Auslands-Aufenthalt Geht Erasmus das Geld aus?

Dem EU-Studentenaustauschprogramm Erasmus geht das Geld aus. Die Mittel werden dem Ansturm der Studenten nicht gerecht - vor allem Deutsche haben bisher profitiert. Während die EU über ihren Haushalt verhandelt, fordern über 100 Prominente in einem offenen Brief, eine ausreichende Finanzierung des Projekts.

Die Universität von Sevilla: Spanien war vergangenes Jahr das beliebteste Ziel deutscher Erasmus. 19,8 Prozent der deutschen Teilnehmer verschlug es im Förderungsjahr 2010/2011 dort hin. Nun gehen dem EU-Studentenaustauschprogramm allmählich die Mittel aus. Quelle: dpa/dpaweb

Es ist ein Aushängeschild der Europäischen Union. Doch nun geht dem erfolgreichen Studentenaustausch-Programm „Erasmus“ das Geld aus. Und das zum 25-jährigen Bestehen. Die bis Ende 2013 vorgesehenen Mittel reichen nicht aus, um das Programm bis dahin weiter zu führen.

Das ist mit ein Grund, warum die EU-Kommission und die Finanzminister der Mitgliedsstaaten heute in Brüssel um den EU-Haushalt ringen. Es geht einerseits um den Haushalt 2013, andererseits um eine ungewöhnlich hohe Mittelaufstockung für dieses Jahr. Der von EU-Haushaltskommissar Janusz Lewandowski beantragte Nachtragshaushalt beträgt neun Milliarden Euro.

„Kein einziger Euro davon geht nach Brüssel“, verteidigte der polnische Kommissar seinen Vorschlag, der noch von den Mitgliedstaaten gebilligt werden muss. Neben dem Erasmus-Programm wird das meiste Geld des Nachtragshaushalts im Kohäsionsfonds benötigt, der ärmere Regionen unterstützt.

