Ausbildungsreport Überstunden gehören zur Ausbildung dazu

Für viele Auszubildende hat die Arbeitswoche deutlich mehr als 40 Stunden. Auch sonst hapert es bei so manchem Ausbildungsbetrieb. Und das, obwohl sich die Unternehmen jetzt schon schwer tun, Lehrlinge zu finden.

Das sind die beliebtesten Ausbildungsberufe der Deutschen
Der Lidl-Mitarbeiter Kristian Divic räumt ein Regal ein. Quelle: dpa
Kaufmann/Kauffrau für BüromanagementAuf Platz zwei der beliebtesten Lehrberufe folgen der Kaufmann oder die Kauffrau für Büromanagement. 28.449 junge Menschen haben einen entsprechenden Ausbildungsberuf begonnen. Die Daten der aufgehobenen Ausbildungsberufe Bürokaufmann/-kauffrau, Kaufmann/Kauffrau für Bürokommunikation und Fachangestellter/Fachangestellte für Bürokommunikation wurden dem neuen Beruf Kaufmann/Kauffrau für Büromanagement zugeordnet. Die deutsche Wirtschaft braucht derzeit jedoch ganz andere Fachkräfte: In 96 verschiedenen Berufsbildern herrscht schon seit Jahren ein Mangel an auszubildenden und Fachkräften. Die Kaufleute sind es jedoch nicht, die so händeringend gesucht werden. Die komplette Liste aller Engpass-Berufe  finden Sie hier. Quelle: Fotolia
Eine Verkäuferin präsentiert bunte, unbedruckte T-Shirts des US-amerikanischen Herstellers American Apparel Quelle: dpa/dpaweb
ein Lehrling zum Mechatroniker steht in einem Autohaus mit einer Bremsscheibe neben seinem Ausbildungsmeister Quelle: dpa
zwei Auszubildende zur Industriekauffrau beugen sich über einen Aktenordner Quelle: dpa
Arzthelferin Jennifer Brendle zieht den Impfstoff Pandemrix gegen die Schweinegrippe auf eine Spritze. Quelle: AP

Viele Betriebe suchen händeringend nach Azubis - allerdings geben sie sich keine große Mühe, für die Lehrlinge auch attraktiv zu sein. Viele junge Leute klagen über Überstunden und fehlende Ausbildungspläne wie der Ausbildungsbericht 2015 des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) unter 18.000 Azubis zeigt. Demnach leisten 38 Prozent der Azubis regelmäßig Überstunden. 33 Prozent haben keinen betrieblichen Ausbildungsplan. Jeder zehnte Lehrling muss demnach häufig oder immer ausbildungsfremde Tätigkeiten übernehmen.

Von jenen, die einen Ausbildungsplan haben und auch gut kennen, gab nur gut die Hälfte an, dass dieser auch immer eingehalten werde. Fast 13 Prozent der minderjährigen Azubis beklagen, regelmäßig mehr als die Höchstzahl von 40 Wochenstunden arbeiten zu müssen. Der DGB-Jugendsekretär Florian Haggenmiller forderte: „Diesem klaren Gesetzesverstoß müssten Sanktionen für die Betriebe folgen.“

Was Azubis von ihrer Ausbildung erwarten

Mehr als 71 Prozent sind mit der Ausbildung zwar zufrieden - doch gibt es riesige Unterschiede zwischen den Branchen. Überdurchschnittlich schlecht bewerteten laut dem Report Fachverkäufer im Lebensmittelhandwerk, Köche, Hotelfachleute, Maler, Lackierer sowie Zahnmedizinische Fachangestellte ihre Ausbildung. So gaben fast 59 Prozent der Hotelfachleute und 57 Prozent der Köche an, regelmäßig Überstunden leisten zu müssen.

Die stellvertretende DGB-Chefin Elke Hannack sagte, die Vermutung liege nahe, dass junge Leute diese Berufe bewusst meiden. Besonders zufrieden sind der Umfrage zufolge - wie auch in den Vorgänger- Reports - hingegen Bankkaufleute, Mechatroniker, Zerspanungs- oder Industriemechaniker und Elektroniker mit ihrer Ausbildung.

Die beliebtesten Ausbildungsberufe der Deutschen

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Einen Schwerpunkt legt die Studie auf die Situation der Azubis mit ausländischen Wurzeln. Mehr als jeder Fünfte gab an, in der Ausbildung bereits Diskriminierungen etwa aufgrund der Hautfarbe erfahren zu haben. Bei jedem achten passiere dies regelmäßig. Junge Leute mit Migrationshintergrund haben zudem überdurchschnittlich oft Ausbildungsplätze jenseits ihres Wunschberufs.

Nach Angaben des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) konnten vergangenes Jahr 32 Prozent der Betriebe nicht alle angebotenen Stellen besetzen. Rund 12 000 Unternehmen bekamen demnach gar keine Bewerbungen.

Der Vize-Hauptgeschäftsführer des DHIK, Achim Dercks, stellte heraus: „Der DGB-Report zeigt, dass ein Großteil der befragten Azubis mit der Qualität ihrer Ausbildung zufrieden oder sehr zufrieden ist.“ Gäbe es Konflikte, solle Jugendlichen und Unternehmen verstärkt geholfen werden. Dazu werde nun ein neues, unkompliziertes Beschwerdemanagement erprobt. „Bei besonders groben Verstößen greifen die Industrie- und Handelskammern schon jetzt ein und können die Ausbildungsberechtigung entziehen“, sagte Dercks.

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