Digitale Bildung Eltern wollen Tablets im Klassenzimmer

Digitalisierung ist überall, nur nicht in den Schulen. "Können die Kinder doch eh schon", ist ein Argument für den technikfreien Unterricht. Jetzt fordern auch die Eltern: Bringt den Kindern digitale Kompetenzen bei.

Ein Schüler arbeitet am 17.09.2015 in einem Klassenzimmer in der Gottlieb-Daimler-Schule 2 in Sindelfingen (Baden-Württemberg) an einem Tabletcomputer. Quelle: dpa

Die Debatte um digitale Inhalte im Unterricht erinnert ein bisschen an die Diskussion, ob Aufklärungsunterricht in Schulen sein muss: "Die wissen das doch alles" heißt es da - oder auch: "Die Kinder gucken doch ständig Pornos im Internet, was soll man denen denn noch erzählen?". Doch Anwendung ist ja bekanntlich nicht gleich Aufklärung. Bei der Debatte um die Digitalisierung sind die Argumente sehr ähnlich: "Die Kinder hängen den ganzen Tag am Smartphone", "die können doch mit dem Internet besser umgehen als die Lehrer", "was soll denn der 50-jährige Lehrer seinen Achtklässlern über Facebook erzählen?"

Zustimmung zur Aussage: "Ich kann mir ein Leben ohne digitale Technologien nicht mehr vorstellen"

Allerdings zeigen zahlreiche Studien zum Umgang mit digitalen Medien und Technologien, dass "die weit verbreitete Annahme, Kinder und Jugendliche würden durch das Aufwachsen in einer von neuen Technologien geprägten Welt automatisch zu kompetenten Nutzerinnen und Nutzern digitaler Medien, nicht zutrifft", wie es auch bei der "Initiative digitale Bildung neu denken" heißt. So verfügen rund 30 Prozent der Achtklässler nur über rudimentäre Kenntnisse in Bezug auf den kompetenten Umgang mit neuen Technologien.

Beispielaufgabe Kompetenzstufe III im ICILS-Test

Die Initiative fördert deshalb seit 2013 die Digitalisierung des Unterrichts auf spielerische Weise: Schulen können sich mit digitalen Projekten bei dem Wettbewerb "Ideen Bewegen" bewerben. Ausgewählte Projekte bekommen für sechs Wochen ein komplett ausgestattetes digitales Klassenzimmer von Samsung, konkret Samsung School Solution, zur Verfügung gestellt. "Das klingt sehr kurz, aber wenn der Zeitraum länger wäre, verliert die Sache den Projektcharakter und dann trauen sich viele Lehrer nicht mehr", sagt Steffen Ganders, Head of Corporate Affairs bei Samsung.

So wächst das Geschäft mit dem E-Learning

"Der Einsatz von Medien im Unterricht sollte so gewählt sein, dass es sinnvoll ist. Früher hieß Mediennutzung in der Schule ja noch 'Komm, wir gehen ins Sprachlabor'. Das muss heute natürlich anders sein", sagt Ganders. "Man kann zum Beispiel im Sportunterricht beim Hochsprung die Schüler aufnehmen und ihre Leistung später analysieren und so herausfinden, was sie besser machen können. So wird es im Profi-Fußball ja auch schon lange gemacht."

Darüber hinaus sei es jedoch viel wichtiger, Schülern beizubringen, wie sie Informationen im Internet finden, wie sie Quellen bewerten müssen und wie sie erkennen, was vertrauenswürdig ist und was nicht. "Wenn man Schule als den Ort versteht, der die Jugend auf ihr späteres Leben vorbereitet, dann muss sie auch pragmatisch den Umgang mit Technologien vermitteln."

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