WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Bildungssoziologe Steffen Schindler Schüler wollen nur den Status der Eltern halten

Seite 2/2

Wird die Hochschule zum Merkmal sozialer Unterschiede?

Tragen denn Lehrer oder andere außerfamiliäre Einflüsse zu der sozialen Ungleichheit bei?

Lehrerempfehlungen beruhen vor allem auf den schulischen Leistungen der Kinder. Aber es hat sich gezeigt, dass sie sich teilweise auch an der sozialen Herkunft ihrer Schüler orientieren. Bei zwei Kindern, die etwa gleich leistungsstark sind und auf der Kippe stehen, kann es sein, dass die Empfehlungen dennoch abweichen. Zum Beispiel, wenn erwartet wird, dass das Kind der Akademiker eher im Gymnasium klarkommt als das der Arbeiter. Lehrerempfehlungen können also ein wenig zur sozialen Ungleichheit beitragen.

Also doch Diskriminierung?

Nein, eine gezielte Diskriminierung würde ich nicht unterstellen. Die Lehrer versuchen vorherzusehen, wie gut die Schüler zurechtkommen werden.

Vorbilder der Studenten: Vater, Mutter und Angela Merkel
Was den Studenten persönlich besonders wichtig ist73 Prozent der Befragten gaben an, dass Familie für sie an erster Stelle steht - gefolgt von Freunden und einem hohen Lebensstandard. Freizeit und Sport halten 17 Prozent für besonders wichtig. Der berufliche Erfolg hat nur bei 15 Prozent einen hohen Stellenwert. Damit blieben soziale Faktoren weiterhin deutlich wichtiger als Karriere und Geld. Quelle: Fotolia
Studentendemo Quelle: dpa/dpaweb
Foto junger Mann zeigt Daumen hoch Quelle: Fotolia
Foto Eltern im Kreis, Ansicht von unten Quelle: Fotolia
Foto von Angela Merkel Quelle: AP
Junger Mann mit fragendem Gesicht Quelle: Fotolia
Handschlag zwischen Chef und seinem neuen Angestellten Quelle: Fotolia

Wenn über die Hälfte eines Schülerjahrgangs Abitur macht und die meisten davon ein Studium aufnehmen, dann sinkt doch auch der soziale Wert des Abiturs und des Studiums. Ein Student gehört heute nicht mehr zu einer kleinen intellektuellen Elite, sondern ist einer von Millionen.  Einfach nur zu studieren bedeutet für Kinder von Akademikern unter diesen Umständen nicht unbedingt Statuserhalt. Da muss es doch mehr sein, oder?

Stimmt. Obwohl es noch keine richtigen Analysen dazu gibt, gehen wir davon aus, dass solche Eltern versuchen, ihre Kinder in ganz bestimmten Schulen, zum Beispiel Privatschulen unterzubringen. Wir wissen auch von bestimmten akademischen Berufen, Anwälten und Ärzten zum Beispiel, dass Kinder oft in die Fußstapfen ihrer Eltern treten. Die Studentenzahlen in den entsprechenden Studienfächern expandieren auch bei weitem nicht so stark wie andere.

Werden die Art und der Ruf der Hochschule zu einem Merkmal sozialer Unterscheidung?

Arbeiterkinder gehen, wenn sie studieren, tendenziell eher auf eine Fachhochschule als Akademikerkinder. In anderen Ländern, vor allem den englischsprachigen, ist das Prestige der Hochschule sehr wichtig. In Deutschland spielt das bislang kaum eine Rolle. Wir haben zum Beispiel keine klaren Effekte durch die Einführung der Hochschulrankings gefunden.

In Arbeit
Bitte entschuldigen Sie. Dieses Element gibt es nicht mehr.

Wer an der Ludwig-Maximilians-Universität München studiert hat, kann sich also nicht unbedingt als demjenigen überlegen fühlen, der an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf studiert hat?

Wenn überhaupt, dann betrifft das bestimmte Fachbereiche innerhalb der Hochschulen. Traditionell sind solche Hierarchien in Deutschland aber nicht stark ausgeprägt. Die aktuellen Rankings oder die Exzellenzinitiative sind Versuche, so etwas zu etablieren. Ein genaues Bild haben wir da allerdings noch nicht.  

Ist der Elterneinfluss auf die Bildungsentscheidungen junger Menschen generell stärker geworden? Manche Professoren klagen über unselbständige Studenten, deren Eltern zu Ihnen in die Sprechstunde kommen.

Erforscht ist das meines Wissens noch nicht. Ich kenne das Phänomen auch nur aus Anekdoten. Einschlägige Erfahrungen mit Eltern meiner Studenten habe ich selbst noch nicht gemacht.

Jetzt auf wiwo.de

Sie wollen wissen, was die Wirtschaft bewegt? Hier geht es direkt zu den aktuellsten Beiträgen der WirtschaftsWoche.
Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
Zur Startseite
Diesen Artikel teilen:
  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%