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Business School „Die Management-Ausbildung ist zu engstirnig“

Die Ausbildung an der Business School wird so engstirnig betrachtet wie der Impressionismus früher, findet Volker Rundshagen von der Hochschule Stralsund. Quelle: Getty Images

Was können Business Schools von Impressionisten lernen? So einiges, findet Volker Rundshagen von der Hochschule Stralsund. Ein Gespräch über einseitige Lehren, zu wenig Internationalisierung und Visionäre.

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Business Schools müssen ihre Struktur und Lehrweise überdenken, sonst verlieren sie an Ansehen und Legitimität, glaubt Volker Rundshagen, Professor für Management mit Schwerpunkt Tourismusmanagement an der Hochschule Stralsund. Orientieren sollten sie sich dabei an den Impressionisten, die der Malerei in der zweiten Hälften des 19. Jahrhunderts eine neue Richtung gaben. Für sein Forschungspapier zu diesem Thema wurde Rundshagen unlängst von der Gesellschaft European Academy of Management ausgezeichnet, die die akademische Disziplin des Managements fördert.

Herr Rundshagen, was ist momentan das größte Problem der Business Schools?
Volker Rundshagen: Unter anderem die Finanzkrise hat zur Kritik an der Managementausbildung geführt. Es wird argumentiert, dass Business Schools in der Ausrichtung ihrer Lehre zu sehr vom ökonomischen Paradigma der Gewinnmaximierung geprägt sind. Die Managementausbildung ist zu engstirnig geworden. Um aus dieser Sackgasse herauszukommen, brauchen wir einen anderen Zugang.

Inwieweit können da die Impressionisten weiterhelfen?
Die Impressionisten waren von einer visionären Hingabe getrieben. Bei der damals in Paris dominierenden, klassisch orientierten Kunstakademie stießen sie auf Unverständnis mit ihren neuen Ideen. Gegen diese Widerstände haben sie dennoch weitergemacht, haben sich zusammengefunden und einfach eine eigene Ausstellung auf die Beine gestellt.

Inwiefern passt das nun zu den Business Schools?
So ähnlich engstirnig wie damals die Kunst betrachtet wurde, wird auch heute die Business-Ausbildung gesehen. Nur sind die Mechanismen anders.

Warum?
Die Business Schools werden vor allem von den Akkreditierungen und Rankings beeinflusst. Daran wird festgelegt, welche Kurse oder Module das Studium beinhaltet, wie es aufgebaut ist. Wenn man nun etwas anderes probieren wollen würde, würde es am Widerstand scheitern, denn es wäre nicht akkreditierungsfähig. Alle machen das Gleiche, und vor allem, wenn man in Rankings relativ weit oben platziert sein will, muss man im Mainstream mitziehen.

Und zudem sind viele MBA-Programme an denen aus den USA angelehnt.
Genau. Das unterstützt die einseitige Lehre und ist problematisch. Bei den Impressionisten bedeutete Internationalisierung mit verschiedenen Menschen und Kulturen zusammenzukommen. Es wurde nichts kopiert, sondern verschiedene Ansätze aufgegriffen, in die eigenen Ideen eingearbeitet und weiterentwickelt.

Worin waren die Impressionisten noch vorbildlich?
Zum Beispiel durch den Einbezug der Wissenschaft beziehungsweise wissenschaftliche Innovationen. Im größeren Kontext der Managementausbildung werden sehr wenige wissenschaftliche Erkenntnisse erzeugt, die das Management inspirieren. Das steht im Gegensatz zu fast allen anderen Wissenschaften.

Inwiefern?
Zum Beispiel in den Naturwissenschaften. Deren neue Erkenntnisse werden später in der Medizin oder in der Architektur angewendet.

Und das ist bei Business Schools anders?
Ja, denn hier ist es meist umgekehrt. Wir beobachten, was passiert in der Wirtschaftswelt, in den Unternehmen und Märkten und analysieren das. Eigentlich müsste es andersherum sein, sodass die akademische Welt die Wirtschaft inspiriert. Das findet zu wenig statt. Ein Problem ist auch, dass tendenziell zu engstirnig, weil publikationsorientiert geforscht wird und zu wenig versucht wird von anderen Wissenschaften zu lernen, wie der Biologie oder Psychologie.

Und darin waren die Impressionisten besser?
Genau, denn sie haben für ihre Kunst neue bahnbrechende Erkenntnisse genutzt.

Welche zum Beispiel?
Eine neue Farbtheorie mitsamt der Erkenntnis, dass wir Farben im Gehirn anders wahrnehmen, wenn verschiedene nebeneinander platziert sind.

Gibt es denn gar keine Möglichkeit diesen Teufelskreis zu durchbrechen?
Man bräuchte wie bei den Impressionisten ein paar Visionäre, die es ein bisschen anders machen. Eine Business School alleine wird es nicht schaffen, aber wenn vielleicht zwanzig mit weitergehenden Werten vorangehen, könnte das eine Veränderung hervorbringen.

Darauf kann man sich aber nicht unbedingt verlassen.
Nein, aber ich sehe eine gewisse Hoffnung durch die neue Studierendengeneration. Es gibt Erkenntnisse, dass sie anders gestrickt ist. Selbst an den Business Schools geht es nicht mehr nur darum, die Karriereleiter zu erklimmen, die Ziele sind vielseitiger. Die jungen Leute wollen mehr reisen, ihre eigenen Ideen einbringen und sich nicht mehr in klassische Hierarchien einordnen. Wenn die Nachfrageseite in eine andere Richtung steuert, ändert sich vielleicht etwas.

Eine andere Nachfrage führt zu einem anderen Angebot?
Das war interessanterweise auch bei den Impressionisten so. Durch die ersten Ausstellungen erfuhren ihre Gemälde mehr Öffentlichkeit, ein paar Händler förderten zudem die Kunst und schließlich erzielten sie Verkaufserlöse.

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