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Bildungsökonomie Vergesst die OECD!

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Hilfe für orientierungslose Bildungspolitiker

Die besten Unis der Welt
Deutsche Hochschulrankings gibt es wie Sand am Meer. Wie der deutsche Universitätsabschluss im internationalem Vergleich abschneidet, zeigt eine Rangliste des Zentrums für weltweite Universitätsrankings (CWUR). Nur zwei deutsche Universitäten können bei der hochrangigen, internationalen Konkurrenz mithalten. Bei der vom CWUR veröffentlichten Studie wird sowohl die Qualität der Ausbildung und Schulung der Studenten, als auch das Prestige der Fakultätsmitglieder und die Qualität ihrer Forschungsarbeit ermittelt – ohne sich dabei auf Befragungen und Datenübermittlungen der Universitäten zu verlassen. Quelle: dpa
Das CWUR bewertet dazu sieben Indikatoren: die Qualität der Fakultätsmitarbeiter, die Veröffentlichungen, den Einfluss der Veröffentlichungen, die Anzahl der zitierten Forschungsarbeiten, die Anzahl der Patente, der Beschäftigungsstatus der ehemaligen Studenten und die Qualität der Ausbildung. Daraus ergeben sich am Ende die Länder mit den weltbesten Hochschuleinrichtungen. Quelle: dpa
Platz 19: Dänemark, Finnland, Italien, Niederlande, Norwegen, Russland, Schottland, Singapur, Südkorea, SchwedenNur 19 Länder haben es überhaupt mit einer Universität oder mehr in das Ranking der CWUR geschafft. Mit jeweils einer Hochschule sind insgesamt zehn Länder vertreten. Am besten platziert sich dabei Südkorea mit der Seoul National University (Platz 40), am schlechtesten Finnland mit der Universität von Helsinki (Platz 98). Quelle: dpa
Platz 9: DeutschlandDeutschland landet im internationalem Vergleich auf Platz 9. Trotzdem können sich die Hochschulen nicht mit einem der vorderen Ränge schmücken. Zwei deutsche Unis schaffen es aber immerhin unter die Top 100. Quelle: dpa
Beste deutsche Universität: Universität München Am besten platziert ist dabei die LMU München. Sie gilt als die zweitgrößte Universität Deutschlands. Mit 18 Fakultäten und rund 150 Studiengängen kann die Hochschule eine beeindruckende Bilanz vorweisen. 700 Professoren und 3600 wissenschaftliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter stehen den Studenten während ihres Studiums zur Verfügung. Die Universität landet auf Platz 67. Die zweite deutsche Hochschule in den Top 100 ist die Universität in Heidelberg, die auf Platz 79 rangiert. Quelle: dpa
Platz 9: AustralienAuch von den australischen Hochschulen haben es zwei unter das Top-100-Ranking geschafft. Das Bachelor-Studium dauert in Down Under je nach Schwerpunkt, Universität oder Studienfach drei bis fünf Jahre. Jährlich kommen rund 200.000 internationale Studenten aus aller Welt nach Australien, um an den dortigen Hochschulen zu studieren. Quelle: dpa
Gebäude der Universität Sydney Quelle: dpa

Es liegt auch auf der Hand, dass das deutsche Bildungssystem vor dem PISA-Schock und dem Bologna-Reformwahn nicht so katastrophal schlecht gewesen sein kann. Schließlich manövrieren diejenigen, die es durchlaufen haben, derzeit recht erfolgreich deutsche Unternehmen durch die internationale Krise und erwirtschaften die Rettungsmilliarden für manch eine Volkswirtschaft, deren höheren Akademikerquoten wir nach Ansicht der OECD hinterherhinken.

Doch das Offensichtliche genügt orientierungslos gewordenen Bildungspolitikern immer weniger als Handlungsgrundlage. Sie verlangen zunehmend nach scheinbar handfesten Kriterien, also zählbaren Belegen für die Richtigkeit politischer Entscheidungen. So ist der OECD-Bericht als "Orientierungshilfe" auch beim BMBF willkommen. Die exakten Zahlenwerke, die die OECD und ähnliche Organisationen liefern, ändern aber nichts daran, dass man tatsächlichen Bildungserfolg nicht wirklich messen kann.

Eine gute, verantwortungsvolle Bildungs- und Wissenschaftspolitik würde sich dadurch auszeichnen, dass sie den Zahlenwüsten der OECD und den unablässigen Reformimpulsen der „empirischen Bildungsforschung“ sehr viel weniger Aufmerksamkeit widmete, und der unmessbaren Qualität der Bildungsgänge dafür umso mehr.

Dass das passiert, ist nach den Erfahrungen der vergangenen Jahre leider höchst unwahrscheinlich. Der "Qualitätspakt Lehre", den Johanna Wankas Bildungsministerium heute auf einer eigens eingerichteten Programmkonferenz feiert, ist mit seinen 3.000 neu geschaffenen Stellen grundsätzlich zu begrüßen. Doch die Quantität der Dozenten allein ist eben gerade kein Garant für Qualität, wenn gleichzeitig die Prüfungsanforderungen für Abiturienten still und heimlich herabgesetzt werden. Aus Studenten, die nicht studierfähig von den Schulen kommen, machen auch neue Studienmodelle und Lehrformen keine Geistesgrößen.

Wenn von Qualität die Rede ist, führen meist "empirische Bildungsforscher" des "Instituts für Qualitätsentwicklung im Bildungswesen" das Wort, die am Qualitätsverfall und der Inflationierung des Abiturs selbst großen Anteil haben. Deren Fetisch, nämlich die in den meisten Lehrplänen fixierte so genannte Kompetenz-Orientierung, ist die Grundlage dafür, dass die Anforderungen an Schüler stetig nach unten und damit die Zahl der Abiturienten nach oben reguliert wurden. "Kompetenz" bedeutet im Zweifelsfall die Fähigkeit des Schülers, in der Aufgabenstellung die verschlüsselt enthaltene Antwort zu finden. Im Geschichtsabitur in Nordrhein-Westfalen zum Beispiel gibt es schon Punkte für das Abschreiben einer Jahreszahl.

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Der Lackmustest für die Qualität des Abiturs wird die Umsetzung der Beschlüsse der Kultusministerkonferenz zur Einführung einer bundesweit gültigen Aufgabensammlung für die Prüfungen sein. Diese Standardisierung wäre eigentlich grundsätzlich zu begrüßen. Aber die Erfahrung lehrt, dass sich die KMK bei der Reform des Abiturs meist auf Kompromisse einigte, die allgemeine Qualitätseinbußen bedeuteten. Es ist also zu befürchten, dass das Abitur zwar einheitlicher, aber unterm Strich noch leichter werden wird.

In Hamburg und Bremen werden vermutlich nicht weniger Schüler Abi machen, sondern in Bayern und Sachsen-Anhalt mehr. Das vernünftige Ziel des Deutschen Philologenverbands - eine Angleichung der Standards nach oben - ließe sich nur erreichen, wenn sich die KMK zumindest auf stichprobenartige Überprüfungen der Einhaltung der Standards in allen Ländern einigen könnte. Das ist wünschenswert, aber unwahrscheinlich, weil es bedeutete, dass manche Länder eine niedrigere Abiturquote akzeptieren müssten. Für die OECD-gläubigen Kultusminister der Gegenwart eine undenkbare Zumutung.

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