körpers an. Am besten trifft man sich mit Freunden auf einen Spieleabend, schaut sich eine Komödie im Kino an oder besucht mal wieder das Kabarett. Das hilft. Quelle: dpa
SportSport hält nicht nur fit, Sport macht gute Laune. Durch die Bewegung kommt der Stoffwechsel in Schwung. Der Körper schüttet Hormone wie Endorphin, Dopamin und Serotonin aus. Das macht gute Laune. Doch Vorsicht: Wer im Winter gerne Sport treibt, sollte ein paar Regeln beachten. Diese finden sie hier. Quelle: dpa
Ab ins WarmeWer einen tropischen Indoor-Garten in seiner Stadt hat (wie hier im Leipziger Zoo), sollte die Gelegenheit nutzen und ein bisschen Wärme tanken. Das tut den Knochen und der Seele gut. Quelle: dpa
Beauty-TagWenn es draußen schon grau und hässlich ist, kann man doch wenigstens etwas für die eigene Schönheit tun. Eine vitaminreiche Maske sorgt für Entspannung, reinigt die durch Heizungsluft geplagte Haut und versorgt sie mit Feuchtigkeit. Quelle: AP
Wellness purSich einmal richtig durchkneten lassen - der Winter ist genau die richtige Zeit für das Verwöhnprogramm. Dabei bietet sich sowohl die schnelle halbstündige Massage in der Mittagspause als auch der Besuch einer Saunalandschaft oder eines Dampfbades an. Quelle: dpa/dpaweb
ShoppingDem grauen Tag einen bunten Schal entgegen setzen, so macht Winter Spaß. Frei nach dem Motto "Gönn dir was" ist shoppen in der Winterzeit eine gute Alternative, um aus dem Haus zu kommen. Am besten lässt es sich in beheizten Malls einkaufen - und das, wenn möglich unter der Woche, wenn die Läden nicht ganz so überlaufen sind. Quelle: dpa

WirtschaftsWoche: Die Weihnachtszeit und der Jahreswechsel stehen bevor. Das sind zwar gesellschaftliche Ereignisse, aber sie finden nicht zufällig zur Zeit der größten Dunkelheit, der Wintersonnenwende, statt. Ist das auch ein biologisches Ereignis? Bekommt unser Gehirn mit, dass die Tage jetzt am kürzesten und die Sonneneinstrahlung am geringsten sind?

Hirnforscher Gerhard Roth erklärt, wieso die wenigsten Neujahrsvorsätze auch wirklich eingehalten werden, und wie man mit kleinen Schritten ans Ziel kommt Quelle: dpa

Gerhard Roth: Natürlich. Besonders die Lichtmenge ist ein sehr wichtiger Faktor für die Gehirnaktivität bei vielen Tieren – und bei uns Menschen auch. Wir haben einen eigenen neuronalen Apparat, der diese Bedingungen misst, weil sich der Körper darauf einstellen muss. Diese Lichtmengensteuerung ist elementar. Auch wenn man künstlichem Licht über längere Zeit ausgesetzt ist, kommt der Tagesrhythmus völlig durcheinander. Das ist ganz tief in unserer Biologie. Dunkelheit verträgt der Mensch nicht besonders gut. Wir stammen von Vorfahren ab, die in Afrika das ganze Jahr über denselben Lichtrhythmus hatten.

Welche konkreten Auswirkungen hat der Lichtmangel? Sind wir weniger leistungsfähig?

Ja.  Und unkonzentrierter. Das liegt insbesondere an den veränderten Lichtrhythmen. Wir merken das ja auch bei Interkontinentalflügen. Viele Menschen leiden da tagelang drunter. Auch dauerhaft bei künstlichem Licht zu arbeiten, schadet der Leistungsfähigkeit und vor allem der Konzentration. Es kostet uns ja auch viel mehr Überwindung im Winter früh morgens aufzustehen, wenn es noch stockduster ist. Im Sommer ist man sehr viel aktiver. Das hängt damit zusammen, dass bestimmte Stoffe in unserem Körper - besonders Serotonin, das uns motiviert aber auch beruhigt - sehr stark vom Licht abhängig sind. Die Selbstmordraten in den nordischen Ländern steigen ja im Winter dramatisch. Das hängt relativ direkt damit zusammen, dass Serotonin nicht in ausreichender Menge ausgeschüttet werden kann.  

Fünf Wege aus der Depression

Kann man sich auf den Winter einstellen?

Vielleicht kann man einfach etwas mehr schlafen, also früher ins Bett gehen. Aber im Grunde bleibt uns nichts anderes übrig, als das hinzunehmen.

Und was sollten Arbeitgeber tun, um diese Anpassung zu erleichtern?

Unser ganzes Berufsleben ist ja nicht mehr vom natürlichen Lichtfluss gesteuert. Eigentlich wäre es sinnvoll, im Winter erst später mit der Arbeit zu beginnen. Aber das dulden die Unternehmen und Behörden nicht. Auch der Schulbeginn um 8 Uhr ist für Kinder im Winter eigentlich zu früh. Die Firmen sollten wenigstens dafür sorgen, dass das künstliche Licht am Arbeitsplatz dem Tageslicht ähnelt.

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