Bafög, Stipendium, Job: So scheitert das Studium nicht am Geld
Ein Studium ohne Bafög oder Unterstützung der Eltern zu finanzieren ist schwer, aber schaffbar.
Foto: dpaEin Studium lohnt sich. Akademiker verdienen im Schnitt fast doppelt so viel wie Menschen ohne Hochschulabschluss, das ergab eine Studie des ifo-Instituts. Doch der Weg zum späteren Gehaltsplus führt häufig durch eine finanzielle Talsohle. Während Azubis in ihrer Ausbildung zumindest ein geringes Gehalt beziehen und nach spätestens drei Jahren fit für den ersten richtigen Job sind, brauchen die meisten Studenten für Bachelor und Master fünf Jahre – sofern sie in der Regelstudienzeit bleiben. Und während dieser Zeit verdienen sie nicht nur kein Geld, sondern haben zudem Ausgaben für Semesterbeiträge, Studiengebühren und den eigenen Lebensunterhalt. All das macht Studieren teuer.
So gab 2016 der der deutsche Durchschnittsstudent 819 Euro für Wohnen, Essen und sonstigen Lebensunterhalt aus. Das errechnete die Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks. Die Möglichkeiten, um an das nötige Geld für WG-Zimmer, Mensaessen und den Laptop für die Uni zu kommen, sind vielfältig. Was bei den gängigsten Wegen zu beachten ist:
Eltern
Wenn es nach dem Staat geht, ist klar, woher das nötige Kleingeld kommen soll: von den Eltern. Der Gesetzgeber verpflichtet sie dazu, die erste Ausbildung ihrer Kinder finanziell zu unterstützen. Auf wie viel Geld von ihren Eltern Kinder Anspruch haben, orientiert sich an der Düsseldorfer Tabelle, die als anerkannteste Empfehlung für Unterhaltszahlungen gilt. Diese sieht momentan 735 Euro als Bedarf für Studenten vor, die nicht mehr zu Hause leben. Die Höhe richtet sich dabei nach dem Bruttonettoeinkommen des Unterhaltspflichtigen. Der Rechtsanspruch gegenüber den Eltern lässt sich theoretisch auch einklagen, sollten diese nicht zahlen wollen. Bis darüber entschieden ist, übernimmt dann der Staat ausbleibende Zahlungen. Wer sich mit seinen Eltern jedoch nicht vor Gericht wiederfinden will oder von ihnen nicht genug Geld bekommt, muss dann dazuverdienen.
Hans-Otto Schrader - Kellner und Billardspieler
Hans-Otto Schrader, Vorstandschef des Otto-Konzerns, studierte in Köln und kellnerte nebenbei in einer Kneipe. Dort erhielt er neben einer regionaltypischen Getränkelehre auch eine profunde und praxistaugliche Ausbildung im Billardspiel. Schrader konnte das Erlernte schnell in zusätzliche Erträge ummünzen und spielte fortan Billard gegen Geld. Für jedes gewonnene Spiel gab es 10 Mark, der Verlierer musste zusätzlich eine Runde Kölsch spendieren. Noch heute erinnert ein Billardtisch in Schraders Keller an die Kölner Jugend- und Lehrjahre des Otto-Chefs. Das Spielgerät ersteigerte er übrigens konzernilloyal beim US-Onlineauktionshaus Ebay.
Foto: dpaMichael Fuchs - Holzfäller und Katalog-Einpacker
Michael Fuchs (MdB) ist stellvertretender Vorsitzender der CDU/CSU-Fraktion. Nach seinem Abitur studierte er zunächst in Erlangen, später in Bonn Pharmazie an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn. Finanziert hat sich sein Studium der Unternehmer und Politiker als Holzfäller im Hunsrück und bei Quelle als Katalog-Packer.
