WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Business Schools MBA zwischen Reform und Marketing-Geplänkel

Seite 2/4

"Moralisches Geplänkel am Rande"

Die Mannheim Business School betreut jährlich rund 400 Studenten in ihren Ausbildungsgängen. Zum Lehrplan der MBAs gehört unter anderem ein Sozialprojekt, das die Teilnehmer persönlich weiterbringen soll. Quelle: Mannheim Business School

Auch einige deutsche Business Schools haben ihre Lehrpläne um Ethikkurse erweitert oder sogar ganze „Corporate Responsibility Centre“ geschaffen. So gründete beispielsweise die WHU in Vallendar bei Koblenz Ende September ein „Center for Responsible Leadership“. Der Leiter des neuen Centers, Jürgen Weigand, betont zwar, dass die Planungen dazu schon vor der Finanzkrise begannen, dieses aber trotz allem genau die richtige Antwort auf die Krise und die Kritik sei. „Es geht darum, dass Menschen erkennen, was ihre Werte sind und wie sie diese richtig einsetzen“, sagt Weigand. „Früher war die Persönlichkeitsförderung optional, heute ist sie bei uns verpflichtend“.

„Dekorative Teilaspekte“ nennt allerdings Birger Priggat solche Entwicklungen. Der Ökonom spricht von einer „grausamen Mode“, hinter der nicht allzu viel Wirkung stecke. Ethik sei hier zwar integriert, aber noch immer nicht gut gewichtet. „Man ist heute aufmerksamer geworden und neue Themen werden integriert, aber es tut sich einfach noch nicht genug“, so Priggat. Die Perspektive bleibe noch immer allzu sehr eine ökonomische mit „moralischem Geplänkel am Rande“.

Die besten MBA-Programme im Bereich Ethik
Platz 10: Haas School of Business (UC Berkeley)„Beyond Grey Pinstripes“, eine Initiative des „Aspen Institute Center for Business Education“ bewertete die 149 führenden MBA-Programme in 22 Ländern. Wichtig für eine gute Platzierung waren Lernmethoden, Kursangebote und Forschungen zu sozialen, ethischen und ökologischen Aspekten, sowie Wirtschaft, die realitätsnah gehandhabt wird. Platz zehn belegte hier die Haas School of Business an der University of California Berkeley. Die Platzierung kann insbesondere als Lob für den Mut zur Veränderung gesehen werden, denn im vergangenen Jahr erneuerte die Business School ihr Curriculum, um ihre Studenten zu „verantwortungsvollen Führungskräften“ auszubilden. Eine Reaktion auf die harsche Kritik in Folge der Finanzkrise. Quelle: PR (Haas School)
Platz 9: Kenan-Flagler Business School (University of North Carolina)Die University of North Carolina macht mit ihrer Kenan-Flagler Business School den neunten Platz. Die Business School in Chapel Hill, North Carolina, bildet schon seit 1919 Manager aus. “Wir zeigen seit mehr als einem Jahrzehnt, das wir im Bereich des nachhaltigen Führung den Markt beherrschen“, sagt die Kaderschmiede über sich selbst. Im US-internen Vergleich landet sie auf Platz sieben. Quelle: PR Kenan-Flager Business School
Quelle: Eric Jaeger
Platz 7: Ross School (University of Michigan)Die Stephen M. Ross School of Business an der University of Michigan belegt im Ranking Platz sieben. In diesem Jahr verfügt die Stiftung der Schule in Ann Arbor im US-Staat Michigan über rund 540 Millionen US-Dollar. Ihr gutes Ranking verdankt die Business School ihren Themen-bezogenen Forschungen. In den Bereichen Soziales, Umwelt und Ethik liegt die Ross School im Forschungsvergleich auf Platz fünf. Die Schule selbst bezeichnet soziale und ökologische Verantwortung als „Grundstein“ ihrer Ausbildung. Quelle: PR (Ross School)
Platz 6: Kellogg School of Management (Northwestern University)Platz sechs im Ranking belegt die Kellogg School of Management der Northwestern University in Evanston im US-Staat Illinois. Im Bereich des „Business Impact“ Rankings kommt die Business School sogar auf Platz zwei. Um in diesem Bereich zu punkten, müssen die Curricula der Schulen Kurse enthalten, die sich damit beschäftigen, wie sich Business-Theorien mit ethischen Fragen und sozialen Ansätzen verbinden lassen. In Bezug auf die Finanzkrise sagte die Dekanin Sally Blount 2010: „Ich glaube vielmehr, dass unsere Bedeutung durch die Krise sogar noch gestiegen ist – denn eine gute Ausbildung von Führungskräften ist wichtiger denn je.“ Quelle: Mike Willis
Platz 5: Yale School of Management“Educating leaders for business and society” lautet die Mission der Yale School of Management, die den fünften Platz erreicht. In New Haven im US-Bundesstaat Connecticut angesiedelt, bildet die Business School seit 1976 Manager aus. Im internationalen Vergleich schneidet sie insbesondere im Bereich „Relevant Coursework“ gut ab, der sich an der Zahl der Kurse orientiert, die sich mit sozialen, ethischen oder ökologischen Themen beschäftigen. Im US-Vergleich liegt die Yale School damit auf Platz drei. Quelle: PR (Yale School)
Platz 4: Mendoza College of Business (University of Notre Dame)Das Mendoza College of Business ist Teil der privaten University of Notre Dame im US-Staat Indiana. Das Institut existiert bereits seit 1921 und sieht religiös im Katholizismus verwurzelt und gehört zur „Congregation of Holy Cross“. Beyond Grey Pinstripes schrieb, das College biete den Studenten des MBAs eine “Groß-Bild-Perspektive der unglaublichen Macht des Business’”. Unter anderem deshalb schaffte es das Mendoza auf Rang 4.

Studie unter MBAs zeigt: Nur teilweise Umdenken

Was sagen die MBA-Absolventen selbst zu den Vorwürfen? In einer Studie der Berliner Agentur SWOP hielten fast 70 Prozent der befragten Absolventen und Studenten ein Umdenken in der Managerausbildung für notwendig und wünschten sich neue Ansätze in der Lehre, aber drei Viertel der Befragten sagen auch, ihre grundsätzliche Einstellung zum MBA habe sich durch die Finanzkrise nicht geändert.

Die Studienergebnisse, so Priggat, passen damit genau in die Grundstimmung: „Bei vielen Programmen geht es darum, Profit zu machen.“ Sollte irgendwo im Nebenkurs Ethik gelehrt werden, sei das noch keine schwerwiegende Änderung: „Wenn es dann in der Praxis doch wieder hart wird, dann fällt die Ethik wieder weg.“ Die Krise hätte daran bislang meist nur oberflächlich etwas verändert. Den Grundton im Business dämpfe sie nicht.

Weigand von der WHU sagt, die Ethik beginne bei den Business Schools bereits mit der Auswahl der MBA-Teilnehmer: Die Aufgabe der Business Schools liege schon darin, auszuwählen, wen man aufnimmt. „Ich entscheide, ob ich jemanden zulasse, der ohne Rücksicht auf Verluste arbeitet oder jemanden mit Sozialbewusstsein“, sagt Weigand. Die menschliche Komponente sei genauso wichtig, wie das wirtschaftliche Können, so der Ökonom: „Die Besten sind nicht immer die mit dem besten IQ.“

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%