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Für wen sich was lohnt Krankenversicherung im Studium: GKV oder doch lieber PKV?

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Wann lohnt sich eine PKV für Studenten wirklich?

In welchen Fällen kann sich eine studentische PKV besonders lohnen?
Als erste Faustregel gilt: Je kürzer der Studierende noch von der kostenlosen Familienversicherung der GKV profitieren kann, desto eher lohnt sich ein Vergleich mit PKV-Alternativen. Vor allem Studierende, die nicht mehr den vergünstigten Studententarif der GKV bekommen, können mit einer PKV Geld sparen. Am Ende sei die Wahl eines günstigen PKV-Tarifs bei vielen Angeboten jedoch eine riskante Wette, so der Versicherungsberater Harstorff. „Nur, wenn der Studierende gesund bleibt, kann er von den günstigen Tarifen und möglichen Rückerstattungen profitieren. Doch wer hat schon Einfluss darauf, ob er nicht morgen schon einen Autounfall hat?“

Auf lange Sicht sollten auch all diejenigen Studierenden über eine PKV nachdenken, die bereits wissen, dass sie später privatversichert bleiben möchten. Beispielsweise wenn eine direkte Selbstständigkeit angestrebt wird, oder aber eine Verbeamtung in Aussicht steht. Durch den frühen Eintritt in die PKV startet man so unter Umständen sehr günstig in den Vertrag. Denn bei der Berechnung der Beiträge für die PKV spielen Faktoren wie das Alter und die bisherige Krankheitshistorie eine zentrale Rolle.

Anders als in der GKV steigen die Beiträge nicht proportional zu einem steigenden Einkommen. Je früher man in die PKV eintritt, desto früher kann der Versicherer anfangen, Rücklagen fürs Alter aufzubauen. Daher steigen die Versicherungsbeiträge im Alter nicht so sehr an, denn mit den Rücklagen werden die Gesundheitskosten abgesichert, die im Laufe der Zeit anfallen.

Sonderfall: Beamtenkinder
Von den rund 8,75 Millionen Privatversicherten sind nach Angaben des PKV-Verbands etwa 240 Tausend Studierende. Gerade Kinder von Beamten fallen in diese Gruppe, denn sie profitieren, so lange sie kindergeldberechtigt sind, von der Beitragsbeihilfe. So können die monatlichen Beiträge für die Privatversicherung vergleichsweise günstig sein. Sollten die Studierenden allerdings innerhalb ihres Studiums das 25. Lebensjahr überschreiten, fallen Kindergeld und Beihilfe weg. Ein Wechsel in die GKV ist dann aber über die Dauer des Hochschulbesuchs nicht mehr möglich. Daher sollten Eltern und Kinder sich früh Gedanken machen, ob eine GKV auf lange Sicht nicht doch günstiger ist.

Wenn man sich als Studierender für die PKV entscheidet, ist eine sorgfältige Vorbereitung ratsam.

Die Daten, die bei der PKV vor Vertragsabschluss gefordert werden, sollten akribisch gesammelt werden, sagt Versicherungsberater Harstorff: „Wer kann sich schon so genau erinnern, wann und wie oft er einen Schnupfen oder Ähnliches hatte?“, sagt Harstorff. Die Versicherer forderten eine genaue Krankheitshistorie vor Vertragsabschluss in Form von detaillierten Fragen an den Studenten.

„In jedem Falle beim Hausarzt und gegebenenfalls bei den aufgesuchten Fachärzten alle gesammelten Daten über den abgefragten Zeitraum geben lassen“, rät der Experte. Relevant sind in der Regel die letzten drei Jahre vor Vertragsschluss ambulant und die letzten fünf Jahre stationär. So könne die Wahrscheinlichkeit verringert werden, dass Leistungsansprüche von den Versicherern zurückgefordert werden, weil der Versicherte bei Vertragsabschluss etwa eine Vorerkrankung nicht angegeben hat.

Zu beachten ist bei einer PKV außerdem, dass Leistungen wie verschreibungspflichtige Medikamente meist erstmal selbst bezahlt werden müssen, bevor sie dann in einem nächsten Schritt von dem Privatversicherer zurückerstattet werden. Dementsprechend muss der Studierende für diese Übergangszeit die notwendige Liquidität haben. Die Kosten für medizinische Maßnahmen wie Krankenhausaufenthalte oder eine Untersuchung beim Hausarzt werden dagegen in der Regel fristgerecht von der Privatversicherung erstattet. Also muss der Versicherte in diesem Fall nicht in Vorkasse treten.

Ist nach dem Studienabschluss ein Wechsel von der PKV in die GKV möglich?
Ein Wechsel von einem Privatversicherer zurück in die gesetzliche Versicherung ist nach dem Uniabschluss möglich, sofern der Hochschulabsolvent eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung annimmt. Studierende, die sich nach dem Studium selbstständig machen, sind für die Dauer der Selbstständigkeit auf die PKV festgelegt.

Sollten Absolventen nach ihrem Abschluss keinen Job finden und auf Arbeitslosengeld II („Hartz IV“) angewiesen sein, haben sie die Möglichkeit, in den Basistarif der PKV zu wechseln, um Beiträge zu sparen. Das Jobcenter zahlt einen Zuschuss zur privaten Krankenversicherung. Nur wer aufgrund einer früheren Anstellung Arbeitslosengeld I bezieht, kann in die GKV wechseln.

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