Benimmlehre an Schulen Deutsche wollen Knigge als Pflichtfach

Schüler lernen heutzutage viel, allerdings recht wenig fürs Leben. So zumindest lautet das Ergebnis einer Umfrage. Viele Deutsche wollen, dass Regeln für gutes Benehmen unterrichtet werden.

ein Schüler meldet sich Quelle: dpa

Immer wieder wird diskutiert, was an Schulen vermittelt werden soll: Ist Latein wirklich sinnvoll oder sollten junge Menschen nicht lieber türkisch oder chinesisch lernen? Kunst und Religion - nutzloses Wissen oder Allgemeinbildung? Und wäre Informatik nicht sinnvoller als Geschichte? Wer wissen möchte, was sich hinter "333 - bei Issos Keilerei" verbirgt, kann das ja schließlich googeln. Und der Unterschied zwischen Diktatur und Demokratie ist doch letztlich nur für diejenigen interessant, die in einer Diktatur leben und gerne eine Demokratie hätten. Für deutsche Schüler ist diese Information doch bloßer Ballast. Oder nicht?

Was junge Deutsche über unsere Geschichte zu wissen glauben

Spätestens seit dem Tweet einer 17-jährigen Schülerin Anfang des Jahres, ist das Thema wieder hochgekocht. Die Schülerin Naina hatte sich beschwert, zwar eine Gedichtanalyse in vier Sprachen zu bewerkstelligen, aber keine Ahnung von Versicherungen und Mietverträgen zu haben. Daraufhin kamen die alten Forderungen nach lebensnahen Lerninhalten wieder hoch. Wirtschaft soll vermittelt werden, sagen Wirtschaftsverbände, Programmieren fordern Branchenverbänden wie Bitkom. Und der Verbraucherverband Bundeszentrale (vzbv) wünscht sich, dass Verbraucherbildung auf dem Lehrplan steht. Das Argument des vzbv-Vorstands Klaus Müller klingt einleuchtend: "Nur so lernen Schülerinnen und Schüler frühzeitig, wie sie richtige Entscheidungen treffen und Fallstricke umgehen."

Zusätzlich wäre es dementsprechend natürlich auch sinnvoll, wenn die Schulen vermitteln könnten, wie man gesundheitsbewusst und geldsparend einkauft, ein Hemd bügelt, seine Wohnung aufräumt, ein Auto betankt und sich mit dem Nachbarn verträgt - das ist im Alltag schließlich wichtiger, als endotherme von exothermen Reaktionen unterscheiden zu können. Immerhin gibt es seit vergangenem Jahr bundesweit verpflichtende Erste-Hilfe-Kurse. Das ist doch schon mal etwas.

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Trotzdem: Die Deutschen sind unzufrieden mit dem Inhalt der Lehrpläne. 68 Prozent sagten in einer aktuellen YouGov-Umfrage, dass in der Schule zu viel unnützes Zeug gelehrt würde. Früher war alles besser, so das Credo der Befragten. 54 Prozent stimmten der Aussage „Als ich noch ein Kind war, war die Qualität des Unterrichts besser“ zu, bei den Über-55-Jährigen sind es sogar 65 Prozent. Auf die Frage, was die Kinder denn lernen sollten, fanden aber besonders die älteren Semester eine erstaunliche Antwort: Nicht mehr Mathe, Physik, Chemie oder Wirtschaft soll es sein - nein, Knigge als Pflichtfach ist gewünscht.

Die zehn Knigge-Basics

61 Prozent der Über-55-Jährigen wünschen sich "Benehmen" als Pflichtfach in Schulen, 23 Prozent würden es zumindest als Wahlfach anbieten. Schließlich hat die Jugend schlechte Manieren - und das schon, seitdem es die Jugend gibt. Doch auch insgesamt will jeder Zweite (51 Prozent), dass in der Schule Knigge ein Pflichtfach wird.

Nun könnte man ja meinen, dass es zum Job der Eltern gehört, ihren Kindern beizubringen, mit ihrem Geld umzugehen, auch mal Gemüse statt nur Pommes zu essen und letzteres auch noch mit Messer und Gabel zu tun und dabei nicht zu schmatzen. Aber vielleicht gehört diese Erziehungsaufgabe tatsächlich besser in die Hände von Profis. Schließlich sind sich die Deutschen einig, dass die Menschen immer unhöflicher werden. So gaben in einer anderen YouGov-Umfrage 75 Prozent an, dass es mit den Manieren hierzulande immer weiter bergab geht und dass junge Leute zu wenig Respekt vor älteren Menschen haben.

An der schlechten Qualität des Benimm-Unterrichts kann das jedenfalls nicht liegen.

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