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Bildungskatastrophe Das große Zerstörungswerk der OECD

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Die Wurzeln im Kalten Krieg

Viele Argumente in diesem Brief gehen auf eine internationale Konferenz von Erziehungswissenschaftlern an der State University of New York zurück, bei der die Rolle der OECD eines der Kernthemen war - insbesondere deren gezielte Einflussnahme auf Bildungssysteme souveräner Staaten durch Pisa. Diesen Zugriff fädelte die OECD in den 1990er ein, als die Organisation mit Ende des Kalten Krieges ihre strategischen Ziele auf die Governance (also überstaatliche Steuerung) der globalen Bildungsentwicklung konzentrierte.

Wie in der Konferenz aufgedeckt wurde, bediente sich die OECD williger Politiker in den entscheidenden Ländern, um ihren Fuß hineinzubekommen. Diese Politiker schufen nationale „Brückeninstitutionen“ für die OECD und andere internationale Organisationen - pikanterweise zumeist unter Umgehung der eigenen nationalen Bildungsforschung.

Deutschlands Profil

Auf diesen völkerrechtlich höchst problematischen Vorgang zielte auch der Schweizer Daniel Tröhler, Professor für Erziehungswissenschaften an der Universität Luxemburg und renommierter Spezialist für historische Bildungsforschung. Tröhler verfolgt die Wurzeln dieser OECD-Strategie bis in die Nachkriegszeit in den USA zurück: Seit dem Sputnikshock 1957 lancierte deren Regierung eigene Notprogramme zur Optimierung ihres larmoyanten Bildungswesens im Sinne eines antikommunistischen Verteidigungsaktes (National Defence Education Act).

Bereits 1958 sei in den USA aus der Armee der Ruf nach Standardisierung, Vergleichsprüfung und Ranking laut geworden – dies gemäß der Vorstellung, ein Bildungswesen könne einem technischen Regelsystem gleich durch Messen des „Outputs“ (Zahlen und Tabellen) qualifiziert und durch Systemmanipulation optimiert werden.

Wesentlichen Einfluss auf diese Vorstellung hatte dabei der prominente Behaviourist Burrhus F. Skinner, der die „programmierte Instruktion“ als Methode der Wahl propagierte: also Lernen als vorwiegend technischen, selbstgesteuerten Vorgang, praktisch ohne Lehrersperson auskommend – eine Theorie, die in der aktuell propagierten Didaktik mit dem „selbstgesteuerten Lernen “ und den Lehrpersonen als „Coachs“ oder „Moderatoren“ eine Neuauflage erlebt.

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