Berufsbildungsbericht Studium hui, Ausbildung pfui

Azubi gesucht: Rund 41.000 Lehrstellen blieben im vergangenen Jahr unbesetzt. Immer weniger junge Menschen wollen eine Lehre machen, sie studieren lieber. Mit Folgen für Wirtschaft und Arbeitsmarkt.

So gewinnen Unternehmen junge Talente
Mitarbeiter fertigen in einer Polsterei in Weidhausen (Bayern) Sitzmöbel. Quelle: dpa
ÜbernahmegarantieEine ähnliche geringe Attraktivität für junge Menschen dürften auf den ersten Blick auch scheinbar altmodische Branchen haben, die einen heftigen Strukturwandel hinter sich haben - beispielsweise die Porzellanbranche. Die Übernahmequote dort sei sehr hoch, wirbt Christoph René Holler, Geschäftsführer des Bundesverbandes Keramische Industrie, um Nachwuchs. „Die Fachkräfte werden gebraucht. Es hat sich herumgesprochen, dass man in der Regel übernommen wird.“ Bislang gelinge es noch, die meisten Ausbildungsplätze zu besetzen, „aber es wird immer schwieriger“, räumt er ein. Deshalb habe man bei den Tarifabschlüssen den Nachwuchs besonders berücksichtigt. Eine Sprecherin des traditionsreichen Porzellanherstellers Rosenthal in Selb sagt: „Durch eine gute Zusammenarbeit mit Schulen und der Agentur für Arbeit gelingt es uns trotz des demografischen Wandels und seiner Auswirkungen in den meisten Fällen, gut geeignete Kandidaten zu finden.“ Alle zum 1. September angebotenen Lehrstellen habe man besetzen können. Quelle: AP
Model Clelia zeigt "Putzpantoffeln" des Herstellers Present Time Quelle: dpa/dpaweb
Segeltörn
Hochseilgarten Quelle: dpa
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Robinson Club Quelle: Blumenbüro Holland/dpa/gms

Die duale Ausbildung verliert bei Schulabgängern in Deutschland gegenüber dem Studium seit Jahren an Boden. Ein neuer Report der Bundesregierung zeigt, dass der Trend weg von der klassischen betrieblichen Lehre ungebrochen ist: Die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen in Deutschland sank voriges Jahr im Vergleich zu 2014 erneut leicht auf gut 522.000. Zugleich blieben viele Lehrstellen unbesetzt - mit rund 41.000 wurde der höchste Stand seit 1996 verzeichnet.

Demgegenüber stehen 20.700 junge Menschen, die einen Ausbildungsplatz gesucht, aber keinen bekommen haben. Denn: Nur jede fünfte Firma in Deutschland bildet noch aus, heißt es in dem Bericht.

Die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) konstatierte am Mittwoch, das Engagement der Betriebe für Ausbildung sei „weiterhin hoch“. Immerhin sei die Zahl der Lehrlinge „trotz deutlich sinkender Schulabgängerzahlen nahezu konstant“. Mit einer dualen Ausbildung hätten junge Menschen weiterhin „sehr gute Chancen“ auf dem Arbeitsmarkt. Sieben von zehn Auszubildenden würden direkt vom Ausbildungsbetrieb übernommen. Die BDA forderte eine umfassende Berufs- und Studienorientierung besonders an den Gymnasien.

Die beliebtesten Ausbildungsberufe der Deutschen

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) erklärte: „Der Trend zum Studium und die sinkende Zahl an Schulabgängern werden für die Fachkräftesicherung der Betriebe zunehmend zum Problem. (...) Wenn heute rund 150.000 junge Leute mehr als vor zehn Jahren ein Studium beginnen und zugleich die Zahl der Lehrstellenbewerber um mehr als 180.000 gesunken ist, dann ist klar, dass viele Betriebe ohne Azubi und immer mehr Ausbildungsplätze unbesetzt bleiben.“

Die Betriebe machten für ihre Ausbildung aktiv Werbung, böten duale Studienplätze und Auslandsaufenthalte an und sähen zunehmend über schulische Schwächen hinweg, wenn Motivation und praktische Eignung stimmen.

Die Bildungsgewerkschaft GEW sieht die Arbeitgeberseite „nach wie vor gefordert, neben einer qualitativ hochwertigen Ausbildung auch klare Beschäftigungs- und Aufstiegsperspektiven für Ausgebildete anzubieten“. Ansgar Klinger, für berufliche Bildung und Weiterbildung verantwortliches Vorstandsmitglied, sagte: „Die Zahlen des Berichts verdeutlichen, dass wir dringend eine Ausbildungsgarantie brauchen.“

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