WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Business Schools Wie deutsche Top-Manager vom MBA profitierten

Seite 2/3

Andere Wege wagen

Henning Kreke Quelle: Picture-Alliance/DPA

Anfang der Neunzigerjahre brannte das Top-Talent darauf, von renommierten Dozenten mehr über Finanzwesen zu lernen. Deshalb entschied er sich nach seinem Studium in St. Gallen für die MBA-Ausbildung an der Business School der Universität von Chicago, Heimat weltberühmter Ökonomen wie Gary Becker oder Ronald Coase. Die Wirtschaftshochschule ist die zweitälteste ihrer Art in den USA, gegründet wurde sie im Jahr 1898.

Bereits seit Jahrzehnten genießt sie vor allem im Bereich Finanzwesen einen hervorragenden Ruf. In allen weltweiten Ranglisten landet die Hochschule regelmäßig auf den ersten Plätzen. Sowohl im aktuellen Ranking des britischen Wirtschaftsmagazins „Economist“ als auch in der Rangliste der US-Zeitschrift „Business Week“ steht Chicago unangefochten auf Platz eins.

In Erinnerung geblieben sind Schatz jedoch nicht nur die Vorlesungen bei Nobelpreisträgern, sondern vor allem die Atmosphäre der Hochschule. Die Dozenten legten Wert darauf, den Studenten nicht nur intime Kenntnisse im Bereich Finanzwesen zu vermitteln, sondern auch unternehmerisches Denken. Ständig sei betont worden, wie wichtig es sei, „Neues zu wagen und auch mal andere Wege auszuprobieren“, sagt Schatz. Genau das konnte er zwei Jahre nach seinem Abschluss in die Tat umsetzen.

Im Jahr 1993 wurde Schatz Finanzchef bei einem damals völlig unbekannten Unternehmen namens Diagen. Im Alter von 27 Jahren. Dennoch hatte er nicht das Gefühl, ins kalte Wasser geworfen zu werden: „Der MBA vermittelte mir Selbstbewusstsein und Risikobereitschaft.“ Tugenden, die er in seinem ersten Job allzu gut brauchen konnte.

Diagen war damals, rückblickend betrachtet, ein Hühnerhaufen. Entstanden war die Firma mit Sitz im rheinischen Hilden bereits im Jahr 1984, als Wissenschaftler der Düsseldorfer Heinrich-Heine-Universität ihre Arbeit in ein Unternehmen » » auslagerten. Schatz musste zunächst das Firmenwirrwarr entflechten und sich auf die wichtigsten Geschäftsbereiche konzentrieren. Mit Erfolg. Bereits drei Jahre später ging der Konzern mit dem neuen Namen Qiagen an die New Yorker Börse.

Hoher Preis

Schatz ist stolz darauf, den MBA aus eigener Tasche bezahlt zu haben. Allein das Schulgeld lag damals bei immerhin 50.000 US-Dollar. Heute sind die Preise noch viel höher. Der Imageschaden durch die Finanzkrise hat die Weiterbildung nicht verbilligt. Im Gegenteil.

Die Columbia Business School in New York rät ihren Studenten, für den zwei-jährigen MBA schon mal 168.000 Dollar beiseite zu legen, die London Business School rechnet für ihr 21-monatiges Programm mit Kosten in Höhe von immerhin 134.000 Dollar.

Aber diese Investition lohnt sich. Im Schnitt dauert es etwa sechs Jahre, bis Absolventen die Schulgebühren durch Gehaltssteigerungen wieder reingeholt haben, vermeldete vor wenigen Wochen die „Business Week“.

Am schnellsten amortisieren sich die Kosten an fünf europäischen Schulen. Das liegt vor allem daran, dass die Programme in Europa meist nur ein Jahr dauern statt zwei, wie in den USA üblich.

Am besten ist das Preis-Leistungs-Verhältnis an der SDA Bocconi in Mailand, aber auch an französischen Schulen sind Absolventen den Berechnungen zufolge schnell wieder in den schwarzen Zahlen, ergab die Studie. Stefan Groß-Selbeck hat somit alles richtig gemacht.

Für den heutigen Vorstandsvorsitzenden des Internet-Netzwerks Xing spielte bei der Auswahl der Hochschule die Dauer der Weiterbildung eine entscheidende Rolle.

Nach Jura-Studium und Promotion arbeitete er zunächst als Referendar in der Anwaltskanzlei Freshfields Bruckhaus Deringer – eine Stelle, von der viele angehende Juristen nicht mal zu träumen wagen. Doch irgendwann stellte sich bei Groß-Selbeck Ernüchterung ein. „Die Arbeit der Mandanten aus der Wirtschaft fand ich viel spannender“, sagt er. Also beschloss der Jurist, ebenfalls ins Management zu gehen – und entschied, mit einem MBA die dafür notwendigen Grundlagen zu erwerben.

Doch fest stand für ihn auch: Er wollte maximal ein Jahr für den Abschluss opfern – und deshalb kamen die zweijährigen US-Programme nicht infrage. Groß-Selbeck hatte bereits während des Studiums Zeit in Frankreich verbracht, daher immatrikulierte er sich für den einjährigen MBA am Insead in Fontainebleau, etwa 50 Kilometer von Paris entfernt.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
Diesen Artikel teilen:
  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%