Bildquelle: Werner Schüring
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Herbert Hainer - Metzger und Kneipier
Noch bis September ist Herbert Hainer Chef des Sportartikelherstellers Adidas. Vor seiner Zeit als Vorstandsvorsitzender studierte er Betriebswirtschaftslehre an der Fachhochschule in Landshut und arbeitete in familiären Metzgerei mit. Außerdem eröffnete er in seiner Heimatstadt Dingolfing eine Bar, die er nach einem Jahr mit Gewinn verkaufte. Den „Gußofen“ gibt es übrigens heute noch.
Foto: dpaLoretta Würtenberger - Krawattenhändlerin
Loretta Würtenberger ist promovierte Juristin und gehörte zu den bekanntesten Köpfen der New Economy. Sie gründete das Unternehmen webmiles, das sie innerhalb von zwei Jahren zum europäischen Marktführer für Online-Kundenbindungssysteme ausbaute. Mittlerweile gehört das Unternehmen zum Sammeln von Bonusmeilen zu Bertelsmann und Würtenberger hat sich auf Kunstinvestments verlegt. Begonnen hat sie ihre berufliche Laufbahn allerdings ganz anders: Um die Studentenkasse aufzubessern, importierte und handelte sie mit italienischen Krawatten.
Foto: handelsblatt.comMarijn Dekkers - Tennislehrer
Noch- Bayer-Chef Marijn Dekkers studierte in Nijmegen und Eindhoven Chemie und Chemieingenieurwesen. Das finanzierte er sich unter anderem als Tennislehrer in Emmerich.
Foto: dpaHorst Lindhofer - Sänger und Gitarrist
Horst Lindhofer (links) studierte Biologie und gründete nach seiner Promotion die Firma Trion Pharma, die zusammen mit Fresenius Biotech als erste deutsche Biotech-Firma ein Krebsmedikament auf den Markt brachte. Während seiner Schul- und Studienzeit beschäftigte sich Lindhofer außerdem mit Musik und spielte in der Neuen-Deutschen-Welle/Punk-Band United Balls (bekanntester Song „Pogo in Togo“). Dort ist er übrigens immer noch Mitglied und „die Balls“ treten auch noch regelmäßig auf. Anders sein Unternehmen: 2013 musste Lindhofer in München den Insolvenzantrag stellen, 2014 schloss Trion Pharma endgültig die Pforten.
Lindhofer 1982 mit "Pogo in Togo" auf der Bühne. Revival-Auftritt zur Feier des neuen Krebsmittels
Foto: dpaReinhard Clemens - Programmierer
Reinhard Clemens ist seit 2007 CEO der Telekom-Dienstleistungstochter T-Systems. Er studierte Elektrotechnik an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen und arbeitete dort anschließend als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Werkzeugmaschinen. Sein Studium finanzierte er sich, in dem er Software für ein Eheberatungsinstitut schrieb.
Foto: dpaKlaus Peter Gushurst - Orangenpflücker und Tabak-Erntehelfer
Klaus Peter Gushurst war von 2010 bis 2013 Deutschlandchef der Strategieberatung Booz & Company (vormals Booz Allen Hamilton). Nachdem PricewaterhouseCoopers (PwC) den Konkurrenten Booz & Company übernahm, wurde er PwC-Tochter Strategy& Leiter des Bereichs Industries & Innovation. Sein Studium finanzierte der promovierte Volkswirt auf vielfältige Weise: Er arbeitete als Kurierfahrer, verdingte sich als Orangenpflücker in Israel und Tabak-Erntehelfer in Kanada und arbeitete in New York in einer Bank.
Bildquelle: Strategy &
Foto: PresseHans-Werner Sinn - Taxifahrer
Hans-Werner Sinn, Ökonom und bis März Präsident des ifo Instituts, hat an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster und an der Universität Mannheim Volkswirtschaftslehre studiert. Finanziert hat er sein Studium unter anderem durch Taxi fahren.
Foto: dpaJoschka Fischer - Taxifahrer, Aushilfe, Fließbandarbeiter
Auch Joschka Fischer, ehemaliger Außenminister und Grünenpolitiker und heutiger Unternehmensberater und Lobbyist (unter anderem für Siemens, BMW, RWE) fuhr bereits Taxi. Er arbeitete außerdem als Aushilfe in einem Buchladen und bei Opel Rüsselsheim am Fließband. Nur studiert hat er nie.
