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Business Schools Wie deutsche Top-Manager vom MBA profitierten

Der Master of Business Administration gilt als Karriereturbo. Deutsche Top-Manager berichten, was ihnen der MBA-Abschluss gebracht hat.

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Peer Schatz Quelle: Pressefoto Qiagen

Wer im Alter von 24 Jahren sein BWL-Studium mit Bestnoten abschließt, bekommt im Regelfall problemlos eine Festanstellung – erst recht, wenn er sein Diplom an einer Eliteuniversität wie im schweizerischen St. Gallen erlangt hat, schon während der Ausbildung erfolgreiche Startups gegründet hat und mehrere Sprachen fließend spricht.

Insofern standen Peer Schatz im Jahr 1990 eigentlich alle Türen offen. Unternehmensberatungen, Wirtschaftsprüfungsgesellschaften und Investmentbanken stellen Absolventen wie ihn mit der viel zitierten Kusshand ein.

Bloß: Schatz wollte nicht.

„Mir fehlte Praxiswissen“, sagt er heute. Also entschied sich Schatz für ein Zweitstudium und bewarb sich 1990 für einen Master of Business Administration (MBA) an der renommierten Business School der Universität von Chicago.

Bereut hat er es nie, seine Karriere ist seit dem Abschluss nur in eine Richtung verlaufen: aufwärts. Nicht trotz, sondern wegen der Weiterbildung. 1993 wurde er Finanzvorstand beim Biotech-Unternehmen Qiagen, das damals noch Diagen hieß, seit 1996 ist er Vorstandschef des im TecDax gelisteten Unternehmens.

Chefetage im Blick

Schatz’ Werdegang ist ein Vorbild für viele angehende Manager: Wer es bis in die Vorstandsebene schaffen will, wählt nicht selten den Weg über den MBA. Der Abschluss gilt schon seit Jahrzehnten als Grundstein für eine Laufbahn als Führungskraft.

Neben Schatz legten auch andere Top-Manager wie Douglas-Chef Henning Kreke oder Stefan Groß-Selbeck, Vorstandsvorsitzender des sozialen Netzwerks Xing, mit dem MBA die Basis für ihre Karriere.

Sie lernten während ihrer Zeit an der Business School strategisches Denken, soziales Interagieren und selbstreflektiertes Handeln. Und sie sind auch heute noch fest davon überzeugt: Diese Erfahrungen an einer der besten Hochschulen prägen Absolventen ein Leben lang.

Zwar hat das Image der Weiterbildung im Zuge der Finanzkrise gelitten: Zahlreiche Skandalmanager hatten einen MBA in der Tasche – etwa Richard Fuld, ehemaliger CEO der insolventen Investmentbank Lehman Brothers, der seinen Abschluss einst an der Stern School of Business in New York ergatterte. John Thain, Alumnus der Harvard Business School, konnte die Investmentbank Merrill Lynch nur durch eine Fusion mit der Bank of America vor dem Untergang retten. Und Vikram Pandit, Chef der Citigroup, führte die einst größte Bank der Welt in Milliardenverluste. Er erlangte seinen MBA einst an der Columbia Business School.

Doch trotz dieser schwarzen Schafe, die das Ansehen des MBA vorübergehend beschädigten, gilt noch immer: Die Investition in die teure Ausbildung lohnt durchaus. Von einem MBA profitiert im Regelfall nicht nur der Student selbst – sondern auch das Unternehmen, das ihn einstellt.

Das bestätigt eine aktuelle Untersuchung der beiden Professoren Morten Hansen von der Business School der Universität von Kalifornien und Herminia Ibarra, Professorin an der französischen Eliteschmiede Insead.

Die beiden Wissenschaftler analysierten die Leistung von 1100 Vorstandsvorsitzenden aus den USA, Deutschland, Großbritannien und Frankreich – gemessen daran, wie sich der Börsenkurs des Unternehmens während der Amtszeit der Manager entwickelte.

Das Ergebnis: 32 Prozent aller bewerteten Führungskräfte hatten einen MBA. Und im Schnitt landeten sie in der Rangliste 40 Plätze vor ihren Amtskollegen ohne diesen Abschluss. Allein unter den zehn Besten landeten vier Manager mit MBA.

Die Studie beweise, dass Vorstandschefs mit MBA unter dem Strich „keine Werte zerstören“, resümierte Wissenschaftler Hansen. Vielmehr seien sie in der Mehrzahl der Fälle für eine Wertsteigerung verantwortlich. Ein Rückblick auf die bisherige Karriere von Peer Schatz bestätigt diese Einschätzung.

