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Ganztagsschulen Dschungel aus Bestimmungen und Angeboten

Wo groß Ganztag draufsteht, steckt oft nur mickrige Kinderverwahrung drin. Bei Öffnungszeiten und Finanzierung von Zusatzpersonal klaffen die Vorgaben weit auseinander, wie eine neue Studie zeigt.

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Ganztagsschulen sollen helfen, die Lernchancen für alle Kinder zu verbessern. Quelle: dpa

Gleiche Lernchancen für alle, mehr Zeit für die Förderung einzelner Kinder, willkommene Hilfestellung für berufstätige Eltern: Die Erwartungen an Ganztagsschulen waren und sind enorm hoch. Seit rund zehn Jahren treibt die Politik den Ausbau dieser Schulform voran. Wie unterschiedlich die 16 Bundesländer etwa bei Lernzeiten und Personalausstattung vorgehen, legt eine vergleichende Analyse der Bertelsmann-Stiftung offen.

An deutschen Ganztagsschulen gibt es von Bundesland zu Bundesland riesige Unterschiede bei den Lernzeiten und der Ausstattung mit Lehrern oder Erziehern. So liegt die Bandbreite dessen, was die Länder jährlich für zusätzliches Ganztags-Personal ausgeben, zwischen schmalen 1300 Euro pro Schulklasse einer gymnasialen Ganztagsschule (Sekundarstufe I) in Sachsen - und üppig bemessenen knapp 37.000 Euro in Rheinland-Pfalz.

Flickenteppich Ganztagsschule

Von einem „Flickenteppich Ganztag“ sprechen daher die Autoren der Studie. „Wir haben bundesweit einen Dschungel an unterschiedlichen Bestimmungen zur Verteilung von Ressourcen im Ganztag. Die riesigen Unterschiede legen offen, wie sehr es an gemeinsamen Standards für den Ganztag mangelt“, fasste Dirk Zorn, Bildungsexperte der Bertelsmann-Stiftung, die Erkenntnisse des Reports zusammen. Für gleichwertige Lernchancen müssten die zuständigen Kultusminister der Länder dringend Mindeststandards vereinbaren.

Wie steht es um das Modell Ganztagsschule in Deutschland?

So ist die zusätzliche Zeit, die Ganztagsschülern im Vergleich zu anderen zur Verfügung steht, abhängig von weit auseinander gehenden Vorgaben in den Ländern. Grundschüler in hessischen Ganztagsschulen verbringen 22 zusätzliche Stunden pro Woche an der Schule. In Thüringen, Sachsen und Nordrhein-Westfalen sind nur acht vorgesehen.

Für Nachmittags gibt es keine Fachkräfte

An weiterführenden Schulen sinkt im Durchschnitt die Zusatz-Lernzeit, die riesige Spannbreite je nach Land bleibt: Kommen Ganztagsschüler aus Hessen oder Hamburg auf überdurchschnittliche Werte zwischen 13 und 16,4 Extra-Stunden, so sind für Schüler aus Nordrhein-Westfalen und den ostdeutschen Flächenländern mit Ausnahme Brandenburgs in den höheren Klassen nur rund vier Mehrstunden vorgesehen.

Der Bertelsmann-Report moniert auch, dass Lernzeiten und Personalausstattung in vielen Ländern nicht aufeinander abgestimmt seien. So stellten die Länder Hessen und Bremen gerade mal so viel Zusatz-Personal zur Verfügung, dass 22 Prozent der Nachmittags-Extrazeit mit Fachkräften bestückt sind. Nimmt man die Grundschulen aus, stehen auch Sachsen und Thüringen mit ähnlichen Werten schlecht da. Die entstehende Lücke muss den Autoren zufolge mit kommunalen oder privaten Mitteln gefüllt werden - Lehrer besetzten diese Stellen nicht.

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