Ausbildung 85 Prozent der Azubis lernen bei Mittelständlern

Das Abitur für alle hat einen erheblichen Nachteil: Es gibt immer weniger Azubis. Nur im Mittelstand ist noch alles beim Alten. Um den Lehrlingsnachwuchs müssen sich Mittelständler kaum Gedanken machen.

Ein Zettel mit der Aufschrift «Ausbildung» liegt auf einem Tisch. Quelle: dpa

Die Anzahl der Azubis in Deutschland ist seit Jahren rückläufig: Die Zahl der neuen Ausbildungsverträge sank 2014 nach dem Berufsbildungsbericht erneut um 1,4 Prozent auf rund 520.000. Entsprechend blieben im Jahr 2014 rund 37.000 Lehrstellen unbesetzt. Laut dem aktuellen KfW-Mittelstandspanel ist es den kleinen und mittleren Unternehmen jedoch gelungen, die Zahl ihrer Auszubildenden in den letzten fünf Jahren konstant zu halten. Von insgesamt 1,36 Millionen Lehrlingen, die es derzeit in Deutschland gibt, lernen 1,2 Millionen junge Menschen bei mittelständischen Unternehmen einen Beruf. Damit absolvieren mittlerweile 85 Prozent aller Nachwuchskräfte ihre Berufsausbildung in einem mittelständischen Betrieb.

Für die Mittelständler, die sich sonst bei der Fachkräftesuche eher schwer tun, ist das ein Rekordwert.Für etwa zwei Drittel der mittelständischen Ausbilder sind laut aktueller KfW-Analyse attraktivere Ausbildungsplätze eine wichtige Wettbewerbsstrategie. 28 Prozent haben bereits Maßnahmen ergriffen, weitere 35 Prozent haben entsprechende Pläne. Und die Unternehmen lassen sich einiges einfallen, um den jungen Leuten die Berufsausbildung schmackhaft zu machen: Sie nutzen beispielsweise soziale Netzwerke für das Personalmarketing, bieten eine Ausbildung in Teilzeit an oder integrieren zusätzliche Lehrinhalte. Auch materielle Anreize werden gesetzt, etwa durch Prämienzahlungen, Mietzuschüsse, Jobtickets oder Diensthandys.

Was Azubis von ihrer Ausbildung erwarten

Trotzdem dürfen sich die kleinen Uternehmen nicht auf ihren Lorbeeren ausruhen: "Die Mittelständler müssen bei sinkenden Schülerzahlen und gleichzeitig zunehmender Studierneigung nicht nur mit großen Konzernen, sondern auch immer stärker mit den Hochschulen um die Absolventen konkurrieren", sagt Jörg Zeuner, Chefvolkswirt der KfW. "Dass es ihnen gegen den gesamtwirtschaftlichen Trend gelingt, die Zahl ihrer Azubis wenigstens konstant zu halten, ist überlebenswichtig: Für kleine und mittlere Unternehmen ist die betriebliche Ausbildung das zentrale Instrument zur Fachkräftesicherung."

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"Im Zuge des demografischen Wandels werden der deutschen Wirtschaft immer weniger Schulabsolventen zur Verfügung stehen. Flankierend zu den Bemühungen der Unternehmen ist es daher wichtig, das Ausbildungssystem zukunftsfest zu machen, um drohende Fachkräfteengpässe in nichtakademischen Berufen abzufedern", so Zeuner.

Ansätze seien etwa eine verbesserte Kompetenzfeststellung und Nachqualifizierung von jungen Menschen ohne Berufsabschluss und Zuwanderern. "Auch eine höhere Durchlässigkeit zwischen Studium und Berufsausbildung ist notwendig. Denn die hohe Studierneigung bringt Reibungsverluste mit sich - mehr als jedes vierte Bachelor-Studium wird abgebrochen."

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