Aus Nicht-EU-Staaten Wie Brüssel Studenten und Forscher locken will

Mehr als 200.000 ausländische Studenten und Forscher reisen jährlich in die EU ein. Die Kommission will die Toptalente mit einer Reihe von Maßnahmen künftig länger in Europa halten.

Die Auf- und Absteiger unter Deutschlands Unis
Studenten auf dem Campus der Uni Bamberg Quelle: gms
Zwei Studentinnen in der Universitätsbibliothek Tübingen Quelle: dpa
Die Teams der Fachhochschule Offenburg, der Hochschule Merseburg un der TU Chemnitz beim 22. Shell Eco-Marathon. Quelle: obs
Studenten auf einer Wiese des Campus Münster Quelle: Pressebild
Studenten der Universität Duisburg/Essen verfolgen im großen Saal des Essener Multiplex-Kinos eine Vorlesung Quelle: dpa
Forscher der Berliner TU arbeiten mit Kollegen aus Spanien und den Niederlanden an einem Projekt, das auch in Gebieten extremer Dürre fruchtbares Wachstum verspricht Quelle: dpa/dpaweb
Vor dem Schriftzug "Universitaet" befindet sich ein Denkmal für Alexander von Humboldt vor dem Eingang der nach ihm benannten Universität in Berlin Quelle: dpa/dpaweb
Studenten schlendern im Frühling über den Campus der Universität Göttingen Quelle: dpa
Studenten während einer Vorlesung Quelle: dpa/dpaweb
Die Universität Würzburg stellte im Rahmen eines internationalen Workshops mit Live-Demonstrationen sogenannte "Gehirn-Computer-Schnittstellen" vor Quelle: dpa

Für Studenten und Wissenschaftler aus Nicht-EU-Ländern soll das Lernen und Arbeiten in Europa leichter werden. Gelockerte Einreise- und Aufenthaltsbestimmungen könnten mehr Talente aus aller Welt anlocken, sagte EU-Innenkommissarin Cecilia Malmström am Montag in Brüssel. „Diese Menschen werden für uns in Zukunft der Schlüssel zu Entwicklung und Wachstum sein.“ Die Kommission will den EU-Staaten eine Frist von 60 Tagen stellen, um Visums-Anträge zu bearbeiten. Innerhalb der EU sollen Studenten und Forscher unkomplizierter das Land wechseln können. Auch ihren Familienangehörigen will die Kommission das Reisen erleichtern.

Studenten dürfen den Gesetzesvorschlägen zufolge künftig mindestens 20 Stunden pro Woche arbeiten. Nach dem Abschluss von Studium oder Forschung sollen sie noch ein Jahr lang bleiben können, um sich nach einem Job umzusehen oder sich selbstständig zu machen. Die Erteilung der Arbeitserlaubnis bleibe aber Sache der EU-Staaten, betonte Malmström - es gebe kein automatisches Recht auf Arbeit.

