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Business Schools MBA zwischen Reform und Marketing-Geplänkel

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Mehr Geisteswissenschaft für die Ökonomen

Telekom-Manager Thomas Sattelberger fordert mehr wirkliche Verbesserung für die MBA-Ausbildungen. Er sagte bereits 2010 die meisten Verbesserungen seien reine Marketing-Gags. Quelle: dpa/ picture-alliance

Kritiker fordern aber mehr. Die Ausbildung dürfe nicht nur Ökonomie lehren, sondern müsse auch Kompetenz in den Bereichen Geschichte, Psychologie, Soziologie und Philosophie vermitteln, fordert Birger Priggat. Statt Wirtschaftsethik müsse Wohlfahrtstheorie, also „echte, alte Volkswirtschaftslehre“ auf dem Programm stehen.

Gute, umsichtige Manager, so der Ökonom, haben sich ebenso mit Wirtschaft, wie auch mit Soziologie, Klima, Bevölkerung, Gesellschafts- und Energiethemen auseinandergesetzt. „Wenn Manager dies in der Ausbildung lernen, dann braucht man keine Wirtschaftsethik“, so Priggat. Ein umsichtiger Manager mit einem großen Horizont, der sich in vielen Themenfeldern weitergebildet hat, ist sein Idealbild des MBA-Absolventen.

Deutsche Business Schools sehen keinen Grund für Änderungen

Einige deutsche Business Schools halten ihre bisherigen Maßnahmen, die sie schon vor der Finanzkrise im Studienplan hatten, für genügend und sehen in der Finanzkrise keinen Grund zu Änderungen der Managerausbildung. „Wir gehen davon aus, dass unser Programm so ausreicht. Ethische Themen ziehen sich bei uns durch alle Kurse“, sagt etwa Marion Festing, akademische Dekanin des Executive MBA-Programms an der ESCP Europe Wirtschaftshochschule Berlin. Sie sagt an der ESCP könne man dem Thema als MBA-Student nicht entgehen. Zwar gehören die entsprechenden Kurse zur Nachhaltigkeit in den Wahlbereich, den man belegen kann oder auch nicht. „Doch wir wollen in allen Kursen das Thema einbringen“, so Festing.

