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G9 kommt zurück Das Ende des achtjährigen Gymnasiums

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Lehrerverband hält Wahlfreiheit für skandalös

Bei einem „runden Tisch“ mit Elternvertretern am 24. Oktober signalisierte NRW-Schulministerin Sylvia Löhrmann (Grüne) ein Einlenken – wenn auch nicht mehr in dieser Legislatur: „Das muss gründlich vorbereitet sein. Es darf keinen Schnellschuss geben.“

Der Streit in NRW dreht sich wie in anderen Ländern nicht mehr um die Rückkehr selbst. Es geht nur noch um die Frage, ob Schulen oder Eltern Wahlfreiheit haben sollen – oder ob die Landesregierung eine „Leitentscheidung“ treffen soll. Löhrmann will letzteres. Die nordrhein-westfälischen Oppositionsparteien FDP und CDU fordern, jede Schule solle selbst entscheiden.

Striche zählen und Werte ablesen

Angesichts der übergroßen Mehrheit von G9-Befürwortern unter Eltern und Lehrern dürfte die freie Entscheidung aber vermutlich dazu führen, dass G8-Schulen bald zur Ausnahme werden. In Hessen, wo die Gymnasien die Wahl haben, gibt es im Schuljahr 2016/17: 13 Gymnasien mit einem G8-Angebot, 81 Gymnasien mit einem G9-Angebot, und 16 Gymnasien mit einem Parallelangebot G8/G9 ab der Jahrgangsstufe 7.

Lehrerverbandspräsident Josef Kraus ist mit der Wahlfreiheit der Schulen nicht glücklich. Löhrmanns Einlenken in Nordrhein-Westfalen sei „ein winzig kleiner Schritt in die richtige Richtung, mehr nicht“, urteilt der Lehrerverbandspräsident.

Die Einführung einer Wahlfreiheit für die Schulen hält er für „schier skandalös“, weil sich die Politik in einer so wichtigen Strukturfrage nicht aus der Verantwortung stehlen dürfe. Der politische Konflikt zwischen G8- und G9-Befürwortern werde sich an die Basis verlagern. „Da die allerwenigsten Gymnasien groß genug sind, um beiden anbieten zu können, werden Wahl-Verlierer zurückbleiben“, befürchtet Kraus. „Das Ergebnis könnte auch eine Atomisierung der Schullandschaft mit allen Folgen für eine eingeschränkte Mobilität der Familien sein.“

Kraus‘ Forderung: „Grundständiges G9 bei G8-Option für einzelne Schüler oder Schülergruppen! Nicht umgekehrt: Grundständiges G8 bei G9-Option. Letzteres ist gescheitert.“ Mit der Rückabwicklung von G8 müssten auch die zuvor ausgedünnten Lehrpläne wieder angereichert werden. Der Umfang des Unterrichts müsse insgesamt wieder steigen, um die Tendenz zum „Gymnasium light“ zu brechen.

In Kraus Heimatland Bayern, wo er selbst ein Gymnasium leitet, hat Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) vor wenigen Tagen im Wissenschaftsausschuss des Landtages einer schnellen kompletten Rückkehr zum 13. Schuljahr eine Abfuhr erteilt. Aber nur vorerst und alles andere als konsequent. Bayrische Gymnasien dürfen den Antrag stellen, zum Schuljahr 2018/2019 zu G9 zurückzukehren. Die Erlaubnis erteilt Spaenles Ministerium.

Der Minister selbst gilt im Gegensatz zu seiner nordrhein-westfälischen Ministerkollegin als Sympathisant der Rückkehr. Doch in seiner CSU-Landtagsfraktion gibt es, so hört man, noch Widerstand. Max Schmidt, der Vorsitzende des Bayerischen Philologenverbands, äußerte nach der Ausschusssitzung seine Überzeugung, dass früher oder später alle bayrischen Gymnasien wieder neun Schuljahre anbieten werden.

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