Freytags-Frage

Warum sind so viele deutsche Studenten psychisch krank?

Fast ein Fünftel der deutschen Studenten sind psychisch krank, Frauen sind gefährdeter als Männer. Die Politik trägt eine Hauptschuld.

Was gegen Motivationsmangel im Studium hilft
Ein gutes Frühstück bringt Energie für den Tag. Versuchen Sie, sich nicht nur von Döner und Pizza zu ernähren, sondern gesünder zu essen. Sorgen Sie bewusst für genug Bewegung und damit einen aktiven Ausgleich zum Studium. Quelle: Karrierebibel.de
Vielleicht sind Sie einfach übermüdet. Statt beim Lernen (fast) einzuschlafen, sollten Sie sich die Zeit für mindestens sieben, besser acht Stunden Schlaf nehmen. Das kann Wunder wirken.
Machen Sie sich To-Do-Listen mit einfachen Aufgaben, die Sie schnell und problemlos bewältigen können. Haken Sie diese auf einer Liste ab. Nutzen Sie den schnellen Erfolg als Motivationsschub.  
Machen Sie sich klar, welche Ziele Sie konkret mit Ihrem Studium verfolgen und was Ihnen diese wert sind. Suchen Sie bewusst nach praktischen Anwendungsmöglichkeiten Ihres Studienwissens und machen Sie sich klar, wie es sie weiterbringen kann. So wird Ihnen Nützlichkeit und Wert bewusst.
Arbeiten Sie nebenbei? Versuchen Sie, sich weniger Stress auszusetzen und machen Sie so Energie fürs Studium frei. Manchmal reicht Entlastung schon als Motivationsschub.
Suchen Sie nach neuen Lernorten und Methoden. Abwechslung kann neue Reize setzen und Ihre Interesse am Studium wiederbeleben.
Können Sie benennen, was Sie gerade konkret am Studium stört? Versuchen Sie, mit kurzfristig umsetzbaren Veränderungen Ihre Motivation zu steigern oder wiederzubeleben. Werden Sie aktiv! Quelle: obs
Rufen Sie sich Ihr größtes Erfolgserlebnis des Studiums ins Gedächtnis. Wie haben Sie sich dabei gefühlt? Führen Sie ein Erfolgstagebuch, in dem Sie wöchentlich zehn - wenn auch kleine - Erfolge niederschreiben.
Fragen Sie sich: “Warum studiere ich eigentlich?” Schreiben Sie sich überzeugende Antworten zum Beispiel an besonders vollen Tagen in den Kalender oder hängen Sie sie gut sichtbar in Ihrer Wohnung auf.
Suchen Sie das Gespräch mit Freunden und Bekannten, die nichts mit ihrem Studium zu tun haben und prüfen Sie so, ob Ihr Motivationsmangel überhaupt am Studium liegt.

Eine Studie der Technikerkrankenkasse (TK) ist zu dem Ergebnis gelangt, dass etwa ein Fünftel, genau: 21,4 Prozent, der deutschen Studenten psychisch krank sind. Aus dieser Gruppe lässt sich wiederum etwa die Hälfte regelmäßig behandeln. Auffällig ist die Steigerung; am schnellsten zugenommen hat der Anteil der unter Depression leidenden Studenten. Die Situation verschärft sich offenbar mit dem Lebensalter der Studenten, die ab dem 27. Lebensjahr viel anfälliger für psychische Probleme als ihre Altersgenossen im Berufsleben sind. Frauen sind dabei gefährdeter als Männer.

Nun ist es nicht seriös, mittels einer Ferndiagnose die Ursachen für eine Krankheit bei unbekannten Menschen zu bestimmen. Die Studie nennt den Stress und die fehlenden Mechanismen zur Stressverarbeitung (kaum Sport, dafür viel Alkohol etc.). Dieses Verhalten ist nun nicht neu, auch früher haben nicht alle Studenten Sport getrieben, und Drogenkonsum gab es auch damals.

Symptome einer Depression

Neu ist aber der große Anteil der gestressten und kranken Studenten. Vom lustigen Studentenleben scheint nicht mehr viel übrig geblieben zu sein. Studenten – sofern sie tatsächlich studieren (also neudeutsch Studierende sind) – haben in der Tat ein umfassendes Programm, zumal es durch die Modularisierung der Studiengänge bedingt eine enorme Anzahl an Prüfungen je Semester gibt. Diese Prüfungen gelten für das Examen; dies ist in der Tat stressig. Dieser Tendenz zugrunde liegt übrigens die politische Entscheidung, das Diplomstudium aufzugeben und das Studium in Bachelor- und Masterprogramm zu ändern.

Als weitere Hauptgründe für den Stress werden laut der Studie die Doppelbelastung durch Studium und das Arbeiten zur Finanzierung des Studiums, finanzielle Probleme der Studenten, die Angst vor schlechten Bewertungen im Studium und die Sorge darum, später keinen Arbeitsplatz zu bekommen. Immer mehr Studenten ziehen die Notbremse: Deutschlandweit bricht mehr als jeder vierte Bachelorstudent (28 Prozent) sein Studium ab. An Universitäten sind es 33 Prozent, an Fachhochschulen 23 Prozent.

Fünf Tipps zur Stressbewältigung

Die Frage stellt sich, ob es richtig war, die Anzahl der Studenten bzw. ihren Anteil an der jeweiligen Alterskohorte so deutlich zu erhöhen, wie es die Politik in den letzten Jahrzehnten erzwungen hat. Angeregt durch die Pisa-Vergleiche und die Diagnose (vor all dem der OECD), dass die Akademisierung in Deutschland im internationalen Vergleich viel zu niedrig ist, hat die Politik einen Prozess eingeleitet, der mehr jungen Menschen den Zugang zu den Hochschulen ermöglicht.  Viel war die Rede von Bildungsgerechtigkeit.

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