Foto: REUTERSBAföG
Die klassische Förderung für ein Studium ist das BAföG. Das Bundesausbildungsförderungsgesetz unterstützt junge Menschen bei einer schulischen Ausbildung oder dem Studium. Gefördert wird ein Bachelor- oder ein darauf aufbauendes Masterstudium. Die Höchstförderung beträgt seit Herbst 2016 inklusive Zuschlägen für die Kranken- und Pflegeversicherung 735 Euro. Wie viel Geld Studenten am Ende tatsächlich bekommen, hängt unter anderem vom Einkommen der Eltern und der Anzahl der Geschwister ab, die sich ebenfalls in einer Ausbildung befinden. Wie viel BAföG angehende Studenten erhalten, können sie mit einem BAföG-Rechner abschätzen. Die Werte, die dabei herauskommen sind nicht exakt, bieten aber eine grobe Orientierung.
"Wir empfehlen jedem Studierenden, der nicht von seinen Eltern unterstützt werden kann, einen Bafög-Antrag zu stellen. Vor allem sollte man sich nicht von der Bürokratie abschrecken lassen“, erklärt Susanne Schroeder vom Referat Studienfinanzierung des Deutschen Studentenwerks. BAföG ist vor allem deshalb eine gute Möglichkeit, das Studium zu finanzieren, weil nur die Hälfte der Förderungssumme zurückgezahlt werden muss. Der Rest ist ein zinsloses Darlehen.
Studienkredite
Anders sieht das bei Studienkrediten aus. Diese werden von Banken, häufig der staatlichen Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW), gewährt und müssen komplett inklusive Zinsen zurückgezahlt werden. Anders als bei anderen Kreditformen wir die Darlehnssumme jedoch nicht auf einen Schlag, sondern monatlich ausgezahlt. Die Rückzahlung beginnt dann meist direkt nach Ende des Studiums. Das verursacht Stress. Denn durch die Schulden von mehreren Tausend Euro muss möglichst schnell ein Job her, um die Raten bezahlen zu können. Zwar lassen sich Zahlungen auch aufschieben, der Schuldenberg bleibt dann aber natürlich auch länger bestehen.
Um diesem Druck zu entgehen, versuchen und schaffen Studenten es immer häufiger, ihr Studium ohne einen Kredit zu finanzieren. Die Zahl der abgeschlossenen Verträge ist zwischen 2014 und 2017 um rund ein Drittel von 59.000 auf 41.000 gesunken - trotz steigender Studierendenzahlen. Das geht aus einem Studienkredit-Test des Centrums für Hochschulentwicklung hervor. 3,5 Prozent der Studierenden haben demnach im Juni 2018 einen Studienkredit in Anspruch genommen.
Stipendien
Jeder zwanzigste Student in Deutschland bekommt ein Stipendium. Damit kann ein Teil oder sogar der gesamte Lebensunterhalt finanziert werden. Studenten mit überdurchschnittlichen Leistungen und sozialem Engagement können durch eines der 13 Begabtenförderungswerke unterstützt werden, die auch Zuwendungen vom Bundesbildungsministerium erhalten. Die meisten Stiftungen haben einen religiösen Hintergrund oder sind partei-, gewerkschafts- oder arbeitgebernah. Lediglich die Studienstiftung des deutschen Volkes versteht sich als politisch und konfessionell unabhängig.
Wer kein 1,0-Abitur hat muss den Traum vom Stipendium jedoch nicht gleich beerdigen. Gerade eine Vielzahl kleinerer Stiftungen richtet sich explizit an Studenten, die keine Überflieger sind. Dort sind auch Förderungen aufgrund es Herkunfts- oder Studienortes möglich. Ebenso können besondere Begabungen oder Studienfächer zu einer finanziellen Förderung führen.