Andere Wege wagen

Henning Kreke Quelle: Picture-Alliance/DPA

Anfang der Neunzigerjahre brannte das Top-Talent darauf, von renommierten Dozenten mehr über Finanzwesen zu lernen. Deshalb entschied er sich nach seinem Studium in St. Gallen für die MBA-Ausbildung an der Business School der Universität von Chicago, Heimat weltberühmter Ökonomen wie Gary Becker oder Ronald Coase. Die Wirtschaftshochschule ist die zweitälteste ihrer Art in den USA, gegründet wurde sie im Jahr 1898.

Bereits seit Jahrzehnten genießt sie vor allem im Bereich Finanzwesen einen hervorragenden Ruf. In allen weltweiten Ranglisten landet die Hochschule regelmäßig auf den ersten Plätzen. Sowohl im aktuellen Ranking des britischen Wirtschaftsmagazins „Economist“ als auch in der Rangliste der US-Zeitschrift „Business Week“ steht Chicago unangefochten auf Platz eins.

In Erinnerung geblieben sind Schatz jedoch nicht nur die Vorlesungen bei Nobelpreisträgern, sondern vor allem die Atmosphäre der Hochschule. Die Dozenten legten Wert darauf, den Studenten nicht nur intime Kenntnisse im Bereich Finanzwesen zu vermitteln, sondern auch unternehmerisches Denken. Ständig sei betont worden, wie wichtig es sei, „Neues zu wagen und auch mal andere Wege auszuprobieren“, sagt Schatz. Genau das konnte er zwei Jahre nach seinem Abschluss in die Tat umsetzen.

Im Jahr 1993 wurde Schatz Finanzchef bei einem damals völlig unbekannten Unternehmen namens Diagen. Im Alter von 27 Jahren. Dennoch hatte er nicht das Gefühl, ins kalte Wasser geworfen zu werden: „Der MBA vermittelte mir Selbstbewusstsein und Risikobereitschaft.“ Tugenden, die er in seinem ersten Job allzu gut brauchen konnte.

Diagen war damals, rückblickend betrachtet, ein Hühnerhaufen. Entstanden war die Firma mit Sitz im rheinischen Hilden bereits im Jahr 1984, als Wissenschaftler der Düsseldorfer Heinrich-Heine-Universität ihre Arbeit in ein Unternehmen » » auslagerten. Schatz musste zunächst das Firmenwirrwarr entflechten und sich auf die wichtigsten Geschäftsbereiche konzentrieren. Mit Erfolg. Bereits drei Jahre später ging der Konzern mit dem neuen Namen Qiagen an die New Yorker Börse.

Hoher Preis

Schatz ist stolz darauf, den MBA aus eigener Tasche bezahlt zu haben. Allein das Schulgeld lag damals bei immerhin 50.000 US-Dollar. Heute sind die Preise noch viel höher. Der Imageschaden durch die Finanzkrise hat die Weiterbildung nicht verbilligt. Im Gegenteil.

Die Columbia Business School in New York rät ihren Studenten, für den zwei-jährigen MBA schon mal 168.000 Dollar beiseite zu legen, die London Business School rechnet für ihr 21-monatiges Programm mit Kosten in Höhe von immerhin 134.000 Dollar.

Aber diese Investition lohnt sich. Im Schnitt dauert es etwa sechs Jahre, bis Absolventen die Schulgebühren durch Gehaltssteigerungen wieder reingeholt haben, vermeldete vor wenigen Wochen die „Business Week“.

Am schnellsten amortisieren sich die Kosten an fünf europäischen Schulen. Das liegt vor allem daran, dass die Programme in Europa meist nur ein Jahr dauern statt zwei, wie in den USA üblich.

Am besten ist das Preis-Leistungs-Verhältnis an der SDA Bocconi in Mailand, aber auch an französischen Schulen sind Absolventen den Berechnungen zufolge schnell wieder in den schwarzen Zahlen, ergab die Studie. Stefan Groß-Selbeck hat somit alles richtig gemacht.

Für den heutigen Vorstandsvorsitzenden des Internet-Netzwerks Xing spielte bei der Auswahl der Hochschule die Dauer der Weiterbildung eine entscheidende Rolle.

Nach Jura-Studium und Promotion arbeitete er zunächst als Referendar in der Anwaltskanzlei Freshfields Bruckhaus Deringer – eine Stelle, von der viele angehende Juristen nicht mal zu träumen wagen. Doch irgendwann stellte sich bei Groß-Selbeck Ernüchterung ein. „Die Arbeit der Mandanten aus der Wirtschaft fand ich viel spannender“, sagt er. Also beschloss der Jurist, ebenfalls ins Management zu gehen – und entschied, mit einem MBA die dafür notwendigen Grundlagen zu erwerben.

