Avicenna-Studienwerk Erstes staatliches Stipendium für muslimische Studenten

Für evangelische, katholische und jüdische Studenten gibt es das schon längst – jetzt werden auch muslimische Studierende mit einem staatlichen Stipendium gefördert.

Das Bundesbildungsministerium finanziert das Avicenna-Studienwerk mit sieben Millionen Euro. „Wir wollen selbstbewusste Persönlichkeiten und Multiplikatoren unterstützen“, erklärte Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (Mitte).

Rund sieben Millionen Euro hat das Bildungsministerium für die nächsten vier Jahre angesetzt. Zum Wintersemester 2014/15 sollen die ersten 50 Studenten und Doktoranden Geld erhalten. Das neue Avicenna-Studienwerk sieht ein einkommensabhängiges Grundstipendium von bis zu 670 Euro im Monat plus Büchergeld vor. Promovierende bekommen 1.050 Euro.

Das Programm soll leistungsstarke junge Muslime fördern, die sich auch für das Gemeinwohl einsetzen. „Wir wollen selbstbewusste Persönlichkeiten und Multiplikatoren unterstützen“, erklärte Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (CDU). Das Avicenna-Studienwerk ist ein im März 2012 von Wissenschaftlern und Studierenden in Osnabrück gegründeter Verein. Der Vorstand und Direktor des Instituts für Islamische Theologie an der Universität Osnabrück, Bülent Ucar, spricht von einem historischen Schritt. „Die Etablierung eines muslimischen Begabtenförderungswerks ist ein Signal der Anerkennung und ein wichtiger Schritt hin zur Gleichbehandlung." Die Idee dazu hatten die Studenten Matthias Meyer und Beschir Hussain, die beide selbst Stipendiaten der Studienstiftung waren.

Was sich 2013 für Studenten ändert
BafögSchnelles Studieren oder besonders gute Noten haben sich für Bafög-Empfänger bislang doppelt ausgezahlt. Auf Antrag konnte ihnen bis zu 25 Prozent der Rückzahlung erlassen werden. Diese Belohnung für Schnelligkeit und Qualität erhalten Studenten, die nach dem 31.12.2012 ihr Studium abschließen, nicht mehr. Die Regelung wird abgeschafft. Wer vorher abgeschlossen hat, kann aber weiterhin den Antrag auf Teilerlass stellen – nämlich sobald der Rückzahlungsbescheid im Briefkasten landet.    Quelle: AP
MinijobsViele Studenten arbeiten auf 400-Euro-Basis. Diese Verdienstgrenze wird ab Januar 2013 auf 450 Euro angehoben und es besteht eine Rentenversicherungspflicht. Für Bafög-Empfänger ärgerlich, denn für sie gibt es nicht mehr Geld. Die zusätzlichen 50 Euro werden vom Bafög abgezogen, da die Hinzuverdienstgrenze nicht an die Minijob-Gehälter angepasst wurde. Quelle: dpa
KrankenversicherungAnders bei der gesetzlichen Krankenversicherung: Hier wurden die Grenzen an die Erhöhung der Minijob-Gehälter angepasst. Studenten die ab 2013 450 Euro bei ihrem Minijob verdienen und unter 25 Jahren sind, dürfen weiterhin beitragsfrei bei ihren Eltern mitversichert bleiben. 2012 lag die Grenze noch bei 400 Euro. Arbeitet der Student nicht auf Minijob-Basis, liegt die Verdienstgrenze ab 2013 bei 385 Euro pro Monat. Verdient ein Student regelmäßig mehr als die 385 Euro beziehungsweise 450 Euro im Minijob, muss er sich eine eigene Krankenversicherung zulegen. Quelle: dpa
PflegeversicherungWer sich selbst versichern muss, zahlt als Student für die gesetzliche Krankenversicherung weiterhin 64,77 Euro. Die Pflegeversicherung steigt aber leicht an. Kinderlose Studenten ab 23 Jahren zahlen monatlich 13,73 Euro, alle anderen 12,24 Euro. Quelle: Fotolia
ExistenzminimumGestern haben sich die Parteien im Vermittlungsausschuss darauf verständigt, dass der steuerfreie Grundfreibetrag von derzeit 8.004 Euro nächstes Jahr um 126 Euro auf 8.130 Euro angehoben wird. Diese Anhebung des Existenzminimums dürfte vor allem Studenten zugutekommen, die im Laufe des nächsten Jahres abschließen und anfangen zu arbeiten. Der ein oder andere dürfte durch diese Neureglung knapp unter dem Freibetrag bleiben und den Steuern ein letztes Mal entgehen. 2014 soll der Grundfreibetrag sogar auf 8.354 Euro angehoben werden.  Quelle: Fotolia
KfW-StudienkreditAb Sommersemester 2013 können mehr Studenten den Studienkredit der KfW in Anspruch nehmen.  Ab April fördert die Bank auch Zweitstudiengänge, Zusatz-, Aufbau- und Ergänzungsstudiengänge. Selbst wer promoviert kann einen Kredit beantragen. Ebenfalls erhöht die KfW die Altersgrenze für die Kreditnehmer von 34 auf 44 Jahre. Auch Studenten, die beispielsweise berufsbegleitend studieren, können sich ab April freuen. Dann gibt es den KfW-Studienkredit auch für Teilzeitstudenten. Quelle: dpa
DeutschlandstipendiumMaximal ein Prozent der Studenten an einer Hochschule können bislang vom Deutschlandstipendium  profitieren und mit 300 Euro monatlich gefördert werden. Diese Grenze wird ab August 2013 auf 1,5 Prozent erhöht. Mittelfristig soll die maximale Förderquote je Hochschule auf acht Prozent steigen.  Beim Deutschlandstipendium übernimmt der Staat die Hälfte der Förderung. Die restlichen 150 Euro müssen die Hochschulen bei privaten Spendern einsammeln. Quelle: dpa