Wo Manager ihre Top-Ausbildung erhalten
Anderson School of Management (UCLA)Gründungsjahr: 1935. Studenten: ca. 1750. Gebühren MBA: 69.400 Euro. Entstanden in Zeiten der großen wirtschaftlichen Depression konnte die "UCLA" -unter diesem Akronym ist die Eliteschule weltweit bekannt - 2010 ihr 75-jähriges Bestehen feiern. Die kalifornische Business School zieht vor allem Studenten an, die ihren Schwerpunkt im High-Tech-Bereich setzen. Der Nähe zu Hollywood geschuldet, besitzt die Schule ein eigenes Entertainment und Media Management Institut. Als staatliche Schule bietet die UCLA ihr MBA-Programm vergleichsweise günstig an - neben den nahe gelegenen Stränden von Malibu und Santa Monica ein weiterer Grund für viele Ausländer dort zu lernen. Zu den Absolventen gehört auch Larry Fink. Forbes zählt den Blackrock-CEO zu den hundert mächtigsten Menschen weltweit. Das Handelsblatt hat anhand der wichtigsten internationalen Ranglisten herausgearbeitet, wo sich das MBA-Studium lohnt. Die Reihenfolge der vorgestellten Business Schools stellt allerdings kein Ranking dar. Quelle: UCLA
Booth School of Business (Chicago)Gründungsjahr: 1898. Studenten: ca. 3500. Gebühren MBA: 73.600 Euro Als eine der ältesten Business Schools der USA hat die Managementschule eine stolze Tradition: Keine andere Business School hat so viele Nobelpreisträger unter ihren Dozenten. Ihren neuesten Coup landete die Booth School vor kurzem, als sie Ex-Bundesbank-Chef Axel Weber als Hochschullehrer verpflichtete. Das Weber ausgerechnet nach Chicago ging, kommt nicht von ungefähr: Neben Wharton gilt die Booth School als Mekka für Finance-Experten. Auch Commerzbank- Chef Martin Blessing gehört zu den Absolventen. Das Einzige, das in Chicago keine Tradition besitzt, ist der Name der Schule, „Booth“. Alumnus David Booth spendete der Schule vor drei Jahren 300 Millionen US-Dollar. Die Schule verewigte ihn daraufhin in ihrem Namen. Quelle: Creative Commons Lizenz
Columbia Business SchoolGründungsjahr: 1916. Studenten: ca. 1500. Gebühren MBA: 79.900 Euro Einen Steinwurf von der Wall Street, dem Finanz- und Wirtschaftszentrum der USA in New York, entfernt bildet die Columbia Business School die künftige Finanzelite aus. Anleger-Ikone Warren Buffett ist einer der bekanntesten Absolventen der Hochschule. Auch das Lehrangebot kann sich sehen lassen: Nobelpreisträger wie Joseph Stiglitz und Edmund Phelps unterrichten hier. Im zweiten Jahr können die Teilnehmer aus mehr als 100 Wahlpflichtkursen wählen. Quelle: Columbia Business School
Darden School of Business (Virginia)Gründungsjahr: 1954. Studenten: ca. 20.550 Gebühren MBA: 72.200 Euro Darden spielt zwar nicht ganz in der absoluten Topliga wie Harvard oder Wharton, dennoch darf die Business School aus Virginia in der Liste der besten Schulen nicht fehlen. Dass die historischen Bauten der Universitätsstadt Charlottesville von außen einen eher beschaulichen Eindruck machen, darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass Darden hochmodern ausgestattet ist. Im Gegensatz zu den meisten Konkurrenten besitzt Darden keinen Finance- oder High-Tech- Schwerpunkt, bietet dafür eine breit angelegte Management-Ausbildung, die Karrieren in vielen Branchen ermöglicht. Ihren Namen hat die Schule von Colgate Whitehead Darden, Jr., einem ehemaligen demokratischen Kongressabgeordneten und Gouverneur des Bundesstaates Virginia. Quelle: Creative Commons http://creativecommons.org/licenses/by/2.0/deed
Fuqua School of Business (Duke)Gründungsjahr: 1970. Studenten: ca. 1340 Gebühren. MBA: 70.800 Euro Fuqua ist der Newcomer unter den führenden amerikanischen Business Schools. In rasantem Tempo hat sich die junge Hochschule zu einer globalen Managementschule gemausert. Der neue Ansatz heißt Standorte auf der ganzen Welt. MBA-Studenten können wählen, ob sie außer in North Carolina in London, Dubai, NeuDelhi, St. Petersburg oder Schanghai studieren wollen. Sie haben außerdem die Wahl zwischen einem Dutzend Spezialisierungen, darunter Energie und Umwelt sowie soziales Unternehmertum. Obwohl sie recht jung ist, kann die Schule eine Reihe erfolgreicher Alumni vorweisen: 1988 machte der neue Apple-Boss Tim Cooks hier seinen MBA, ein Jahr zuvor schloss Melinda Gates ihr Studium in North Carolina ab. Quelle: Fuqua
Haas School of Business (Berkeley)Gründungsjahr: 1898. Studenten: ca. 2340. Gebühren MBA: 70.823 Euro Durch ihre engen Kontakte zu den Technologieunternehmen im Silicon Valley zieht die Haas School kreativen Nachwuchs aus aller Welt an. Der Fokus auf Erfindungsreichtum zeigt sich auch im Curriculum: Schulleiter Richard Lyons setzt auf ein Konzept, das besonders innovative Führungskräfte hervorbringen soll und hat den Lehrplan um mehrere neue Kurse ergänzt. Wer einen der MBA-Plätze bekommt, steht in einer Reihe mit Absolventen wie Intel-Chef Paul Otellini. Quelle: Haas School of Business
Harvard Business SchoolGründungsjahr: 1908. Studenten: ca. 1900. Gebühren MBA: 77.700 Euro. Sie ist der Inbegriff der Managerausbildung weltweit: Die Bostoner Elitehochschule ist mit ihrer Fallstudien-Pädagogik das Vorbild schlechthin. Gut 350 praxisnahe Fallstudien entwickeln die Dozenten jedes Jahr, 80 Prozent der Fälle die weltweit gelöst werden, stammen nach eigenen Angaben aus Harvard. Auch wenn der Ruf ungebrochen ist - den Titel als beste Business School der Welt können die Amerikaner nicht mehr beanspruchen. In den maßgeblichen Rankings sind Konkurrenten vorbeigezogen. Die Absolventenliste liest sich wie das Who is Who Amerikas, der Fokus liegt auch auf den USA: Ex-Präsident Georg W. Bush jun., Ex-Finanzminister Henry Paulson und New Yorks Bürgermeister Michael Bloomberg sind nur drei Namen. Quelle: Pressebild

Auch Wüstemann sieht das Mannheimer MBA-Programm in einem anderen Licht als die Ausbildungskonzepte, denen die Kritik infolge der Finanzkrise galt: „Es ist natürlich nicht von der Hand zu weisen, dass einige Business Schools im angelsächsischen Raum ihr Ausbildungskonzept überdenken mussten. Wir waren mit unseren Programmen von Beginn an anders aufgestellt, indem wir Führungskräfte für alle Branchen und Unternehmensgrößen ausbilden.“ Wüstemann ist überzeugt: „Wenn man die Vergangenheit als Maßstab nimmt, können wir mit Fug und Recht behaupten, dass unser Konzept sehr krisensicher ist.“

Vielleicht ist das auch der realistischere Weg. Die Ausbildung insgesamt muss verantwortungsvolle Manager ausbilden, die über das Quartalsergebnis hinaus denken. Doch das erreicht man nicht mit einer Wochenstunde Unterricht in Moral. So bleibt für manche MBA-Ausbildung wohl nur, was Telekom-Manager Thomas Sattelberger schon im vergangenen Jahr in einem Interview mit der WirtschaftsWoche kritisierte. „Weder ein Eid noch an das Curriculum angedockte Ethikkurse ändern die Realität. Es sind bloße Marketing-Gags, die schon 2002 nach dem Platzen der Dotcom-Blase und der Enron-Pleite medial vermarktet wurden“, sagte Sattelberger. „Was hat es gebracht? Nichts. Wir sind mit gleicher Ideologie auf die nächste Krise zugesteuert“.

Es bleibt also der Zuruf an die Business Schools: Bildet Menschen aus, die wirtschaften können, und nicht Manager, die hinter dem Profit, den Zahlen und den Plänen die Gesellschaft vergessen.

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