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Denkfabrik Fünf-Punkte-Plan zur Rettung der Betriebswirtschaftslehre

Die methodische Kritik an der Volkswirtschaftslehre - realitätsfern, veraltet, einförmig - erreicht jetzt auch die Betriebswirtschaftslehre. Ein Fünf-Punkte-Plan für die BWL von morgen.

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Die Finanzkrise 2008 war nicht nur für die Geschäftswelt ein Tiefschlag, sie hat auch die Reputation der Volkswirtschaftslehre (VWL) erschüttert. Die bis heute vorgebrachten Vorwürfe: Die VWL sei zu einförmig und abstrakt, vernachlässige die Finanzmärkte, bewerte das Auswendiglernen höher als die kritische Reflexion und blende die Wirtschaftsgeschichte aus.

Jetzt hat die Kritik auch die Nachbardisziplin, die Betriebswirtschaftslehre (BWL), erreicht. Besonders provokant formuliert sie der Journalist und Unternehmer Axel Gloger, der ein Buch mit dem bezeichnenden Titel „Betriebswirtschaftsleere“ geschrieben hat. Er hält nicht nur das Lehrmaterial der Hochschulen für veraltet, sondern glaubt eine „Mainstream-BWL“ zu erkennen, die den Bezug zur Realität verloren habe.

Nicht alle BWL-Studierenden und -Lehrenden dürften mit den Aussagen des Buches übereinstimmen. Es liefert jedoch Impulse zur Diskussion.

Zum Autor

Wie soll die BWL der Zukunft gestaltet werden, welche Schwerpunkte soll sie setzen? Dazu möchte ich fünf Vorschläge machen. Erstens: Die Lehre muss höchsten Ansprüchen genügen. Studierende stellen zu Recht hohe Erwartungen an die Qualität von Didaktik und Vermittlung. Das gilt erst recht in Zeiten, in denen digitale Angebote wie Massive Open Online Courses (MOOCs) eine attraktive Alternative oder zumindest Ergänzung zum traditionellen Angebot darstellen. Vorlesungen im klassischen Stil werden auf Dauer nicht konkurrenzfähig sein, wenn man sie nicht mit intensiven Diskussionen und digitaler Interaktion anreichert.

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    Zweitens gilt für die BWL, mehr noch als für viele andere Disziplinen, die Gültigkeit des Leibniz’schen Mottos „theoria cum praxi“. So, wie ein Mediziner sich darin beweisen muss, einem Patienten zu helfen, muss ein Betriebswirt in der Lage sein, in einem Betrieb praktischen Nutzen zu schaffen. Eine engere Verzahnung von Theorie und Praxis ist daher geboten.

    Drittens muss sich auch die BWL auf die Folgen von Digitalisierung und künstlicher Intelligenz einstellen. Diese Megatrends ziehen eine dramatische Wandlung oder sogar das Ende bestimmter Berufsbilder nach sich – und das schließt bisher gängige Berufsbilder des Betriebswirts wie Buchhalter, Wirtschaftsprüfer oder Kreditanalyst mit ein. Es gilt zwar, dass mit zunehmender Qualifikation das Risiko des Arbeitsplatzverlustes sinkt. Aber diese Qualifikation wird sich zunehmend durch neue Fertigkeiten und Kenntnisse zeigen müssen. Ein besonders wichtiges Beispiel ist die Fähigkeit zum Codieren und Programmieren und damit zur Analyse großer Datenmengen. Diese Aspekte gehören umso mehr zum künftigen Fächerkanon der BWL.

    BWL und VWL müssen stärker zusammenwachsen

    Viertens muss die BWL stärker berücksichtigen, dass sich das spätere Betätigungsfeld der Studierenden nicht auf börsennotierte Konzerne beschränkt. In Deutschland spielen Familienunternehmen, Hidden Champions und zunehmend Start-ups eine große Rolle. Über ihren Aufbau, ihre Probleme, Interessen und Strategien muss das Studium mehr Kenntnisse vermitteln.

    Das gilt ebenso für den Bereich Social Entrepreneurship, der nicht zuletzt für Aufgaben in internationalen Organisationen qualifiziert.

    Fünftens, und das ist vermutlich der wichtigste Punkt, müssen BWL und VWL stärker zusammenwachsen. Ein Volkswirt kann die Auswirkungen der Finanzkrise nicht verstehen, wenn er sich nicht mit der Bilanz einer Bank und insbesondere deren Eigenkapital auseinandersetzt.

    Diese Bilanz muss er auch analysieren können, wenn er die Folgen geldpolitischer Entscheidungen auf die Kreditvergabe von Banken und Sparkassen verstehen möchte. Zudem experimentieren immer mehr staatliche Institutionen mit der doppelten Buchführung, also dem klassischen Prinzip der betriebswirtschaftlichen Rechnungslegung.

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      Zentrale Aspekte der BWL wie Gewinn und Effizienz müssen in die volkswirtschaftliche Wohlfahrtsanalyse eingebettet werden. Ein Beispiel ist das Streben von Finanzinstitutionen nach höheren Eigenkapitalrenditen, wie es vor der Finanzkrise deutlich wurde. Was helfen kurzfristig erhöhte Renditen, wenn die eingegangenen Risiken zum Schluss nicht nur einzelne Banken in den Abgrund stürzen, sondern auch erhebliche Hilfen des Staates und damit Belastungen der Steuerzahler nach sich ziehen?

      Neben hohen finanziellen Kosten treten erhebliche Vertrauensschäden ein, die das System der sozialen Marktwirtschaft infrage stellen.

      Darüber hinaus gibt es systematische Entscheidungsfehler von Kunden und Investoren, die sich mithilfe der Verhaltenswissenschaften erklären lassen. Um im Markt zu bestehen, müssen Unternehmen ein grundlegendes Verständnis dieser Aspekte besitzen.

      Eine enge Vernetzung von BWL und VWL wäre also ein wichtiger Schritt. Und vielleicht können wir irgendwann ja noch weiter gehen – und die beiden Disziplinen zu einer einzigen umfassenden Wirtschaftswissenschaft vereinigen.

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