Doch fest stand für ihn auch: Er wollte maximal ein Jahr für den Abschluss opfern – und deshalb kamen die zweijährigen US-Programme nicht infrage. Groß-Selbeck hatte bereits während des Studiums Zeit in Frankreich verbracht, daher immatrikulierte er sich für den einjährigen MBA am Insead in Fontainebleau, etwa 50 Kilometer von Paris entfernt.

Stefan Groß-Selbeck Quelle: Picture-Alliance/DPA

Was Groß-Selbeck so sehr am MBA zu schätzen weiß: Er hat durch die Weiterbildung gelernt, in Simulationen und Fallstudien reale Firmenprobleme zu lösen und Aufgaben in Teamarbeit anzugehen.

Durch diese Herangehensweise sollen die Studenten konkrete Handlungspläne für die Arbeitswelt bekommen, und zwar für alle wichtigen Managementbereiche: Finanzen und Marketing, aber auch Personal- und Unternehmensführung.

Groß-Selbeck ist sich darüber im Klaren, dass genau diese Lehrmethode der Business Schools häufig kritisiert wird. Aber er selbst fand sie extrem lehrreich. Dadurch sei man gezwungen, Entscheidungen zu treffen, selbst wenn nicht alle vollständigen Informationen verfügbar seien – wie im wahren Leben als Führungskraft auch.

Der MBA habe ihm beigebracht, mit dieser ständigen Unsicherheit gelassener umzugehen. „Der Praxisschock nach dem Wechsel ins Management fiel geringer aus“, sagt Groß-Selbeck.

Auch Henning Kreke erarbeitete sich durch das Studium den finalen Feinschliff für den Posten des Vorstandschefs. Über 30 Jahre hatte sein Vater Jörn die Douglas-Gruppe geführt und in dieser Zeit vom Süßwaren-Filialisten zum Lifestyle-Unternehmen umgebaut, mit Parfümerien, Buchhandlungen und Schmuckgeschäften. 1993 stieg Kreke Junior als Vorstandsassistent in den Konzern ein, zuvor hatte er seinen MBA an der Universität von Texas absolviert.

Seit Juni 2001 ist er Vorstandsvorsitzender von Douglas. Die Fußstapfen seines Vaters waren ihm nie zu groß, und auch der MBA-Abschluss hat ihn für die Herausforderungen einer Führungskraft gut vorbereitet – vor allem von der „gelungenen Mischung aus Theorie und Praxis“ hat er nachhaltig profitiert, sagt Kreke im Rückblick.

Bessere Chancen

Darauf bauen auch die derzeitigen MBA-Studenten. Die Chancen stehen gut, dass sie von Unternehmen wieder stärker nachgefragt werden. Die Lage auf dem Arbeitsmarkt bessert sich.

Zu diesem Ergebnis kam vor einigen Monaten das internationale Beratungsunternehmen Quacquarelli Symonds (QS). 2145 Personaler aus über 50 Ländern machten in einer Umfrage Angaben zu ihren Einstellungsplänen. In den USA wurden im Jahresvergleich neun Prozent mehr MBA-Absolventen unter Vertrag genommen, und auch in Westeuropa gibt es Anlass zu vorsichtigem Optimismus: Dort stieg die Zahl immerhin um drei Prozent.

Allerdings beobachtete QS-Geschäftsführer Nunzio Quacquarelli, dass die Personalabteilungen nach der Finanzkrise durchaus wählerischer sind. Vorher hätten sie MBA-Absolventen häufig mit nur drei Jahren Berufserfahrung eingestellt, jetzt verlangten sie von Bewerbern meist fünf bis acht Jahre.

Ginge es danach, hätte Peer Schatz seinen Job bei Qiagen vielleicht nie bekommen. Er erhielt bereits zwei Jahre nach seinem MBA-Abschluss das Angebot, Finanzchef beim Qiagen-Vorgänger Diagen zu werden. Bereut hat er den Schritt nie. Und an seiner Expertise als Finanzexperte und Führungspersönlichkeit zweifelt inzwischen niemand mehr – dafür spricht vor allem die Entwicklung des Konzerns unter seiner Ägide.

Als Schatz seinen Dienst antrat, machte das Unternehmen mit einigen Dutzend Mitarbeitern umgerechnet eine Million Euro Umsatz pro Jahr. 2009 waren es etwa 500 Millionen. 

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