Deutschlands Spitzen-Universitäten 2012
RWTH AachenAachen liegt in allen technischen Disziplinen vorne. Das ist auch der Anspruch der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule (RWTH), die als eine der wenigen deutschen Elite-Unis gilt. Mit ihrem Zukunftskonzept „RWTH 2020“ hat sie sich zum Ziel gesetzt, bis zum Ende des Jahrzehnts eine der weltweit besten „integrierten interdisziplinären technischen Hochschulen“ zu werden. Diese Anstrengungen fördert die Bundesregierung mit ihrer Exzellenz-Initiative. Exzellenz bescheinigt die WirtschaftsWoche der RWTH auch in ihrem Uni-Ranking: Sie belegt den ersten Platz in Naturwissenshaften, Elektrotechnik, Wirtschaftsingenieurwesen und Maschinenbau. Bei Informatik steht Aachen auf dem zweiten Platz Quelle: dapd
Uni MannheimJunge Universität, alter Sitz. Erst 1967 wurde die Mannheimer Handelshochschule zur Universität erhoben. Die im Mannheimer Barockschloss heimische Hochschule gehört damit zu den jüngeren deutschen Unis. Aufgrund ihrer wirtschaftswissenschaftlichen Ursprünge, zeigt sich in diesem Bereich auch die Kompetenz der Uni. Im Hochschul-Ranking der WirtschaftsWoche belegt sie in den Fächern VWL und BWL jeweils den ersten Platz. Außerdem ist sie in den Top 10 jeweils in Wirtschaftsinformatik (3), Informatik (8) und Jura (8). Quelle: Bert Bostelmann für WirtschaftsWoche
Karlsruher Institut für Technologie (KIT)Die Uni Karlsruhe war die Informatik-Pionierin unter den deutschen Hochschulen. 1969 etablierte sie als erste deutsche Hochschule einen Informatik-Diplomstudiengang, drei Jahre später entstand in Karlsruhe die erste deutsche Fakultät für Informatik. Nachdem, sie sich 2005 den Zusatz „Forschungsuniversität“ gab fusionierte sie 2009 mit dem Kernforschungszentrum der Helmholtz-Gemeinschaft zum Karlsruher Institut für Technologie (KIT). Die Informatik-Pionierarbeit hat sich gelohnt: Das KIT belegt in dem Fach den ersten Platz im WirtschaftsWoche-Ranking. Bei Elektrotechnik, Maschinenbau und Wirtschaftsingenieurwesen kommt das KIT auf den zweiten Platz, bei Naturwissenschaften auf den dritten. Quelle: dpa
Technische Uni München (TUM)Die Bundesregierung zeichnete die Technische Uni München (TUM) gleich doppelt aus: Einerseits gehörte sie 2007 zu den ersten drei geförderten Hochschulen ihrer Exzellenz-Initiative, andererseits ernannte sie der Bund als Teil seiner Existenzgründer-Initiative „Exist“ zur Gründerhochschule. Denn an der TUM soll nicht nur geforscht, sondern damit auch Geld verdient werden. Dafür hat sie mit der UnternehmerTUM GmbH etwa eine eigene Unternehmensberatung für ihre Studenten gegründet, die auch über einen Förder-Fonds verfügt. Im Fach Wirtschaftsinformatik verleiht die WirtschaftsWoche der TUM den ersten Platz unter der deutschen Hochschulen, bei Naturwissenschaften gibt es den zweiten Platz, bei Elektrotechnik, Maschinenbau und Wirtschaftsinformatik den dritten Platz, sowie bei BWL den zehnten Platz. Quelle: Technische Universität München, Albert Scharger
Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU)Konrad Adenauer, Theodor Heuss und Gustav Heinemann studierten hier schon: Die 1472 gegründete Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) zählt zu den renommiertesten Universitäten Deutschlands. Im internationalen Times-Higher-Education-Ranking wurde sie 2011 als beste deutsche Universität ausgezeichnet, beim Ranking der Shanghaier Jiao-Tong-Universität landet sie in Deutschland auf dem zweiten Platz nach der TU München. Bei der WirstchaftsWoche belegt sie den ersten Platz im Fach Jura, sowie den dritten Platz bei BWL und VWL, sowie den vierten bei Naturwissenschaften. Quelle: Creaitve Commons: CC BY-SA 3.0
Uni KölnDicht hinter Mannheim, liegt in den Wirtschaftswissenschaften die Uni Köln. Bei VWL und BWL belegt sie im WirtschaftsWoche-Ranking den zweiten Platz, bei Jura Platz 3 und bei Wirtschaftsinformatik Platz 5. Genau wie in Mannheim, geht auch die Kölner Uni auf eine Handelshochschule zurück. Gegründet im Jahr 1901, wurde sie 1919 zur Universität umgewandelt. Ihre Vorgänger-Uni wurde 1388 als vierte Universität im deutsch-römischen Kaiserreich gegründet. 1798 wurde sie unter napoleonischer Besetzung geschlossen. Die heutige Universität zu Köln wird ebenfalls von der Exzellenz-Initiative der Bundesregierung gefördert. Quelle: dpa/dpaweb
Technische Uni DarmstadtHoheitlich ist der Sitz des Technischen Uni Darmstadt. Wie in Mannheim, beherbergt auch in Darmstadt ein Residenzschloss die Hochschule. Ihr universitärer Status ist allerdings ganze 30 Jahre jünger als der Mannheimer. Seit 1877 ist sie eine Technische Hochschule, zur Universität wurde sie erst 1997. Getreu ihrem Namen liegen ihre Stärken im technischen Bereich: Beim Wirtschaftsingenieurwesen landet sie im WirtschaftsWoche-Ranking auf dem dritten Platz, bei Informatik, Elektrotechnik und Maschinenbau kommt sie auf den vierten, bei Naturwissenschaften auf Rang 5. Quelle: Bert Bostelmann für WirtschaftsWoche

„Es war absehbar, dass der Engpass kommt“, sagte Lewandowski. Die Kommission gibt den EU-Staaten schon länger die Schuld an den Finanznöten. Wenn die Mitgliedsstaaten die EU direkt besser ausstatten würden, müsste es am Ende keine Nachverhandlungen geben. So hatte die Kommission ursprünglich für dieses Jahr ein Plus von fünf Prozent gefordert. Die Finanzminister haben jedoch nur ein 1,86 Prozent größeres Budget von 129 Milliarden Euro gewährt. Ähnlich sehen die unterschiedlichen Positionen für den kommenden Haushalt 2013 aus.

Erfolgsgeschichte Erasmus

Die beschränkten Mittel gefährden auch die Erfolgsgeschichte Erasmus. In die Haushaltsverhandlungen haben sich daher über 100 europäische Prominente mit einem offenen Brief eingeschaltet. Darin fordern sie eine ausreichende Finanzierung des Studentenprogramms. „Wir hoffen, dass das Erasmus-Budget in den Jahren 2012/2013 ausreichend sein wird, um die Zusagen einzuhalten, die den Studierenden auf Grundlage bereits vereinbarter Verpflichtungen gegeben wurden“, heißt es in dem Schreiben.

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