Der Name Avicenna stammt vom muslimischen Universalgelehrten Ibn Sina (980-1037). Sein herausragendes Werk ist der Kanon der Medizin, der als Lehrbuch auch in Europa bis ins 18. Jahrhundert verwendet wurde. Avicenna gilt als ein Brückenbauer zwischen Ost und West und ist ein Symbol für wissenschaftliche Exzellenz.

Neben überdurchschnittlichen Leistungen zählt bei der Bewerbung auch gesellschaftliches Engagement. Aktuell wird noch am genauen Auswahlverfahren gefeilt. Die Stipendiaten sollen eine Beziehung zum Islam haben, konkrete Fragen zur Glaubensausübung spielen jedoch keine Rolle. Gefördert werden sollen auch Nicht-Muslime, die sich wissenschaftlich mit islamischen Themen auseinandersetzen. 

Neben der finanziellen und materiellen Förderung sollen die Stipendiaten vor allem „ideell“ unterstützt werden. Dazu gehören unter anderem Seminare zum Islam und gesellschaftspolitischen Themen, Unterstützung bei Praktika und Auslandsaufenthalten sowie eine studienbegleitende Förderung durch Wissenschaftler und Experten.

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Das Avicenna-Studienwerk wird von der Stiftung Mercator mit einer Million Euro unterstützt. „Die strukturelle Gleichbehandlung der Muslime in der Begabtenförderung ist ein wichtiges integrationspolitisches Signal und trägt dem Anliegen der Anerkennung des muslimischen Glaubens in Deutschland Rechnung“, betonte der Vorsitzende der Geschäftsführung der Stiftung Mercator, Bernhard Lorentz.

Bundesweit gibt es bislang zwölf Begabtenförderungswerke. 2012 hat der Bund über die Begabtenförderwerke 25.394 Studierende und 4.242 Promovierende mit insgesamt 175,5 Millionen Euro gefördert. Die Förderwerke werden von unterschiedlichen Interessengruppen getragen, die die Pluralität der Gesellschaft abbilden und so möglichst unterschiedliche leistungsbereite Menschen darauf vorbereiten sollen, gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen. Konfessionell geprägt sind das katholische Cusanuswerk, das Evangelische Studienwerk Villigst und das jüdische Ernst Ludwig Ehrlich Studienwerk. An deutschen Hochschulen sind derzeit rund 60.000 Muslime eingeschrieben.

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