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Bildungskatastrophe Das große Zerstörungswerk der OECD

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Bildungsmonitoring durch nationale Vergleichstests

Mit der „output“-gesteuerten Testkultur konnte die US-Regierung laut Tröhler ein strategisches Ziel erreichen: nämlich den eigenen Bildungsföderalismus zu überlisten. Über die Einführung nationaler Vergleichstests konnte ein Bildungsmonitoring geschaffen werden, das datengestützte Topdown-Verordnungen ermöglichte.

Pisa erachtet er als politisches Instrument derselben hegemonialen Strategie - nun in Händen der OECD: unterschiedlich gewachsenen Bildungssystemen souveräner Staaten eine uniforme Norm und Kontrolle aufzuzwingen.

Was Schüler in der neunten Klasse können sollen

Den Zusammenbruch des europäischen Widerstandes gegen das US-inspirierte Konstrukt Pisa in den 1990er Jahren könnte der Siegeszug eines global agierenden, neoliberalen Kapitalismus nach dem Zusammenbruch des sozialistischen „Ostblocks“. Dadurch gewannen ökonomistische Theorien die Oberhand, die Bildung lediglich als ‚Ressource’ („Humankapital“) bewerten. Der Wert von „Humankapital“ bemisst sich dabei ausschließlich an seinem direkten wirtschaftlichen Nutzen.

Auf der New Yorker Konferenz charakterisierte man diese Neuorientierung von Bildung als „Ontologisierung“ neoliberaler Globalisierungsprozesse. Die OECD hat also quasi eine Seinsform (Ontologie) des Menschen übernommen und auf Schule und Unterricht übertragen, die zur neoliberalen Weltsicht passt. Zur Sicherung dieser Seinsform hat sie die globale Steuerung der Bildung in die Hand beziehungsweise den Staaten aus der Hand genommen.

Nikolas Rose, Soziologieprofessor an der London School of Economics charakterisiert diese utilitaristische Seinweise des „new citizen“ als eine Lebensform, in der „life is to become a continuous economic capitalization of the self.“

In Arbeit
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In den Pisa-Studien und der OECD-Governance ist also keine Bemühung zu sehen, nationale Bildungssysteme zu optimieren, sondern die Absicht, weltweit eine globalisierte, standardisierte Bildungspraxis zu installieren. In dieser werden Menschen auf ihren Wert als „Humankapital“ reduziert und die Nationalstaaten haben sich einem globalen Bildungs-Leviathan unterzuordnen.

Höchst fraglich ist, ob diese Zielsetzung und der Weg dahin wohl mit den Bedingungen von Demokratie, Rechtsstaatlichkeit, Menschenrechten, Völkerrecht und Gemeinwohlförderung vereinbar sind.

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