Deutschlands Spitzen-Universitäten 2012
RWTH AachenAachen liegt in allen technischen Disziplinen vorne. Das ist auch der Anspruch der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule (RWTH), die als eine der wenigen deutschen Elite-Unis gilt. Mit ihrem Zukunftskonzept „RWTH 2020“ hat sie sich zum Ziel gesetzt, bis zum Ende des Jahrzehnts eine der weltweit besten „integrierten interdisziplinären technischen Hochschulen“ zu werden. Diese Anstrengungen fördert die Bundesregierung mit ihrer Exzellenz-Initiative. Exzellenz bescheinigt die WirtschaftsWoche der RWTH auch in ihrem Uni-Ranking: Sie belegt den ersten Platz in Naturwissenshaften, Elektrotechnik, Wirtschaftsingenieurwesen und Maschinenbau. Bei Informatik steht Aachen auf dem zweiten Platz Quelle: dapd
Uni MannheimJunge Universität, alter Sitz. Erst 1967 wurde die Mannheimer Handelshochschule zur Universität erhoben. Die im Mannheimer Barockschloss heimische Hochschule gehört damit zu den jüngeren deutschen Unis. Aufgrund ihrer wirtschaftswissenschaftlichen Ursprünge, zeigt sich in diesem Bereich auch die Kompetenz der Uni. Im Hochschul-Ranking der WirtschaftsWoche belegt sie in den Fächern VWL und BWL jeweils den ersten Platz. Außerdem ist sie in den Top 10 jeweils in Wirtschaftsinformatik (3), Informatik (8) und Jura (8). Quelle: Bert Bostelmann für WirtschaftsWoche
Karlsruher Institut für Technologie (KIT)Die Uni Karlsruhe war die Informatik-Pionierin unter den deutschen Hochschulen. 1969 etablierte sie als erste deutsche Hochschule einen Informatik-Diplomstudiengang, drei Jahre später entstand in Karlsruhe die erste deutsche Fakultät für Informatik. Nachdem, sie sich 2005 den Zusatz „Forschungsuniversität“ gab fusionierte sie 2009 mit dem Kernforschungszentrum der Helmholtz-Gemeinschaft zum Karlsruher Institut für Technologie (KIT). Die Informatik-Pionierarbeit hat sich gelohnt: Das KIT belegt in dem Fach den ersten Platz im WirtschaftsWoche-Ranking. Bei Elektrotechnik, Maschinenbau und Wirtschaftsingenieurwesen kommt das KIT auf den zweiten Platz, bei Naturwissenschaften auf den dritten. Quelle: dpa
Technische Uni München (TUM)Die Bundesregierung zeichnete die Technische Uni München (TUM) gleich doppelt aus: Einerseits gehörte sie 2007 zu den ersten drei geförderten Hochschulen ihrer Exzellenz-Initiative, andererseits ernannte sie der Bund als Teil seiner Existenzgründer-Initiative „Exist“ zur Gründerhochschule. Denn an der TUM soll nicht nur geforscht, sondern damit auch Geld verdient werden. Dafür hat sie mit der UnternehmerTUM GmbH etwa eine eigene Unternehmensberatung für ihre Studenten gegründet, die auch über einen Förder-Fonds verfügt. Im Fach Wirtschaftsinformatik verleiht die WirtschaftsWoche der TUM den ersten Platz unter der deutschen Hochschulen, bei Naturwissenschaften gibt es den zweiten Platz, bei Elektrotechnik, Maschinenbau und Wirtschaftsinformatik den dritten Platz, sowie bei BWL den zehnten Platz. Quelle: Technische Universität München, Albert Scharger
Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU)Konrad Adenauer, Theodor Heuss und Gustav Heinemann studierten hier schon: Die 1472 gegründete Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) zählt zu den renommiertesten Universitäten Deutschlands. Im internationalen Times-Higher-Education-Ranking wurde sie 2011 als beste deutsche Universität ausgezeichnet, beim Ranking der Shanghaier Jiao-Tong-Universität landet sie in Deutschland auf dem zweiten Platz nach der TU München. Bei der WirstchaftsWoche belegt sie den ersten Platz im Fach Jura, sowie den dritten Platz bei BWL und VWL, sowie den vierten bei Naturwissenschaften. Quelle: Creaitve Commons: CC BY-SA 3.0
Uni KölnDicht hinter Mannheim, liegt in den Wirtschaftswissenschaften die Uni Köln. Bei VWL und BWL belegt sie im WirtschaftsWoche-Ranking den zweiten Platz, bei Jura Platz 3 und bei Wirtschaftsinformatik Platz 5. Genau wie in Mannheim, geht auch die Kölner Uni auf eine Handelshochschule zurück. Gegründet im Jahr 1901, wurde sie 1919 zur Universität umgewandelt. Ihre Vorgänger-Uni wurde 1388 als vierte Universität im deutsch-römischen Kaiserreich gegründet. 1798 wurde sie unter napoleonischer Besetzung geschlossen. Die heutige Universität zu Köln wird ebenfalls von der Exzellenz-Initiative der Bundesregierung gefördert. Quelle: dpa/dpaweb
Technische Uni DarmstadtHoheitlich ist der Sitz des Technischen Uni Darmstadt. Wie in Mannheim, beherbergt auch in Darmstadt ein Residenzschloss die Hochschule. Ihr universitärer Status ist allerdings ganze 30 Jahre jünger als der Mannheimer. Seit 1877 ist sie eine Technische Hochschule, zur Universität wurde sie erst 1997. Getreu ihrem Namen liegen ihre Stärken im technischen Bereich: Beim Wirtschaftsingenieurwesen landet sie im WirtschaftsWoche-Ranking auf dem dritten Platz, bei Informatik, Elektrotechnik und Maschinenbau kommt sie auf den vierten, bei Naturwissenschaften auf Rang 5. Quelle: Bert Bostelmann für WirtschaftsWoche