Nebenjob
Eine der beliebtesten Möglichkeiten zur Finanzierung oder der Aufbesserung des Bafögs ist nach wie vor der Nebenjob. Gut zwei Drittel aller Studenten verdienen sich neben dem Studium etwas dazu. Gute Möglichkeiten an einen Studentenjob zu kommen sind Schwarze Bretter in der Uni oder spezialisierte Online-Stellenbörsen wie jobmensa.de. Auch persönliche Kontakte oder Facebook-Gruppen können hilfreich sein, um einen Job zu finden, der einen Bezug zum eigenen Studium aufweist.
Mit dem Beginn einer beruflichen Nebentätigkeit, gewinnt jedoch auch das Thema Steuern und Versicherungen an Bedeutung. Insbesondere Bafög-Bezieher sollten hier genau darauf achten, dass sie nicht „zu viel“ verdienen, um keine Kürzungen hinzunehmen, die den Zuverdienst wieder auffressen. „Innerhalb des Bewilligungszeitraums – das sind in der Regel 12 Monate von Oktober bis September – darf man maximal 5400 Euro dazu verdienen“, erklärt Schroeder. „Deshalb ist für BAföG-Empfänger ein 450-Euro-Job sinnvoll, da ein höherer Verdienst anteilig angerechnet werden würde.“
Wer kein Bafög bezieht, muss auch keine Kürzungen fürchten. Deshalb lohnt es sich, auch mehr als 450 Euro zu verdienen. Doch auch hier sollten Studenten genau auf die Art des Beschäftigungsverhältnisses schauen. Am meisten lohnt sich laut Schroeder eine kurzfristige Beschäftigung, da hier keine Beiträge zur Renten- und Arbeitslosenversicherung gezahlt werden müssen. Diese Tätigkeit ist jedoch zur Zeit auf maximal drei Monate oder 70 Arbeitstage im Kalenderjahr begrenzt.
Die nächstbeste Option ist ein Werksstudentenvertrag. Im Gegensatz zur kurzfristigen Beschäftigung müssen hier jedoch Beiträge zur Rentenversicherung gezahlt werden. Dafür darf der Student so viel verdienen wie er möchte – so lang er nicht mehr als 20 Stunden pro Woche arbeitet. Lediglich wenn die Tätigkeit hauptsächlich abends, nachts oder am Wochenende ausgeübt wird, dürfen es mehr als 20 Stunden sein.
Eine Sorge bei Nebenjobs ist unnötig: Dass sich die Arbeit in Kneipe oder im Taxi per se negativ auf die Studienleistungen auswirkt. Häufig ist sogar das Gegenteil der Fall. Aber so schön es auch ist, am Ende des Monats mehr Netto vom Brutto zu haben, einen Nachteil bringen die gesparten Versicherungsbeiträge mit sich: Wer nicht in die Arbeitslosenversicherung einzahlt, erwirbt auch keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld.
Krankenkasse
Und wo Einnahmen, da auch Kosten - für die Krankenkasse zum Beispiel. Studierende unter 25 müssen sich über die Kranken- und Pflegeversicherung in der Regel keine Gedanken machen. Sie sind über ihre Eltern mitversichert, sofern die in einer gesetzlichen Krankenkasse sind. Lediglich wer mehr als 425 Euro im Monat verdient, muss sich selbst versichern.
Einzige Ausnahme ist auch hier eine geringfügig entlohnte Beschäftigung 450-Euro-Basis . Deshalb sollten Studenten genau abwägen, ob es sich lohnt mehr zu verdienen, erklärt Schroeder. Denn wer über die 425-Euro-Grenze hinaus kommt, sollte zumindest so viel verdienen, dass er die etwa 90 Euro, die je nach Krankenkasse für die eigene Versicherung fällig werden, bezahlen kann und dann immer noch ein höheres Einkommen hat. Für BAföG-Empfänger stellt sich diese Frage ohnehin nicht. Sollten sie mehr als 450 verdienen würden, bekämen sie entsprechend weniger Geld vom Staat.