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500 Euro fürs Ummelden Städte locken Studenten mit Geld

Furtwangen

Ummelden und dafür bezahlt werden? Was nach einem Scherz klingt, ist in drei Orten im Schwarzwald gelebte Realität. Warum Studenten hier bis zu 500 Euro geschenkt bekommen.

Drei Städtchen im Schwarzwald versuchen nicht nur Touristen, sondern auch Studenten anzulocken. Doch eine schöne Aussicht und frische Bergluft reichen in den seltensten Fällen, um die jungen Menschen in die Städtchen zu locken. Deshalb zahlen die Orte Furtwangen, Schönwald und Gütenbach Begrüßungsgeld an jeden Studenten, der seinen Hauptwohnsitz in die jeweilige Stadt im Schwarzwald verlegt. Zwischen 200 und 500 Euro können Studenten für das Leben in den Bergen bekommen. Davon profitieren nicht nur die Studenten finanziell.

Am wenigsten bietet logischerweise der Ort, der die Hochschule hat. In diesem Fall ist das Furtwangen. 670 Studenten beginnen hier jährlich ihr Studium. Insgesamt sind etwa 1500 der 9000 Bürger Studenten. Melden Studenten hier ihren Erstwohnsitz an, erhalten sie eine Einmalzahlung in Höhe von 200 Euro – vorausgesetzt, sie beantragen diese. Im Jahr beantragen circa 250 Studenten das „Begrüßungsgeld“.

200 Euro pro Student sind wenig im Vergleich zu dem, was die Städte pro gewonnenen Einwohner erhalten. Die Einwohnerzahl entscheidet nämlich darüber, wie hoch die Auszahlung im kommunalen Finanzausgleich ausfällt. In den Gesetzen zum kommunalen Finanzausgleich wird geregelt, dass die eingenommen Steuergelder eines Landes auf die Kommunen aufgeteilt werden – je nach Bedarf. Je mehr Menschen in einer Stadt wohnen, desto höher der Bedarf. Der Betrag, den die Städte pro gewonnen Einwohner erhalten, übersteigt das Begrüßungsgeld deutlich.

Die Rechnung funktioniert so: Für jede Stadt wird eine sogenannte Bedarfsmesszahl ermittelt. Um diese zu erhalten, wird die der Zahl der mit Hauptwohnsitz gemeldeten Personen mit einem Kopfbetrag multipliziert. Dieser Bedarfsmesszahl wird eine Steuerkraftmesszahl – das erwartete Steueraufkommen – gegenübergestellt. Liegt der Bedarf über dem prognostizierten Steueraufkommen, bekommt die Stadt Schlüsselzuweisungen. „In Furtwangen bringt jeder Einwohner der Stadt circa 1000 Euro im Jahr ein“, sagt Franz Kleiser. Er leitet das Rechnungsamt der Stadt Furtwangen.

Nach dieser Rechnung könnten eigentlich alle Zugezogenen ein Begrüßungsgeld bekommen. Doch den Bedarf dazu sieht die Stadt lediglich bei den Studenten. Diese tendieren häufig dazu, den Wohnsitz der Eltern als Hauptwohnsitz bestehen zu lassen. Es gehe bei der ganzen Sache also nur um eine Formalie, erklärt Kleiser. Das Begrüßungsgeld soll die Studenten zum Gang zum Amt motivieren.

Das Begrüßungsgeld ist nicht nur im Schwarzwald verbreitet, auch größere Städte wie Kiel, Bremen und Jena bezahlen ihre Studenten für die Ummeldung des Hauptwohnsitzes. Doch in der ländlichen Region um Furtwangen scheint der Bedarf nach neuen Einwohnern besonders hoch zu sein. Die Dörfer in der Umgebung zahlen nämlich weitaus höhere Beträge als beispielsweise Kiel, wo es 100 Euro für die Ummeldung gibt.

Ein Beispiel ist das zehn Kilometer entfernte Dorf Schönwald, das ebenfalls mit einem Begrüßungsgeld wirbt. Das Problem ist nur: der Hochschulcampus ist in Furtwangen und nicht in Schönwald. Also muss das zehn Kilometer entfernte Dorf ein paar Euro oben drauflegen, um Studenten auch in ihren Ort zu locken. Der Slogan „Studierende und Auszubildende aufgepasst – auch in Schönwald gibt es ein Begrüßungsgeld“ bestätigt die Vermutung. Wer sich für den Erstwohnsitz in Schönwald entscheidet, bekommt 100 Euro pro Jahr, also 50 Euro im Semester. In der Regel brauchen Studenten für Bachelor und Master mindestens fünf Jahre. Das ergibt 500 Euro, 300 mehr als in Furtwangen gezahlt werden. Der Ort Gütenbach, sieben Kilometer entfernt von der Uni-Stadt Furtwangen, versucht das mit einer Einmalzahlung von 500 Euro zu überbieten.

Aber auch 500 Euro scheinen nicht genug zu sein, um die Studentenscharen anzuziehen. Nur 20 der 2400-Einwohner in Schönwald sind Studenten.

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