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Berufseinstieg Warum Absolventen in großen Unternehmen starten sollten

Große Arbeitgeber für Studenten Quelle: Getty Images

In Konzernen lernen Berufseinsteiger mehr und bauen größeres Humankapital auf. Damit legen sie den Grundstein für eine erfolgreichere Karriere, wie eine aktuelle Studie zeigt.

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Machen Absolventen ihre ersten Schritte in den Arbeitsmarkt, wartet eine Zeit voller schwieriger Abwägungen auf sie: Tut man das, was Spaß macht oder das, was man gut kann? Will man am Studienort bleiben oder umziehen? Sucht man eine fachlich spezialisierte Position oder steigt man als generalistischer Trainee ein?

Und als wäre das nicht schon genug Entscheidungsdruck, macht es Jaime Arellano-Bover mit einem aktuellen Forschungspapier noch etwas schwerer, die richtige Wahl zu treffen. Auch die Größe des Unternehmens, bei dem man als erstes arbeitet, habe einen bedeutenden Einfluss für den späteren beruflichen Erfolg, argumentiert der Arbeitsökonom von der Universität Yale

Mehr Gehalt im Großkonzern

Für seine Studie hat Arellano-Bover einen großen Datensatz aus Spanien ausgewertet, in dem er Daten über Einkommen, Bildungshintergrund und Erwerbsbiografie von spanischen Männern aus den Jahren 1984 bis 2015 zusammengeführt hat. Zahlen von Frauen seien in diesem Zeitraum nicht repräsentativ, da sie zumindest am Anfang der Erhebung unregelmäßiger am Arbeitsmarkt aktiv gewesen seien. Insgesamt beobachtet er so die Karriereverläufe von rund 80.000 Arbeitnehmern. 

Diese individuellen Daten bringt er zusammen mit der Größe der Unternehmen, bei denen diese Arbeitnehmer ihren ersten Job angefangen hatten. Sofort wird klar, dass es einen starken Zusammenhang gibt zwischen den Einkommen und der Größe des ersten Arbeitgebers. Nur: Liegt das daran, dass große Firmen einfach klügere oder produktivere Menschen anstellen, die so oder so auf ein höheres Gehaltsniveau kämen? Oder lernen Berufseinsteiger durch die Arbeit im Konzern tatsächlich so viel mehr, dass sie ihr ganzes Leben über mehr verdienen?

Um die Effekte auseinanderzuhalten hat Jaime Arellano-Bover einen Umweg genommen, den er so erklärt: Man stelle sich zwei Absolventen in der spanischen Region Asturien vor, einer startet im Jahr 1992 in den Arbeitsmarkt, einer im Jahr 1993. Im Jahr 1993 eröffnet ein großes Werk des Großkonzerns DuPont in Asturien, das auf Anhieb 1000 Menschen beschäftigt. Es sei wahrscheinlicher, dass derjenige, der 1993 auf den Arbeitsmarkt kommt, dort anfängt, als derjenige, der schon seit 1992 einen Job hat. Da spanische Arbeitnehmer relativ wenig mobil zwischen den Regionen seien, sei es ebenso wahrscheinlicher, dass ein in Asturien geborener Absolvent im Jahr 1993 im großen neuen Werk arbeitet, als ein gleichaltriger Absolvent aus dem benachbarten Galizien. 

Höherer Einstieg auf der Karriereleiter

Abhängig davon, wann und wo ein junger Arbeitnehmer also auf den Arbeitsmarkt kommt, verändert sich die Wahrscheinlichkeit dafür, bei einem großen Unternehmen zu starten. Zusätzlich nutzt Arellano-Bover die Tatsache, dass die Zahl der neuen Ansiedlungen von Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern seit Mitte der 90er-Jahre stark anstieg. Damit kann er mehr Fälle in seinen Daten zu beobachten, die ähnlich funktionieren wie das Beispiel von DuPont. Da diese Beobachtungen mehr oder weniger vom Zufall bestimmt sind, schließt er daraus tatsächlich auf einen kausalen Zusammenhang: Wenn die Größe des ersten Arbeitgebers um zehn Prozent größer wird, wächst das Einkommen über die Lebenszeit um 1,17 Prozent. Und: Dieser Effekt zieht sich über eine lange Zeit und auch über anschließende Arbeitsverhältnisse. 

Für diesen langanhaltenden Einkommensbonus hat der Arbeitsökonom mehrere Erklärungen. Wer bei einem größeren ersten Arbeitgeber startet, wechselt auch danach eher zu größeren Unternehmen. „Mit einem guten ersten Job startet man höher auf der Karriereleiter“, so der Forscher. Meistens klettere man diese Leiter nur hinauf und nicht hinab. Doch selbst bei Arbeitslosigkeit, einem Ereignis, dass die meisten wieder an den Anfang der Leiter stellt, scheint die Vergangenheit bei einem großen Unternehmen noch zu helfen, so Jaime Arellano-Bover. 

In den ersten Jahren lernt man am meisten

Seine Erklärung: Menschen lernen mehr in größeren Organisationen. Ökonomisch gesprochen heißt das, ihr Humankapital ist wertvoller: Ein Jahr Arbeitserfahrung bei einem Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern bringt auf dem Arbeitsmarkt mehr Rendite als ein Jahr bei einem kleineren Unternehmen. 

Doch ist es wirklich so, dass man in kleinen Unternehmen nichts lernt? „Es ist nicht die Größe an sich, die ausschlaggebend ist“, sagt Jaime Arellano-Bover. Größere Unternehmen seien aber häufig produktiver, setzten auf neuere Technologien, hätten oft bessere Führungskräfte und gäben breitere Möglichkeiten zur Weiterbildung. „In den ersten Jahren lernt man am Arbeitsplatz viele neue Fähigkeiten“, sagt der Ökonom. Viele davon seien auch später noch hilfreich - zudem lerne man später im Leben nicht mehr ganz so schnell. 

Einsteigern rät er deshalb, sich möglichst früh zu fragen, bei welcher Art von Unternehmen man sich bewirbt. Bei einer produktiven, lernfähigen, herausfordernden Firma mit klugen Chefs und Kollegen? Oder bei einer unproduktiven Firma mit wenigen veralteten Lernmöglichkeiten und einem ideenlosen Management? „All das sollten junge Menschen beim Berufseinstieg bedenken“, so Arellano-Bover, „Die Unternehmensgröße ist dafür aber ein leicht zu beobachtendes Signal.“

Mehr zum Thema: Woher weiß ich überhaupt, was ich nach dem Studium kann? Soll ich bei einem Startup einsteigen oder doch gleich selbst gründen? Und wie kriege ich meine Finanzen in den Griff? Damit Studierende nicht unvorbereitet vom Hörsaal ins Büro stolpern, helfen Lena Bujak, Mareike Müller und Jan Guldner in unserem Supermaster-Podcast bei der Orientierung.

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