Uni MünsterDie 1780 gegründete Westfälische Wilhelms-Universität in Münster will sich derzeit als interdisziplinäre Volluniversität ausrichten. Dazu gehört etwa die Gründung von fächerübergreifenden Forschungszentren. Laut dem Uni-Ranking der WirtschaftsWoche fehlt ihr jedoch die Kompetenz in den technischen Wissenschaften. Dort landet sie in keinem Fach in den Top 10. Anders bei den Rechts- und Wirtschaftswissenschaften. Hier liegen ihre Stärken, wie die Zweitplatzierung bei Jura, die Viertplatzierung bei BWL und die Fünftplatzierung bei VWL zeigen. Quelle: WWU Münster, Peter Grewer
Technische Uni Dresden1821 als Technische Bildungsanstalt Dresden gegründet und 1961 zur Technischen Universität erhoben, zeigt sich auch heute im technischen Bereich die größte Kompetenz der Dresdener. Im Ranking der WirtschaftsWoche ist sie in den technischen Fächern überall in den Top 10 vertreten. Bei Elektrotechnik und Maschinenbau erreicht sie Platz 5, bei Wirtschaftsingenieurwesen und Informatik Platz 6 und bei Naturwissenschaften Platz 8. Die Technische Uni Dresden wird von der Bundesregierung in der Exzellenzinitiative gefördert. Quelle: TUD, Eckhold
Technische Uni IlmenauDas kleine thüringische Örtchen Ilmenau besticht durch eine renommierte Uni im Bereich Informatik. Nach der Wende startete sie 1996 den ersten deutschen Diplom-Studiengang im Bereich Medientechnologie, seit 2006 hat sie als erste deutsche Hochschule eine Professur für Computer- und Videospiele ausgeschrieben. Dementsprechend belegt sie im Uni-Ranking der WirtschaftsWoche den vierten Rang bei Wirtschaftsinformatik, den fünften Rang bei Informatik und Wirtschaftsingenieurwesen, sowie den siebten bei Elektrotechnik und Maschinenbau. Quelle: dpa/dpaweb
Uni FankfurtDie Bankenstadt Franfurt am Main bleibt auch im WirtschaftsWoche-Uni-Ranking ihrem Image treu. Bei VWL belegt die Frankfurter Goethe-Universität den vierten Platz bei BWL den achten Platz. Die meisten Nobelpreisträger aus der Frankfurter Uni kommen jedoch aus dem Bereich der Chemie und Physik. Quelle: screenshot
Technische Uni BerlinAuch die 1879 gegründete Technische Uni Berlin spielt in allen technischen Fächern in den Top 10 mit: Platz 4 verleiht ihr die WirtschaftsWoche beim Wirtschaftsingenieurwesen, Platz 6 bei den Naturwissenschaften und Informatik, Platz 7 beim Maschinenbau und Platz 10 bei Elektrotechnik. Quelle: Technische Universität Berlin
Uni StuttgartEs fehlt bei der Uni Stuttgart zwar der Zusatz „technisch“ – trotzdem legen die Schwaben hierauf ihren Schwerpunkt. Die WirtschaftsWoche verleiht der Uni in ihrem Ranking Platz 6 bei Elektrotechnik und Maschinenbau, sowie Platz 10 bei Naturwissenschaften Quelle: Universität Stuttgart, Cichowicz
Uni BonnDie 1818 gegründete Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität schafft es bei der WirtschaftsWoche zweimal unter die Top10. Bei Jura belegt sie Platz 5, bei VWL belegt sie Platz 6. Quelle: Universität Bonn, Dr. Thomas Mauersberg
Humboldt-Uni BerlinPrestigeträchtiger als die Technische Uni der Hauptstadt, aber etwas weniger erfolgreich ist die Humboldt-Universität zu Berlin. 1810 gegründet, besticht sie zwar durch prächtige Architektur und Lage an der Flaniermeile Unter den Linden. In den Top 10 des Uni-Rankings ist sie jedoch nur einmal bei Jura vertreten. Dort belegt sie den sechsten Platz, bei BWL ist es Platz 13. Wie die Universitäten im Jahr darauf abgeschnitten haben lesen Sie hier. Quelle: AP

Wenn begabte junge Menschen wegen der Bürokratie nicht in die EU kämen, seien beide Seiten Verlierer, sagte die Innenkommissarin. „Sie können wichtige Karrierechancen verpassen und der Wirtschaft der EU entgehen möglicherweise neue Talente, Fähigkeiten und frische Ideen.“ Jährlich reisten mehr als 200 000 ausländische Studenten und Forscher in die EU ein - nach Deutschland kamen laut EU-Kommission im Jahr 2011 rund 27 600.

Von den neuen Bestimmungen profitieren würden aus Sicht der Kommission neben Studenten und Wissenschaftlern auch bezahlte Praktikanten, Schüler und Teilnehmer an Au-pair-Programmen. Jetzt müssen das Europaparlament und die EU-Staaten über die Vorschläge beraten. Ab wann die Regeln gelten könnten, sei schwer einzuschätzen, sagte Malmström. Die Kommission hofft, dass es 2016 so weit sein wird.

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