Berufswechsel Wer den Beruf wechselt - und warum

Akademiker kommen nicht auf die Idee, in einem anderen Beruf als dem erlernten zu arbeiten. Und auch die, die eine Ausbildung gemacht haben, bleiben ihrem Lehrberuf treu. Das gilt allerdings nicht für Handwerker.

Ein Auszubildener im Tischlerhandwerk bohrt am 19.08.2014 in Hannover (Niedersachsen) ein Loch in ein Brett. Quelle: dpa

Die Deutschen sind zwar nicht unbedingt ihrem Arbeitgeber, aber immerhin ihrem Beruf treu: Mehr als 40 Prozent der deutschen Fach- und Führungskräfte sind davon überzeugt, dass ihre Hochschulbildung nur einen Berufsweg zulässt. Wer Jura studiert, wird Anwalt und nicht Unternehmensberater. Nur knapp 18 Prozent gehen davon aus, dass es noch viel mehr Berufe gibt, die für sie in Frage kommen. Das ergab eine repräsentative Umfrage des Online-Businessnetzwerks LinkedIn. Doch es sind nicht nur Akademiker, für die ein Berufswechsel offenbar nicht in Frage kommt.

Worauf die Deutschen bei einem neuen Job Wert legen

52 Prozent der 18- bis 24-Jährigen, die eine Ausbildung gemacht haben, arbeiten auch in ihrem erlernten Beruf. Weitere 32 Prozent arbeiten in einem Beruf, der mit der Ausbildung zumindest verwandt ist. Das ist das Ergebnis einer Auswertung des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB). Im Durchschnitt üben nur 16 Prozent eine Tätigkeit aus, die mit dem erlernten Beruf nichts mehr zu tun hat. Die Mehrheit der Berufswechsler sind Hauptschulabsolventinnen und -absolventen. Unter ihnen arbeiten 24 Prozent in einem anderen Beruf, als dem ursprünglich erlernten. Mit einem höheren Schulabschluss liegt die Wechselquote bei etwa 13 Prozent. Auch das Geschlecht scheint eine Rolle zu spielen: Männer wechseln häufiger den erlernten Beruf (ca. 18 Prozent) als Frauen (knapp 13 Prozent).

Allerdings hängt die Wechselwilligkeit auch mit dem Alter zusammen, wie die Analyse zeigt. Wer erst seit Kurzem die Lehre hinter sich hat, bleibt in der Regel auch im gelernten Berufs, was auch mit der Übernahmemöglichkeit durch den Ausbildungsbetrieb zusammenhängt. Wer schon ein paar Jahre in seinem Beruf arbeitet, überlegt es sich da schon eher einmal anders.

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Auch eine Ausbildung im Handwerk führt deutlich häufiger zu einem Berufswechsel als eine Ausbildung in der Industrie (21 Prozent gegenüber elf Prozent). Ein entsprechend hoher Anteil findet sich auch bei Erwerbstätigen, die in Kleinbetrieben ausgebildet wurden (knapp 20 Prozent).

Das mag daran liegen, dass Handwerks- und Kleinbetriebe oft mehr Azubis ausbilden, als sie übernehmen können, wie es in der BIBB-Studie heißt. Und wer keine Chance auf einen Job bekommt, wechselt eher den Beruf als ein Azubi, der übernommen wird. Das BIBB spricht in diesem Zusammenhang von freiwilligen und unfreiwilligen Wechseln.

Wer im erlernten Beruf aufgrund schlechter Beschäftigungschancen keine Stelle findet und dann noch einmal eine neue Ausbildung anfängt oder eine Umschulung macht, wechselt unfreiwillig. Wer einfach nur feststellt, dass die eigenen Interessen anders sind, als bei Ausbildungsbeginn gedacht oder dass es in anderen Berufen mehr zu verdienen gibt, wechselt freiwillig. Im Geldbeutel macht es sich im Übrigen bemerkbar, warum jemand gewechselt hat. So zeigt sich auf Basis einer BIBB-Befragung aus dem Jahr 2006, dass diejenigen, die unfreiwillig wechseln, signifikante Einkommenseinbußen verzeichnen. Es sei denn, ihr neuer Beruf ist zumindest verwandt mit dem, in den sie wechseln.

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