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Anwesenheitspflicht gefordert Deutschlands Studenten schwänzen zu viel

Studierende müssten sich aktiv einbringen. Schwänzen dagegen sei respektlos. Dieser Meinung ist der Vorsitzende des Philosophischen Fakultätentages, Tassilo Schmitt. Er fordert eine Anwesenheitspflicht an der Hochschule.

Anwesenheit alleine reiche nicht aus, die Studierenden müssten sich auch einbringen. Quelle: Blumenbüro Holland/dpa/gms

Um die Frage nach der Anwesenheitspflicht in Universitätsseminaren gibt es seit Jahren Streit - die Einführung der Bachelor- und Masterstudiengänge hat das nicht besser gemacht. Für Lernzeit gibt es Leistungspunkte, und dazu gehöre auch die Zeit, die die Studierenden in Vorlesungen, Tutorien oder Seminaren sitzen. Das muss von den Lehrenden kontrolliert werden - irgendwie. Gleichzeitig liegt bei denen auch die Entscheidungsfreiheit, ob sie die Anwesenheit kontrollieren oder nicht. So kann es sein, dass sich diese Regelungen von Fakultät zu Fakultät an der gleichen Hochschule unterscheidet.

Es herrsche Konsens darüber, dass die Anwesenheitspflicht nur für Übungen und Seminare, nicht aber für Vorlesungen, eingefordert werden kann, sagte dagegen Tassilo Schmitt im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Einem Mediziner könne keine Approbation gegeben werden, wenn er nicht regelmäßig die Veranstaltungen besuche. Das sei auch in den Geisteswissenschaften notwendig: Dort bestehe der Kern eines Seminars aus dem Gespräch, in dem Methoden erprobt und eingeübt werden. Das gehe verloren, wenn jemand ständig fehle.

Was sich 2013 für Studenten ändert
BafögSchnelles Studieren oder besonders gute Noten haben sich für Bafög-Empfänger bislang doppelt ausgezahlt. Auf Antrag konnte ihnen bis zu 25 Prozent der Rückzahlung erlassen werden. Diese Belohnung für Schnelligkeit und Qualität erhalten Studenten, die nach dem 31.12.2012 ihr Studium abschließen, nicht mehr. Die Regelung wird abgeschafft. Wer vorher abgeschlossen hat, kann aber weiterhin den Antrag auf Teilerlass stellen – nämlich sobald der Rückzahlungsbescheid im Briefkasten landet.    Quelle: AP
MinijobsViele Studenten arbeiten auf 400-Euro-Basis. Diese Verdienstgrenze wird ab Januar 2013 auf 450 Euro angehoben und es besteht eine Rentenversicherungspflicht. Für Bafög-Empfänger ärgerlich, denn für sie gibt es nicht mehr Geld. Die zusätzlichen 50 Euro werden vom Bafög abgezogen, da die Hinzuverdienstgrenze nicht an die Minijob-Gehälter angepasst wurde. Quelle: dpa
KrankenversicherungAnders bei der gesetzlichen Krankenversicherung: Hier wurden die Grenzen an die Erhöhung der Minijob-Gehälter angepasst. Studenten die ab 2013 450 Euro bei ihrem Minijob verdienen und unter 25 Jahren sind, dürfen weiterhin beitragsfrei bei ihren Eltern mitversichert bleiben. 2012 lag die Grenze noch bei 400 Euro. Arbeitet der Student nicht auf Minijob-Basis, liegt die Verdienstgrenze ab 2013 bei 385 Euro pro Monat. Verdient ein Student regelmäßig mehr als die 385 Euro beziehungsweise 450 Euro im Minijob, muss er sich eine eigene Krankenversicherung zulegen. Quelle: dpa
PflegeversicherungWer sich selbst versichern muss, zahlt als Student für die gesetzliche Krankenversicherung weiterhin 64,77 Euro. Die Pflegeversicherung steigt aber leicht an. Kinderlose Studenten ab 23 Jahren zahlen monatlich 13,73 Euro, alle anderen 12,24 Euro. Quelle: Fotolia
ExistenzminimumGestern haben sich die Parteien im Vermittlungsausschuss darauf verständigt, dass der steuerfreie Grundfreibetrag von derzeit 8.004 Euro nächstes Jahr um 126 Euro auf 8.130 Euro angehoben wird. Diese Anhebung des Existenzminimums dürfte vor allem Studenten zugutekommen, die im Laufe des nächsten Jahres abschließen und anfangen zu arbeiten. Der ein oder andere dürfte durch diese Neureglung knapp unter dem Freibetrag bleiben und den Steuern ein letztes Mal entgehen. 2014 soll der Grundfreibetrag sogar auf 8.354 Euro angehoben werden.  Quelle: Fotolia
KfW-StudienkreditAb Sommersemester 2013 können mehr Studenten den Studienkredit der KfW in Anspruch nehmen.  Ab April fördert die Bank auch Zweitstudiengänge, Zusatz-, Aufbau- und Ergänzungsstudiengänge. Selbst wer promoviert kann einen Kredit beantragen. Ebenfalls erhöht die KfW die Altersgrenze für die Kreditnehmer von 34 auf 44 Jahre. Auch Studenten, die beispielsweise berufsbegleitend studieren, können sich ab April freuen. Dann gibt es den KfW-Studienkredit auch für Teilzeitstudenten. Quelle: dpa
DeutschlandstipendiumMaximal ein Prozent der Studenten an einer Hochschule können bislang vom Deutschlandstipendium  profitieren und mit 300 Euro monatlich gefördert werden. Diese Grenze wird ab August 2013 auf 1,5 Prozent erhöht. Mittelfristig soll die maximale Förderquote je Hochschule auf acht Prozent steigen.  Beim Deutschlandstipendium übernimmt der Staat die Hälfte der Förderung. Die restlichen 150 Euro müssen die Hochschulen bei privaten Spendern einsammeln. Quelle: dpa

Durch die Anwesenheitspflichte werde keineswegs die Studierfreiheit einschränken, sagt der Vorsitzende des Philosophischen Fakultätentages, viel mehr steht formal "sogar höher gewichtig die Lehrfreiheit des Dozenten," sagte er der "Frankfurt Allgemeinen Zeitung". Es sei mangelnder Rezept gegenüber den Lehrenden und den Kommilitonen, wenn Studierende zu Veranstaltungen nicht erscheinen, obwohl sie selbst Beiträge abliefern müssen. Schmitt erklärt es damit, dass manche vor allem gegen Ende des Semesters einen großen Druck empfinden und sich auf bestimmte Prüfungen vorbereiten - vor allem aber zu Lasten von anderen Veranstaltungen. Allerdings bringe bloßes Dasitzen nichts, man müsse sich aktiv einbringen, so dass Schmitt auch nichts davon hält, die "Anwesenheits-Credits" auf die Klausurnote anzurechnen.

Man müsse vernünftige Obergrenzen definieren und dann auch Klein-, Untergruppen und Tutorien bilden, sagt er. Mit zu vielen Teilnehmern könne ein "gutes Seminarziel" nicht erreicht werden. Und es dürfe auch nicht so sein, dass sich Seminare von Vorlesungen ausschließlich dadurch unterscheiden, dass nicht der Dozent etwas vermittelt, sondern sich die Studierenden einbringen.

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