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Der Bluff des Zentralabiturs Abitur auch ohne Wissen möglich

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Der Bluff des Zentralabiturs

Wer jetzt erst recht nach einem bundesweiten Zentralabitur ruft, sollte sich klar vor Augen führen, dass eben dieses seit seiner Einführung in den einzelnen Bundesländern der Hebel war, um höhere Abiturientenquoten mit gesenkten Ansprüchen zu generieren, die in der Außendarstellung als Erfolg verkauft wurden. Ein bundesweites Abitur ist nichts anderes als eine schöne Wunschvorstellung, Leistungen vergleichend auf angeblich hohem Niveau zu überprüfen und zu bewerten. Allein die geringe Gewichtung des schriftlichen Zentralabiturs in drei Fächern im Verhältnis zur Gesamtabiturnote von weniger als 8 Prozent pro Fach sollte alle Zentralabiturenthusiasten auf den Boden der Tatsachen zurückholen. Mit solchen Aufgabenstellungen – wie oben vorgestellt – wird ein Zentralabitur zu nichts anderem als zu einem großen Bluff.

Daher sollte man sich hüten, die nach dem gemeinsamen Zentralabitur von sechs Bundesländern 2014 zu erwartenden Erfolgsmeldungen tatsächlich als solche zu bewerten. Allein schon die Geheimniskrämerei, wer denn welche Aufgaben in den Aufgabenpool gibt, deren unbekanntes Niveau, vor allem aber die vermutlich vorhandene Möglichkeit, dass sich die einzelnen Bundesländer beliebig aus dem Pool bedienen können, also auch ihre eigenen Aufgabenstellungen wieder herausnehmen dürfen, könnten das Ganze zur Farce werden lassen.

Aber selbst wenn in einem gemeinsamen Aufgabenpool anspruchsvollere Aufgaben verpflichtend werden sollten, dürfte die geringe Gewichtung der in der schriftlichen Prüfung erzielten Note entscheidend sein. Bei Abweichung der im Zentralabitur erzielten Note nach unten um mehr als eine Note kann in der mündlichen Prüfung diese wieder nach oben korrigiert werden. Denn in den Schulen hat längst ein Notendumping eingesetzt und die Lehrer können sich dem Druck nach der Vergabe ausschließlich guter Noten kaum entziehen, da schlechte Noten ihnen und nicht den Schülern zur Last gelegt werden.

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Derzeit ist nicht absehbar, was diese Abwärtsspirale in der Nivellierung der Ansprüche aufhalten könnte. Insofern muss man nicht erstaunt sein, dass gerade jetzt die zuständige Ministerin in Niedersachsen nicht nur generell G9 wieder einführen lässt – dafür gibt es sicherlich viele gute Argumente – sondern gleichzeitig auch für G9 weniger Klausuren, weniger Pflichtkurse und vor allem ein leichteres Abitur einfordert. Anscheinend will man in Niedersachsen nicht hinter den Abiturientenquoten von Bremen, Hamburg, NRW und einigen anderen Bundesländern hinterherhinken. Im Gegensatz zu Hamburg behauptet man in Niedersachsen wenigstens nicht, das Niveau zu halten.

Den Mangel als Exzellenz zu verkaufen, hat leider nicht nur in Hamburg Methode. Es scheint spätestens seit Pisa und Bologna ein neues Phänomen im deutschen Qualitätsmanagement zu sein. Ein Erbe, das wir aus der DDR übernommen haben und das längst nicht nur im Bildungsbereich Einzug gehalten hat.

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